16Feb

Fotoworkshop im Nationalpark Hohe Tauern

Gastbeiträge /

Winter, Schnee, Licht und meine Kamera
19.1- 22.1.2017

Dass meine erste Reise in den Nationalpark Hohe Tauern ausgerechnet in den Winter fiel, war dem Kursangebot des Osttiroler Nationalparks und Fokuspokus-Workshops zu verdanken. Im Winter-Licht die Landschaft zu erkunden, viel über Fotografie zu lernen und mit einer tollen Gruppe unterwegs zu sein, war schon in der Ausschreibung sehr verlockend.

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Im Winterlicht die Landschaft fotografieren.

 

Für uns Reisende aus Deutschland ging der Fotoworkshop bereits am 18.01.2017 los. Wir starteten in Hannover und sammelten auf unserer Tour in den Süden gleich noch eine Teilnehmerin in Nürnberg ein. Bis unters Dach war unser VW-Bus gefüllt, doch die Fahrt war lustig und unterhaltsam. Mitten in der Nacht, bei eisigen -17 Grad, erreichten wir dann unser Ziel. Den Landgasthof Steiner in der Nähe von Matrei in Osttirol. Unser Wirt, Alois Steiner, wartete bereits auf uns. Doch bevor es für die Teilnehmer ins Bett ging, wurden wir vom Wirt zu einem typisch Osttiroler Zirbenschnaps eingeladen.
Am nächsten Tag ging es dann ganz offiziell los. Nationalpark-Ranger Emanuel Egger und Fotodozent Patrice Kunte begrüßten uns und anschließend waren wir an der Reihe uns vorzustellen. Interessant war zu sehen, von wo die Leute aus dem Kurs herkommen. Südtirol, Wien, Weißensee und Deutschland. Von Ranger Emanuel gab es eine spannende Einführung in den Nationalpark mit seinen Landschaften, seiner Pflanzenwelt und einen Überblick über die tierischen Bewohner zu hören. Vor allem der Bartgeier hat mich schwer beschäftigt. Wie kann ein Vogel mit so einer Größe, noch so elegant fliegen?
Im Anschluss startete dann der erste Workshop mit Profifotograf Patrice Kunte. Es gab eine kurze Technikeinführung für Spiegel-Reflex- und Systemkameras, nützliche Tipps zur manuellen Kameraeinstellung und einen Überblick über die benötigten Objektive. Beim anschließenden Abendessen in gemütlicher Runde unterhielten wir uns über Fotografie, Reisen und weitere spannende Themen. Nach dem ersten Workshop-Tag ging es für mich früh ins Bett, denn am nächsten Morgen sollte es früh losgehen. Geplant war es, den Großglockner im Sonnenaufgang zu fotografieren.

 

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Dem König, dem Großglockner so nah!

 

Nachdem wir eine halbe Stunde mit dem Auto unterwegs waren, hieß es schnell die Schneeschuhe an und ab nach oben. Wir haben in den steilen Hängen der Berggruppen, rund um den Glockner einige Steinböcke und Gämse entdecken können. Zum Glück hatten wir Nationalpark-Ranger Emanuel und Profifotograf Patrice dabei. Die beiden haben für uns die Steinböcke an den Felswänden entdeckt und mit Hilfe des Spektivs erst sichtbar gemacht. Wirklich beeindruckende Tiere diese Steinböcke. Auf der Wanderung gab es dann noch verschiedene Fotoaufgaben zu erledigen, um die Landschaft ordentlich in Szene zu setzen. Bei technischen und gestalterischen Fragen stand uns Patrice dann sehr zur Seite und konnte die offenen Fragen problemlos klären. Vor allem das Fotografieren von Schneelandschaften hat es in sich, da nur kaum Strukturen und Farben, anders als im Sommer, vorhanden sind.

 

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Mit viel Technik den perfekten Schuss einfangen.

 

Am Nachmittag ging es für alle Teilnehmer dann runter zum gefrorenen Flussbett, nun durften sich alle der Lichtmalerei widmen. Mit Hilfe von Taschenlampen, einem Blitzgerät und einem LED-Leuchtstab, der witzig die Farben wechselte, wurde dann in den klaren, kalten Abendhimmel gemalt und meist länger als 20 Sekunden belichtet. Entstanden sind interessante Lichtgebilde, die für die Fotografen erst auf dem Display der Kamera sichtbar wurden.

Nach 1,5 Stunden war aber Schluss, denn der Wind hat dafür gesorgt, dass wir ordentlich durchgefroren waren. Bevor es an die abendliche Bildbearbeitung der Bilder ging, gab es hausgemachtes Gulasch oder einen Jägerteller. Kurz darauf waren dann alle fleißig am Bearbeiten und Retuschieren, denn später wurden die besten Bilder der einzelnen Teilnehmer kritisch von Patrice Kunte beäugt, interessante Hinweise gegeben und die Ziele für den kommenden Tag im Nationalpark besprochen. Es ist wirklich spannend zu sehen, was man alles so auf seinen Bildern übersieht und erst bei einer Bildbesprechung sichtbar wird. Interessant war auch zu sehen, was die anderen Teilnehmer alles gesehen haben, woran ich teilweise vorbeigelaufen bin. Nach Mitternacht fielen wir froh und ermüdet in unseren wohlverdienten Schlaf.
Am darauf folgenden Tag, ging es morgends noch ins Gschlösstal wobei der Höhepunkt der Wanderung war ein Almdorf auf 1800m Höhe. Die Wanderung hat gut begonnen, der Ranger entdeckte direkt einen Bartgeier-Horst mit zwei Bartgeiern. Einen Zwischenstopp machten wir dann noch beim Eispark Osttirol, wo Eiszapfenwände sich 20 Meter in die Höhe streckten und Eiskletterer ihr Können unter Beweis stellten. Nach zwei Stunden erreichten wir dann das schöne Almdorf im Aussergschlöss. Von dort genossen wir einen perfekten Blick in den Nationalpark Hohe Tauern und auf die Venedigergruppe.

 

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Das Gschlößtal mit dem Großvenediger im Hintergrund.

 

Zurück im Landgasthof Steiner gönnten wir uns wieder eine Auszeit, bevor wir dann die zweiten Experimente rund um die Lichtmalerei machten. Zum krönenden Abschluss gab es vom Wirt selbstgemachte Steinofen-Pizza im Keller des 300 Jahre alten Bauernhauses mit reichlich Getränken und vielen netten Gesprächen mit den anderen Hausgästen des Osttiroler Landgasthofes. Kurz darauf ging es dann eine Etage höher zur Bildauswahl und -bearbeitung unter den aufmerksamen Augen unseres Foto-Dozenten Patrice. Abschließend saßen wir dann in einer wirklich angenehm lockeren Runde zusammen, lachten, sprachen über unsere Bilder und erhielten viel Lob und nützliche Kritik von Profifotograf Patrice und Ranger Emanuel. Um 24 Uhr war dann Schluss und zum letzten Mal ging es für die Teilnehmer an den Stammtisch in der Gaststube. Ein sehr anstrengendes Wochenende im Nationalpark Hohe Tauern Osttirol ging zu Ende und hinterlässt wundervolle Eindrücke von Natur, Menschen und viel Wissen über Fotografie, Bildgestaltung und das richtige Sehen.

 

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Neben den Fotos nimmt Thyl auch viele schöne Eindrücke von Osttirol mit nach Hause.

 

Reisebericht Thyl Voss aus Hannover (16 Jahre)
Teilnehmer des Fotoworkshops im Jänner 2017, Nationalpark Hohe Tauern Osttirol
Video Winterlicht 2017 ansehen unter: https://vimeo.com/202948472

Achtung:
Wer sich für Workshops mit Osttiroler Nationalpark-Ranger und Profifotograf Patrice Kunte interessiert hat im Sommer 2017 (13.-17.09.) die Möglichkeit an einem Workshop zum Thema „Filmen mit Spiegelreflex- und Systemkameras“ teilzunehmen – einzigartig und dazu noch im größten Schutzgebiet Österreichs (max. 8 Teilnehmer).
Infos unter: Nationalpark Hohe Tauern Tirol, 04875/51610-10; nationalparkservice.tirol@hohetauern.at