31Jan

Mariä Lichtmess – einst und heute

Hervorheben Kultur & Tradition / Johanna Kraler

An Mariä Lichtmess, welches am 2. Februar gefeiert wird, ist Weihnachten endgültig vorbei. Das wissen die meisten, da an diesem Tag die Krippen abgebaut werden. So zumindest ist es bei uns in Osttirol Brauch.

Doch was beinhaltet Lichtmess denn nun wirklich und was hatte es in früherer Zeit für viele Menschen für eine ganz persönliche Bedeutung?

 

„Fest der Reinigung Mariens“

Ganz ursprünglich handelte es sich dabei um das „Fest der Reinigung Mariens“, denn nach alter jüdischer Vorschrift mussten alle Mütter am 40. Tag nach der männlichen Erstgeburt ein Reinigungsopfer darbringen. Und bei Maria fiel dieses Datum auf den 2. Februar.
Hierbei sei erwähnt, dass auch in unseren Breiten die Mütter nach der Geburt ihrer Kinder bei der röm.-kath. Kirche um Reinigung bitten mussten. Ist das in unserer heutigen Zeit nicht unvorstellbar?
Doch da man schon lange von diesen Reinigungsvorschriften abgekommen ist, gilt der 2. Februar schon seit Längerem offiziell als das „Fest der Darstellung des Herrn“. Jesus wurde von seinen Eltern im Tempel unserem Herrgott „dargestellt“ (dem Herrn vorgeführt und gesegnet). Zur „Darstellung des Herrn“ gibt es beispielsweise in der Sillianer Pfarrkirche ein wunderschönes Rundgemälde des Malers Joseph Adam Mölk.

Schon seit dem 5. Jahrhundert werden zudem an Lichtmess bei der Hl. Messe Kerzen geweiht und in manchen Orten auch Lichterprozessionen abgehalten.

Doch neben den kirchlichen Gepflogenheiten hatte Lichtmess früher in der bäuerlichen Bevölkerung etwas Eigenes zu bedeuten.

 

Lichtmess – Zahltag und Kündigungstag für Knechte und Mägde

Als es bei uns in Osttirol noch Knechte und Mägde gab, und diese Zeit ist noch nicht allzu fern, war der 2. Februar für diese ein besonderer Tag. – Es war Zahltag und/oder Kündigungstag.
Denn an diesem Tag wurde der (karge) Lohn für das zurückliegende Jahr (!) ausbezahlt und im schlimmsten Fall sogar die Kündigung ausgesprochen. So war es nicht selten zu sehen, dass die Dienstboten mit ihrem Löffel am Hut auf der Suche nach einer neuen Dienststelle waren. Denn meist hatten sie nicht recht viel mehr als das, was sie am Leibe trugen und eben ihren eigenen Löffel. Einen Löffel deshalb, weil es bei den Dienstbotenmahlzeiten, aber vielfach auch bei der bäuerlichen Familie selbst, nur eine große Schüssel in der Tischmitte gab, aus der alle gemeinsam aßen.
Und wenn unterm Jahr der Bauer zu einem Dienstboten meinte: „Heute ist Lichtmess!“, dann war das sozusagen die Kündigung.

Vom 3. bis 5. Februar folgten für die Dienstboten die sogenannten „Schlenggeltage“ – das waren jene Tage zwischen alter und neuer Arbeitsstätte, die sie für sich persönlich nutzen konnten. Kaum vorstellbar, wenn wir bedenken wie viel Tage uns in der heutigen Zeit um „schlenggeln“ bleiben. Für die Knechte und Mägde waren es nur 3 Tage im Jahr!

Übrigens, umgangssprachlich findet das Wort „schlenggeln“ heute noch oft Verwendung. Deshalb heißt es dann für den nächsten Urlaub, im schönsten Sinne des Wortes: auf zum „Schlenggeln“ nach Osttirol!

Fotos 1930,1933,1939: Archiv Peter Leiter, Sillian