04Apr

Hochzeit am Gipfel des Großglockners

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Hochzeit am Gipfel des Großglockners? Was?! Da frag‘ ich mal nach.

Hoch droben in den Bergen, am Fuße des größten Berges Österreichs, liegt das Dörfchen Kals. Gleich bei der Dorfeinfahrt entdecke ich ein kleines Häuschen, das mich auf Anhieb an eine Berghütte erinnert. Spannendes Haus – spannende Bewohner? Nichts wie hinein!

Doris und Peter Ponholzer sind bis heute das einzige Paar, das sich am Gipfel des Großglockners das „Ja-Wort“ gab. Bisher haben die beiden ihre Geschichte nie publik gemacht, nur einige Bekannte wussten etwas davon. Nun, nach 32 Jahren, erzählen sie erstmals über den schönsten Tag ihres Lebens.

Hochzeit am Großglockner

Das Bergsteiger-Ehepaar traute sich, wo sich noch niemand traute.

 

Peter, wie kam die Idee, auf dem Gipfel des höchsten Berges Österreichs zu heiraten?

Peter: Für uns war immer klar, wir werden in der Natur heiraten! Und da der Großglockner unser Hausberg, unser Kraftberg, ist und ich schon unzählige Male als Bergführer oben war, auch mit Doris, lag es einfach auf der Hand und erschien uns als einzig logischer Platz.

Wie reagierte euer Umfeld und vor allem der Pfarrer auf diese Idee?

Peter: Eigentlich mit Begeisterung. Wir wollten ohnehin nur einen kleinen Familien- und Freundeskreis bei unserer Hochzeit, von denen eigentlich jeder selbst ein begeisterter Bergsteiger ist. Vor allem mit dem Pfarrer Franz Hofmann hatten wir ein richtig großes Glück. Denn auch er war begeisterter Kletterer und packte die Gelegenheit beim Schopfe, um erstmals über den Stüdlgrat (anspruchsvoller Klettergrat) auf den Gipfel zu klettern.

Wie habt ihr EUREN Tag erlebt?

Peter: Es gab kein konkretes Datum. Wir wussten, wir wollen im August heiraten, aber der Tag war wetterabhängig. An diesem 20. August kam ich dann gerade von einer Tour am Glockner zurück, als man mir mitteilte – So, jetzt geht’s los! Der Pfarrer ging mit einem Bergführer schon voraus und baute einen Altar. Wir haben währenddessen noch auf der Adlersruhe (Erzherzog-Johann-Hütte) gegessen und begaben uns erst am Abend auf den Weg, um den Menschenansturm untertags zu entgehen.

Doris: Außerdem mussten wir noch auf Toni (Bruder von Peter, Extrembergsteiger und Trauzeuge) warten. Er war noch nicht mit den Ringen da.

Peter: Um halb 8 waren wir dann am Gipfel. Die Sonne ging gerade unter als wir oben ankamen. Es war magisch.

Doris: Nicht im Brautkleid, sondern in Bergsteiger-Kluft. Das war uns aber auch nicht wichtig.

Peter: Es war einfach eine „gewaltige Geschichte“. Alleine am Gipfel. Diese Sicht! Bei Sonnenuntergang! Hinunter gingen wir mit Taschenlampen. Danach noch 2 Tage Urlaub, fertig. Und es hebt bis heute! (lacht)

Doris, warum habt ihr die Geschichte immer nur für euch behalten?

Das war ganz interessant. Obwohl wir eigentlich nur einer handverlesenen Auswahl an Bekannten von unserem Vorhaben erzählt haben, bekamen wir trotzdem von einigen Medien Anfragen, das Ganze zu dokumentieren und fotografieren. Es kam sogar das Angebot, aus dem Hubschrauber mitzufilmen. Aber all das wollten wir nicht, da es unsere Hochzeit war, die wir nur für uns genauso erleben und in Erinnerung behalten wollten. Und das war, auch aus heutiger Sicht, die beste Idee.

 

Ein kleine Anekdote zum Schmunzeln:

 

Zur Person Peter Ponholzer:

Peter Ponholzer wurde 1957 in Lienz geboren und entdeckte schon in frühen Jahren, gemeinsam mit seinem Bruder Toni (bekannter Extrem-Kletterer), die Bergsteigerlust für sich. Mit 16 ging es dann für den Jung-Bergführer auf ein besonderes Kletterabenteuer in den Kaukasus auf Berge über 5000 Meter. Zuvor bestieg er noch 4000er in der Schweiz. Das alles unter 18 und ohne jemals zuvor den Großglockner bestiegen zu haben.

Nach seinem Studium kam er als Junglehrer nach Kals und lernte dort in einem Gasthaus seine Doris kennen. Die Liebe ließ ihn in Kals bleiben. Neben der Schule verbrachte er jede freie Minute auf den Bergen. Dutzende Male begleitete er Urlaubsgäste auf den Gipfel des Großglockners. Wie oft er wirklich oben war, lässt sich nur schwer schätzen. „Naja ich habe das 35 Jahre lang gemacht. Gut 400 Mal werde ich schon oben gestanden sein beim Kreuz“, rechnet der Alpinist nach.

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Schmökern in alten Geschichten bei Kaffee und Keksen.

Dabei entstanden Freundschaften und Geschichten fürs Leben, die ein ganzes Buch füllen könnten. „Welches ich eventuell auch noch schreiben werde“, schmunzelt Ponholzer.

Am Berg zeigen die Menschen ihr wahres Gesicht! Diese Erkenntnis nahm Ponholzer mit. „Die, die zuvor am größten geschwafelt haben, waren dann meist diejenigen, die sich am Weg als größte Angsthasen entpuppten. Und diejenigen, die sich anfangs ganz ruhig und ehrfürchtig gaben, zeichneten sich als die Mutigsten aus“, resümiert Ponholzer.

 

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Für jeden Spaß zu haben. Peter Ponholzer hier beim Frisör – am Gipfelkreuz des Großglockners. Manchmal wurde er auch mit Reinhold Messner verwechselt – warum nur?

 

Er wurde ehrenamtlich Präsident der Bergführer in Tirol und kurz darauf Präsident der Bergführer in Österreich. Dieses Amt ließ ihn rund um die Welt reisen. Er traf sich mit anderen Bergführern aus aller Welt. Unter anderem war er auch einen Monat in Japan. Gegen Ende seiner schulischen Laufbahn wurde er dann auch noch Direktor der Hauptschule in Kals.

2013 wurde der Tausendsassa durch einen Schlaganfall heftig aus der Bahn geworfen. Komplikationen bei einer Operation lähmten ihn auf der gesamten linken Körperhälfte, was ihn ans Bett fesselte. Für viele Menschen wäre das bestimmt ein Grund, sich aufzugeben. Nicht so für den ewigen Kämpfer Peter Ponholzer. Auf die Frage eines Arztes, was er noch erreichen möchte in seinem Leben, sagte er nur trocken: „Weihnachten zuhause, im Frühling wieder gehen können und im Sommer den Glockner besteigen.“ Und tatsächlich. Das Krankenbett konnte er innerhalb kürzester Zeit gegen den Rollstuhl tauschen. Dieser wurde dann gegen einen Rollator getauscht und nach einem halben Jahr stand er schon wieder auf eigenen Beinen, gegen jede noch so optimistische Prognose der Ärzte. Nur das Ziel, den Glockner noch einmal zu besteigen, konnte er bis dato noch nicht erreichen. Nun genießt er sein zurückgewonnenes Leben umso mehr und erlebt sehr bewusst jeden einzelnen Tag mit seiner Frau Doris in seinem Haus mit Garten und angrenzendem Bach. Oder um es mit Peter’s Worten zu sagen: „Es ist so wie es ist. Und so wie es ist, ist es gut.“

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Er kämpft sich zurück und will wieder nach ganz oben – Peter Ponholzer

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