10Jul

Über die Himmelleiter auf das Dach Österreichs – auf den Großglockner!

Sport & Aktiv / GastautorIn

Ich, der Journalist Gunther Lehmann (41), habe mich sechs Wochen für meine erste Hochtour auf den Großglockner vorbereitet. Und ich bin Österreichs höchstem Gipfel über den Stüdlgrat aufs Haupt gestiegen!

 

Wer einmal auf dem Gipfel des Großglockners steht und den Blick von Österreichs höchstem Berg auf das beeindruckende Alpenpanorama schweifen lässt, weiß, dass sich der Aufstieg auf Österreichs höchsten Berg gelohnt hat. Die atemberaubende Aussicht über die Gipfel Osttirols entschädigt mich für alle Anstrengungen der vorangegangenen Stunden, Tage und Wochen.

Die atemberaubende Aussicht über die Gipfel Osttirols entschädigt mich für alle Anstrengungen!

 

Der Entschluss, meine erste Sommer-Hochtour auf den „Schwarzen Berg“ zu planen, fiel im März bei einem Skitourenwochenende rund um die Lienzer Dolomitenhütte. Der Weg auf die 3798 Meter hohe Felspyramide war in den sechs Wochen vor der Tour gesäumt von Trainingseinheiten für Kraft und Ausdauer sowie für die nötige Technik in Fels, Firn und Eis.

 

Der Aufstieg durch das Teischnitztal:

Schon unser Zustieg zur Stüdlhütte ist ein einzigartiges Erlebnis. Direkt hinter dem Hotel Taurerwirt in Kals am Großglockner beginnt auf 1325 Metern – fernab der Hauptroute – der Weg durch das einsame Teischnitztal hinauf zum Schutzhaus auf 2802 Metern. Zwischen drei und vier Stunden sollte man für die 8,5 Kilometer lange Strecke veranschlagen, die schnell aus dem lichten Bergwald heraus führt, durch eine enge und tiefe Klamm in ein Tal, das sich mit jedem Höhenmeter weitet.

Am Vorabend des Gipfelsturms treffen die Bergführer aus Kals auf der Stüdlhütte ein. Michael Amraser, der Obmann des Kalser Bergführervereins, nimmt die Ausrüstung in Augenschein und stellt Kaiserwetter in Aussicht, bevor er mich um 22 Uhr ins Bett schickt. Am zweiten Tag heißt es bereits um 4.30 Uhr: Raus aus den Federn. Wir planen die Überschreitung des Großglockners über den Stüdlgrat zum Gipfel und wieder hinab über den Normalweg zur Adlersruhe.
Die Kälte und die Müdigkeit stecken uns in den Knochen, als wir uns über das schneeweiße Feld des Gletschers nach oben arbeiten, dem Einstieg in den Stüdlgrat entgegen. Und dann kommt er, dieser Moment, in dem ich die erste Hand an den kalten und schroffen Fels lege, den ersten Stiefel auf einen Tritt stelle, den Oberschenkel anspanne und mich nach oben drücke.

Der Stüdlgrat:

Die ersten 400 Höhenmeter sind kein Problem. Die Kletterei ist noch einfach, ich fühle mich sicher und komme schnell voran. Bald beginnt die Nebeldecke aufzureißen und gibt den Blick Richtung Großvenedigergruppe frei. Erst ab dem Frühstücksplatz zeigt sich der Stüdlgrat von seiner schroffen Seite. Wie Stacheln ragen die Felszacken der Gratkante gen Himmel. Jetzt heißt es sauber steigen! An einer glattpolierten Felsplatte mit wenigen Griffen und Tritten ist dann meine persönliche Schlüsselstelle erreicht. Die Felskanten, die meinen Finger- und Fußspitzen Halt geben sollen, sind nur wenige Quadratzentimeter groß. Ich spüre, wie sich mein Pulsschlag vor Aufregung beschleunigt. Langsam drücke ich mich Tritt für Tritt mit den Oberschenkeln die Wand entlang nach oben. Weiter auf den messerscharfen Rücken des Stüdlgrats, der jetzt wie eine Himmelsleiter Richtung Gipfel führt. Auf den letzten Metern gilt es noch einige Blöcke zu überwinden. Nach dreieinhalb Stunden erreichen wir den Gipfel, beglückwünschen uns am Kreuz und genießen für ein paar Minuten die einzigartige Fernsicht.

 

Am Dach Österreichs – Am Gipfel des Großglockners:

 

Der Abstieg zur Adlersruhe:

Auch der Abstieg fordert von uns noch einmal volle Konzentration. Jetzt geht es nur noch mit Steigeisen weiter. Das Überschreiten des biertischbreiten Schneerückens zwischen Groß- und Kleinglockner wird die letzte Probe für mein Nervenkostüm. Der atemberaubende Blick in die jähen Abgründe zu beiden Seiten lässt meinen Herzschlag noch einmal schneller werden.

 

Nach weiteren anderthalb Stunden Abstieg haben wir auf der Adlersruhe die Erzherzog-Johann-Hütte erreicht und holen unseren Gipfelschnaps bei Hüttenwirt Peter Tembler nach – die Herausforderung des mächtigen Berges im Rücken.

 

 

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