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5. Februar 2015

Meine erste Skitour im Defereggental

THILO KREIER hat St. Jakob im Defereggen im wunderschönen Osttirol für sich entdeckt. Mitte Dezember sieht der gesamte Alpenbogen recht schneekarg aus. Thilo jedoch erwartet eines der wenigen Schneelöcher, das ihm  das Skitouren-Gehen möglich machen soll. In diesem Artikel geht es weniger um die Schneesuche – bei der man in Osttirol übrigens meist ziemlich erfolgreich sein kann – denn um die Anfänge der Skitouren-Karriere unseres Autors. Wir dürfen gespannt sein, was Thilo Kreier zu berichten hat über seine erste Skitour im Defereggental.

DAS NEUE HOBBY FÜR PAPA?

Papa hat sich also übers Wochenende gleich mal Skibergsteigen in der hohen Dosierung gegönnt und sich ganz ohne Mama und Kids in den Zug gesetzt. Im Osttiroler Lienz findet das 2. “Austria Skitourenfestival” statt und soll Experten und Hobbysportler zusammenbringen. Ich also in meiner Eigenschaft als Hobbysportler, noch dazu mit guten Skikenntnissen, längst vergangenen Langlaufkenntnissen und null Skitourenkenntnissen. Also ist schon ein bisschen ein banges Gefühl in der Magengegend: “Wie anstrengend ist das eigentlich?”, “Kann man was falsch machen?”, “Wie gehe ich mit ausgesetzten Stellen um, wenn es die denn gibt?”, “Lawinengefahr?”. Am Vorabend haben wir uns im Skiverleih ein schönes Tourenskiset zusammengeliehen. Inklusive Sackerl für die Felle, die wir nun sogleich montieren. Ist schon mal gar nicht so kompliziert. Da uns zudem der Wettergott Temperaturen minimal unter Null beschert hat, starten wir wohltemperiert und mit den ersten “Klackklacks” auf einen Feldweg.

Anstiege sind zu bewältigen
Einige Höhenmeter sind zu bewältigen.

Im eigenen Tempo auf den Berg

Martin ist unser Tourenführer der Skischule St. Jakob und gibt uns kurz nach dem Start auf 2000 Höhenmeter die ersten knappen Instruktionen: Eigenes Tempo gehen, Aufstiegshilfe maßvoll einsetzen, eigenes Tempo finden, aufpassen, wo man hinhatscht, eigenes Tempo…

Nun gut, in der Gruppe ist das mit dem eigenen Tempo so eine Sache, aber wir sind heute dann doch recht homogen beinand – und machen neben der Skipiste und auf der Skipiste Höhenmeter. Stehen alle gut im Saft, der Schweiß fließt in Maßen, wir üben den ersten steileren Passagen auch mal eine laienhafte Spitzkehre und irgendwie ist das fast ein bisschen wie beim Joggen.

Anstrengend, aber saucool. Frische Luft, die Poren sind offen, wir blinzeln in die Sonne, die grad rauskommt und sehen oben bald auch schon unser Ziel die Mooseralm. Jetzt eine Apfelschorle, eine Pause und dann gemütlich abfahren – das ist ein schöner Skitourentag. Nur droben an der Mooseralm stellt sich heraus: Sie ist gar nicht unser Ziel. Martin scheucht uns noch hinauf zum Leppleskofel. Das sind weitere knapp 200 Höhenmeter, die wir schon noch in den Knochen haben, aber die jetzt schon auch jeden einzelnen ein bisschen fordern. Die Unterhaltungen des ersten Tourendrittels sind inzwischen verstummt, jeder konzentriert sich auf sich, seine Schritte, seinen Atem. Mich fordert vor allem das kurze Stück auf dem Grat. Links Felsen, rechts Felsen, oder was auch immer unter der 30 Zentimeter-Schneedecke da sein mag. Und ich mit stierem Blick auf die Skispitzen vor mir. Das Gelände weitet sich – und endlich stehen wir droben, essen Müsliriegel, trinken den letzten Schluck Wasser aus der Flasche und sind mächtig stolz, den ersten Tourengipfel “gemacht” zu haben. Gipfelglück.

Folgt also noch die gechillte Abfahrt, alles easy also. Naja, auch da hab ich mich verspekuliert. Ein paar 100 Meter Tiefschnee bis hinunter zur Skipiste, dann gehts einfach. So die Theorie. Die Praxis: Tiefschneefahren muss man mögen, ich mag’s, kann’s aber nicht so recht – und dennoch cruisen wir bis zur Skipiste, die wir nach einigen Schiebepassagen auch erreichen. Da die Piste vor Saisonauftakt nur provisorisch gewalzt ist und wir uns den Tiefschnee in bester Powderform halt dann doch nicht entgehen lassen wollen, geben wir uns auf den gut 1000 Höhenmetern bis hinunter zur Talstation der Brunnalmbahn vollends den Rest. Zum Auto wanke ich nur noch, schnell umziehen, und erst nach der zweiten Schorle und einem Riesenteller Schinkennudeln bin ich wieder einigermaßen auf dem Damm.

Erste Skitour – ein Riesenerlebnis. Anstrengend, aber soooooo geil! Könnt ein Hobby draus werden. Mal schauen, wo ich eine Ausrüstung herbekomme!

Hinweis: Skitourengehen ist nix für Laien. Eine Lawinenausrüstung mit LVS-Gerät, Schaufel und Sonde muss immer mit! Es ist gut, wenn man den Einstieg in diese Sportart nicht im Selbstversuch, sondern mit Anleitung eines Bergführers macht. Auch ein Lawinenkurs gehört zum Rüstzeug, bevor man sich alleine auf die Piste wagt. Osttirol ist einer der Hotspots in Sachen Tourengehen, einmal im Jahr findet dort das Skitourenfestival statt.