22Dez

Die Rauhnächte: „Rachn gehn“

Kultur & Tradition / Claudia Isep

Die Rauhnächte sind eine mystische Zeit zwischen Weihnachten und dem Heiligen 3 König Tag, den 6. Januar. Viele Bräuche und Riten gibt es in dieser Zeit in Osttirol, und ein besonders liebgewonner Brauch ist das Räuchern.

 

Auch bei der Familie Defregger am Straganzhof in Iselsberg wird noch geräuchert.

Die Rauchpfanne mit der Glut, Kräutern und Weihrauch

 

In eine Pfanne oder einem anderen Behälter wird Glut aus dem Herd gegeben. Auf diese  Glut legt man Weihrauch, Teile des am Palmsonntag geweihten Palmbesens, des geweihten Frauenbuschen (15. August) oder andere geweihte Kräuter. Unter Gebet zieht man dann mit der Pfanne durch Haus und Hof. Hinter dem Vorbeter mit der Rauchpfanne segnet eine zweite Person mit Weihwasser jedes Zimmer.

 

Das Räuchern dient zum Schutz von Haus und Hof und allen, die darin wohnen. Es bedeutete Unglück oder den Tod, wenn ein Familienmitglied beim Räuchern fehlte. Die Glutreste wurden üblicherweise ins Feuer geworfen. Dann wurde zum Abschluss ein Rosenkranz gebetet.

 

 

Nun erzähle ich euch aber, wie sich das für mich als Kind angefühlt hat!

Schon am Heiligen Abend war ich sehr nervös. Das „Christkindl“ sollte uns Geschenke bringen – aber: waren wir auch brav genug?
Bevor es zur Bescherung kam, wurden bei uns zu Hause immer die gleichen Bräuche vollzogen. Am Heiligen Abend mittags kam der „Blattlstock“ auf den Tisch. Jeder konnte sich nehmen, soviel er wollte. Für mich war das nicht so toll, da ich ein „Fleischtiger“ war. Schon jetzt freute ich mich auf das selbstgemachte Würstl mit Sauerkraut, das es am Abend immer gab.

 

„Rauhnächte“ oder wie ich sie liebevoll nenne „Rauchnächte“

 

Aber ich wusste ganz genau, dass das noch dauern würde, denn wir gingen immer in den Rauhnächten das Haus „ausräuchern“. Es wurde in einer kleinen Pfanne Weihrauch mit Holz, Fichtenzweigen, ein wenig vom Palmbesen (Palmen, die zu Ostern geweiht wurden) und Glut aus dem Ofen entzündet. Gleich fing der Inhalt der ganzen Pfanne an zu rauchen. Der Geruch von Weihrauch durchströmte das ganze Haus.

Feierlich ging das Oberhaupt der Familie mit der Räucherpfanne voraus. Hinter ihm folgten wir – Mama hatte immer den „Weihbrunnkessel“ ( Schüssel mit geweihtem Wasser) in der Hand. Oma hielt einen Rosenkranz und betete vor.

Nun gingen alle Bewohner des Hauses in Form einer Prozession durch alle Räume – auch durch den Stall und die Holzhütte. Es wurde dabei der Rosenkranz gebetet, in jeden Raum Rauch hineingetragen und auch mit Weihwasser der Raum gesegnet. Ich hatte immer ein ganz komisches Gefühl dabei…. es war irgendwie gruselig. Mama erzählte uns auch, dass in den Rauhnächten die Tiere sprechen können. Voll gespannt ging ich auch in den Stall: spricht eine Kuh mit mir? Was will sie mir sagen? Noch heute warte ich auf eine Antwort! 😉

 

 

Nachdem das ganze Haus ausgeräuchert und gesegnet war, konnte das Christkind endlich die lang ersehnten Geschenke bringen. Die Freude war riesengroß! Leider muss ich gestehen, dass ich dem Christkind auch noch nicht selber begegnet bin! Aber: was noch nicht ist, kann ja noch werden 😉
Die Tradition des „Räucherns“ wurde bei uns zu Hause drei mal gemacht: am 24. + 31. Dezember und am 5. Jänner.

Ja, es gibt so manche Erinnerungen aus der Kindheit, die man vergisst – jedoch das Mystische der Rauhnächte, das Warten auf das „Reden können mit den Tieren“ bleibt einem ein Leben lang in Erinnerung.

 

Linktipp:

Straganzhof am Iselsberg: Hier sind die schönen Bilder entstanden. Übrigens, hier kann man sich auch für einen Bauernhofurlaub einbuchen.
Universität Innsbruck : Infos zum geschichtlichen Teil.