Andrea Zanier

3. Januar 2019

Rudl Duregger – Der Schmied und das Glück

Rudl Duregger – ein Original in Osttirol.

Rudl Duregger gehört in der Messinggasse in Lienz zum Stadtbild. Der Stadtteil ist historisch vom Kunsthandwerk geprägt, und hat sich dieses Ambiente bis heute bewahrt. Als Schmied gehört er zum Archetyp des Kunsthandwerkers, und ist dadurch zu einem Original der Sonnenstadt geworden. Seit fast 50 Jahren betreibt er die Kunstschmiede in der Messinggasse, seine Frau das dazugehörige Geschäft „Alte Schmiede“ nebenan –  wohl eines der meistfotografierten Motive unserer Bezirkshauptstadt und immer einen Besuch wert.

Vom Schlag des Hammers bis zum Läuten der Krampus Glocken.

Luster, Treppengeländer, Fenstergitter, Grabkreuze und alles, was man aus Metall benötigt, fertigt Rudl kunstfertig am Feuer des historischen Gebäudes. Die Krampus Glocken für viele der traditionellen Umzüge in Osttirol werden ebenfalls in der Schmiede von Rudl – oder mittlerweile seinem Sohn Stefan – gefertigt. Er hat das Handwerk des Glockenschmiedens von seinem Vater Rudl übernommen, und hört auf Rudl genauso wie dieser.

Der Schlag des Schmiedehammers lässt die Leute in den Straßen aufhorchen und zieht sie an. Schon seit 1884 gab es hier die Kunstschmiede des Viktor Riebler. 1970 übernahm Rudl Duregger diese als gelernter Schlossermeister. 1974 mietete er das Geschäft „Alte Schmiede“ im Haus nebenan dazu, das seine Frau Nane stilvoll und authentisch führt. Die „Alte Schmiede“ in der Messinggasse 4 datiert auf 1781 zurück. Die Jahreszahl ist in einen Wassertrog aus Stein in die Esse graviert, in der früher Hufeisen und Wagen-Beschläge geschmiedet wurden. Heute präsentiert Nane Duregger in der alten Feuerstelle wunderschöne, schmiedeeiserne Wohnaccessoires und Gebrauchsartikel. Die beiden Gebäude werden von einem urigen Garten verbunden, der auch immer wieder für Feste genutzt wird. Ein guter Platz.

Die Alte Schmiede in Lienz – archaisch und historisch das Gebäude, gesellig der Schmied.

Zum Original wird man nicht allein, weil man viele Jahre am gleichen Platz wirkt. Dazu braucht es auch Persönlichkeit. Rudls Schmiede scheint wie ein Dreh- und Angelpunkt der Lienzer Altstadt, viele halten gern an für einen kurzen Plausch. Die historische, archaische Atmosphäre haben die Hausbesitzer und die Dureggers bewusst bewahrt, sie zieht Kunstinteressierte und Künstler gleichermaßen an.

Solche Orte gibt es nicht mehr viele. In der Schmiede fanden schon Kunstausstellungen, kulturelle Veranstaltungen und gesellige Treffen – sicher zur Genüge – statt. Nicht zuletzt, weil Rudl seit 60 Jahren Mitglied des Schützenbunds in seiner Heimatgemeinde Ainet ist, 30 Jahre davon als Schützenhauptmann. Er ist auch beim Sängerbund, der sein stimmungsvolles Fest im Garten veranstaltet. Rudl kennt man einfach, er ist gesellig und sympathisch präsent. Deshalb passt er zu diesem Ort.

Die obere Altstadt rund um die Messinggasse, Gartengasse und Kreuzgasse hat nämlich ein ganz besonders heimeliges Flair. Am Ende der Rosengasse verändert sich bereits das Stadtbild. Die Gassen werden schmäler und die Dächer niedriger als am repräsentativen Haupt- oder Johannesplatz. Das historische Kunsthandwerk- und Handwerk- Ambiente ist ideale Kulisse für einen Stadtmarkt-Besuch am Wochenende oder einen Altstadtbummel zum Entdecken individueller Geschäfte, Werkstätten und Lokale. Hier trifft sich Jung und Alt, Eingesessen und Ortsfremd. Und jeder kennt den Schmied.

Das Hufeisen als Inbegriff des Glücks.

Dass man Rudl Duregger in Osttirol einfach kennt liegt auch daran, dass er seit Jahrzehnten am Silvester-Tag Glücksbringer am Stadtmarkt vor der Schmiede fertigt. Auch in Treviso oder am Adventmarkt bewundert regelmäßig eine große Menge an Zusehern und Glücksuchenden seine Arbeit. Bei diesem Thema wird Rudl auch ganz besonders erzählfreudig. Wie etwa jemand einen seiner Glücksbringer in der linken Hemdtasche trägt, seit er einen Infarkt hatte.

Das kleine schmiedeeiserne Hufeisen beruhige ihn. Oder die Geschichte einer schwangeren Frau, der Nane spontan einen Glücksbringer schenkte – weil werdende Mütter doch Glück brauchen. Mit Talisman und Kind hat die Mutter die beiden dann in der Schmiede wieder besucht. Überzeugt, dass ihr dieser durch die problematische Schwangerschaft half. So wie Rudl strahlt und vor mir steht, verrichtet er ein hartes Handwerk – das ganz offensichtlich Glück bringt, und ihn glücklich macht.