20Mrz

Servus Hans Salcher!

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Hans Salcher ist offensichtlich niemand, der gerne über sich und seine Kunst spricht. Kein Wunder also, dass er es mag, wenn Leute bei ihm in seinem Atelier in Lienz (Mühlgasse) vorbeikommen. Die Bilder sollen für sich sprechen. Verständlich außerdem, dass er zögert und dann meine Interview-Anfrage freundlich abweist. Es stehe ohnehin alles auf seiner Homepage und eigentlich gebe es so viel gar nicht zu sagen. Ich akzeptiere seine Haltung und finde diese sogar sehr sympathisch.

Kein Problem also. Denn über die Person Hans Salcher lässt sich nämlich auch so viel erfahren. Seine Kindheit in Osttirol war alles andere als glücklich. Diese einschneidende Zeit machte Hans Salcher wütend und er suchte nach einem Ventil, diesen Zorn loszuwerden und zu verarbeiten. Er entdeckte, zum Glück für die Kunstwelt, die Kunst für sich. Seither malt und schreibt Hans Salcher. Sehr viel. An seinen langen Tagen im Atelier entstehen Bilder, Gedichte, Texte. Alles in unverkennbarem Hans Salcher Stil. Zu seiner Bekanntheit hat auch beigetragen, dass Servus-TV und Red Bull auf seine Bilder aufmerksam wurden. Seither steigt der Marktwert seiner Bilder kontinuierlich.

Was ist eigentlich der typische Hans-Salcher Stil?

Letztlich ist eine Biographie aber nur ein Hinweis bei der Frage, warum Hans Salcher zur Kunst gekommen ist. Sie beschreibt aber nicht die Art und Weise, die Form seiner Kunst. Besonders gut lässt sich seine Haltung zur Welt und seine Ästhetik an seinen Bildern ablesen, bei denen er auf absolute Reduktion setzt. Wenige Striche genügen ihm, um seine Welt zu umreißen und seine Wahrnehmung in ein Kunstwerk zu verwandeln. Es sind Bilder voller Naivität, einfachen Beobachtung und Schlichtheit.

Die Motivik: Oft einfach, aber immer konzis und klar.

Die Motivik: Oft einfach, aber immer konzis und klar.

Bemerkenswert ist auch, dass seine Bilder im Einklang mit den Jahreszeiten stehen. Wenn Salcher malt, dann malt er im Winter wie selbstverständlich Skifahrer, während er im Frühling oder im Sommer zum Beispiel Blumen malt. Seine Kunst ist eine Kunst der Beobachtung, des direkten Bezugs zu seinem Umfeld und zu seiner Schönheit. Er fängt die für sich schönen Momente mit wenigen Strichen und wenigen Worten immer wieder ein.

Das alles bringt mich zu einem vielleicht kühnen Vergleich. Die Kunst von Hans Salcher erinnert mich an die Kunst des Haikus. Auch dort wird, vermeintlich naiv, beschrieben was passiert und was sich zeigt. Die Natur ist einfach nur die Natur mit den je eigenen Schönheiten der Jahreszeiten. Der Autor des Haikus verschwindet hinter den Betrachtungen, es ist so, als ob die Natur selbst spricht. Es geht nicht um die Meinung und Haltung des Autors zur Welt, sondern vielmehr ist es der Versuch, die Schönheit der Welt darzustellen. So, wie sie ist. In ihrem So-Sein. In ihrer ganzen Schönheit, unverstellt von Meinung, eigener Haltung und Vorurteilen.

Wenige Striche, aber ausdrucksstark: Ein Bild von Hans Salcher.

Wenige Striche, aber ausdrucksstark: Ein Bild von Hans Salcher.

Das Haiku ist auch eine Kunstform, die viel mit Leere und Auslassungen arbeitet. Während in anderen Texten auf Fülle und Überfülle der Beschreibungen gesetzt wird, genügen dem Haiku wenige Worte. Auch die Kunst von Hans Salcher ist eine Kunst der Auslassung. Er setzt der Überfülle und der Reizüberflutung der heutigen Zeit gekonnt und konzise die Reduktion entgegen. Ganz so als sei die Schönheit der Welt eine sehr scheues Tier, das man nicht verschrecken darf, da sie sich sonst nicht mehr zeigt.

Im Einklang mit den Jahreszeiten: Die Malerei von Hans Salcher.

Im Einklang mit den Jahreszeiten: Die Malerei von Hans Salcher.

Dennoch hat die Kunst und vor allem auch die Malerei von Hans Salcher sehr viel Persönlichkeit. Wer glaubt, dass ein Strich nur ein Strich und eine Linien nur eine Linie ist, der hat die Bilder von Hans Salcher noch nicht gesehen. Diese ganz bestimmten, selbstbewussten und zugleich auch zurückhaltenden und bescheidenen Striche sind es, die seine Kunst so einzigartig und außergewöhnlich machen.

Bemerkenswert ist auch: Über die Bilder von Hans Salcher lässt sich nicht viel sagen. Sie zu beschreiben ist schwierig. Es ist lediglich möglich, ihre Grundausrichtung zu skizzieren. Sicherlich auch deswegen, weil die Bilder für sich sprechen. Und ganz einfach gesehen werden müssen, damit sie ihre volle Wirkung entfalten.

Ich kann euch nur anraten: Tut das. Schaut euch die Bilder an. Besucht Hans Salcher in seinem Atelier in Lienz. Er wird euch ganz sicher bereitwillig seine Bilder zeigen. Ob er auch über seine Person spricht, steht wiederum auf einem anderen Blatt. Aber letzten Endes zählt doch vor allem eines: Die Kunst!

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