15Sep

Osttirol im Herbst, das schönere Tirol zur besten Zeit

Essen & Trinken / Markus Egger

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Das war schon immer so und wird sich wohl auch nie ändern. Die einen schwören Stein und Bein auf Nordtirol, und die anderen lieben Südtirol über alles. So ist das auch bei uns beiden. Ein verlängertes Wochenende steht an. Sie will in das südliche Tirol und ich in’s nördliche. Und wie’s eben so oft im Leben läuft: recht hat keiner der beiden! Am schönsten ist es nämlich hier, in Osttirol, wie wir seit unserem Ausflug wissen. Das bessere Wetter der Alpensüdseite und die schnelle Erreichbarkeit des Nordens sind hier eins. Wer jetzt widerspricht, tut das nur, weil er wohl noch nie hier war. Ganz besonders bezaubernd ist Osttirol im Herbst, wenn das Erntejahr zu Ende geht und der Genuss lokaler Köstlichkeiten in den Vordergrund rückt.

Osttirol im Herbst, wenn der Genuss Hochsaison hat

Der schnellste Weg in diese Genussecke Österreichs führt dabei über die Felbertauernstraße, fantastische Einblicke in den Nationalpark Hohe Tauern sind da schon bei der Anreise garantiert. Dank der neuen Trasse geht’s jetzt noch bequemer und sicherer in den Süden. Dort angekommen meldet sich bei mir bald ein leichter Hunger. Ein Exil-Osttiroler hat mir mal etwas von einem Geheimtipp erzählt, sein persönlicher Lieblingsberggasthof sozusagen. Also in Matrei rasch von der Felbertauernstraße abgebogen und weiter rauf nach Hinteregg. Am Parkplatz angekommen starten wir einen gemütlichen Spaziergang durch einen Lärchenwald bis wir schließlich vor dem Strumerhof stehen. Er scheint förmlich am Berg zu kleben, so exponiert ist seine Lage hoch über dem Tal. Das garantiert zumindest eine herrliche Aussicht. Und das Essen ist sowieso ein Gedicht, ganz besonders das Unkrautsüppchen, das sogar schon Sarah Wiener hier heroben gekocht hat.

Die Unkrautsuppe: wurde sogar von Sarah Wiener gekocht

Die Unkrautsuppe wurde sogar von Sarah Wiener gekocht (Bild: Felix Kozubek)

Unser kulinarischer Roadtrip in Osttirol im Herbst führt uns weiter ins Defereggental, einem der unberührtesten Hochgebirgstäler der Alpen. Hier findet man vor allem zwei Dinge, Ruhe und Ursprünglichkeit. Trotz alledem ist die Zeit hier nicht stehengeblieben. Das merkt man spätestens, wenn man im Hotel Jesacherhof eincheckt. Hier gibt es sogar einen eigenen Familienwellnessbereich.

Defregger Heilwasser: lindert viele Beschwerden

Defregger Heilwasser: lindert viele Beschwerden

Ein Highlight in der Region ist allerdings das Deferegger Heilwasser. Ein Schatz, der in Millionen von Jahren gereift ist und Linderung bei vielen Beschwerden verspricht. Das Abfüllgebäude des Deferegger Heilwassers in St. Jakob ist immer einen Besuch wert, alleine schon wegen der integrierten Tropfsteinhöhle.

Osttirol im Herbst, das ist Berglammzeit

Zurück im Jesacherhof entspannen wir zuerst im neuen Spa Alpin bevor es dann ans Abendessen geht. Das nächste Highlight steht am Plan, das Abendessen. Wer aufmerksam durch Osttirol reist, wird die vielen Schafe auf den Bergen bemerkt haben. Kein Wunder, finden sie hier auf den Almwiesen doch beste Bedingungen vor. Das schmeckt man dann auch, wenn man sich ein herzhaftes Osttiroler Berglamm mit Osttiroler Kartoffel gönnt. Es hat schon einen Grund, warum dieses Berglamm, eine ganz spezielle Züchtung, Aufnahme in die Liste der Genussregionen Österreichs gefunden hat.

Osttirol im Herbst, das ist die perfekte Zeit für einen Lammbraten vom Osttiroler Berglamm.

Osttirol im Herbst, das ist die perfekte Zeit für einen Lammbraten vom Osttiroler Berglamm.

Unser Weg führt uns am nächsten Morgen weiter nach Kals am Großglockner, wir wollen einen Blick auf Österreichs höchsten Berg werfen. Die Bergwelt um den Glockner und die Schönheit der Natur von Osttirol im Herbst lassen sich nur schwer in Worte fassen, man muss das einmal selber erlebt haben. Gut, dass es den Nationalpark Hohe Tauern gibt, der dafür sorgt, dass das auch noch für Generationen so bleibt.

Herbstliche Landschaft in Osttirol

Herbstliche Landschaft in Osttirol

Wir nützen die Zeit für eine Wanderung am Kalser Tauernhaus vorbei zu den Zirben im oberen Dorfertal. Der Duft der Zirbe nimmt einen sofort in seinen Bann und hat auch eine positive und beruhigende Wirkung auf den Menschen. Was der Duft leider nicht kann, ist Hunger stillen. Deshalb machen wir uns bald wieder auf den Weg ins Tal zu unserem Quartier, dem Hotel Taurerwirt in Kals. Wir sind ganz schön erschöpft, als wir dort ankommen. Die Wirtsleute haben für uns ein Heublumenbad vorbereitet, das hilft gegen Müdigkeit und Gelenksbeschwerden haben sie gemeint. So ganz nebenbei stärkt es auch die Nerven und kann auch gegen Hautunreinheiten eingesetzt werden. Eine richtige Naturarznei diese Heublumen!

Entspannender Heublumenbad (Bild: Taurerwirt)

Entspannendes Heublumenbad (Bild: Taurerwirt)

Unser Kurztrip nach Osttirol im Herbst kann natürlich auch am zweiten Abend mit einem kulinarischen Höhepunkt aufwarten. Diesmal sind’s die Osttiroler Schlipfkrapfen, die uns begeistern. Das sind Teigtaschen, die mit Kartoffeln, Kräutern und Gewürzen gefüllt werden. Ist übrigens gar nicht so schwer, Schlipfkrapfen selber zu machen.

Osttiroler Schlipfkrapfen

Osttiroler Schlipfkrapfen

Ein Verdauungsschnaps darf natürlich vor dem Schlafen gehen nicht fehlen. Hier in Osttirol wird da der Pregler gereicht, eine alte heimische Spezialität aus Äpfeln und Birnen. Und weil der Pregler gleich so gut geschmeckt hat, machen wir am nächsten Morgen noch einen kleinen Umweg zu einer Naturbrennerei, um uns ein Fläschen für daheim mitzunehmen. Wiederkommen tun wir sowieso, denn Osttirol im Herbst ist immer einen Besuch wert und wir müssen auch gar nicht mehr diskutieren, welches Tirol uns das Liebste ist.