21Aug

Wandern im Hochpustertal: Die Obstansersee-Hütte

Sport & Aktiv / Felix Kozubek

Wir sitzen in der Küche meiner Großeltern. Wir planen unsere Wanderung. Nach einer kurzen Diskussion, welche Hütte wir erreichen wollen, fällt die Entscheidung. Die Obstansersee-Hütte soll es werden. Ein wahres Naturjuwel wird uns erwarten. Doch beginnen wir von vorne.

Wir starten von Lienz aus. Mit dem Auto fahren wir in Richtung ‚Osttiroler Oberland‘, sprich das Pustertal (Hochpustertal) entlang in Richtung Südtirol. In gut zwanzig Minuten erreichen wir Tassenbach. Von hier aus geht es erst scharf nach links und dann hinauf in Richtung Kartitsch (1359 m). Dieses wunderschön gelegene Dorf ist der Ausgangspunkt unserer Wanderung. Langsam fahren wir die Straße entlang, auf der Suche nach dem „Gasthof Dolomitenhof.“ Direkt gegenüber führt nämlich eine kleine Straße zum Sportzentrum Kartitsch. Dieses liegt genau am Eingang zum Winklertal, welches wir durchschreiten müssen, und es gibt genügend Parkmöglichkeiten. Einer unvergesslichen Wanderung steht also nichts mehr im Weg.

Etappe 1: Ab durch den Wald

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Wo dieser Wald-Weg wohl hinführt?

Die Wanderung beginnt gemächlich. Wir stapfen durch einen satt grünen Wald. Ein Bächlein rinnt uns entgegen. Vergnügt wandern wir vor uns hin. Ich schieße einige Fotos. Wir beide fragen uns, was uns noch erwarten wird. Noch sind wir guter Dinge und kaum außer Atem. Hier können Familien spazieren gehen, Kinderwägen schieben, Staudämme bauen. Der kleine Bach begleitet uns den ganzen Waldweg entlang. Noch ist angenehm kühl. Das sollte ich in einer guten halben Stunde jedoch ändern. Eine Gruppe Jugendlicher überholt uns schnellen Schrittes. Wir fühlen uns angespornt und erhöhen unser Tempo.

 

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Das Winklertal bei Kartitsch.

Wir kommen an Wiesen vorbei, an Lichtungen und an Rastplätzen. Der Weg ist breit – ein typischer Forstweg eben. Wir überqueren den kleinen Bach, der immer größer wird und so langsam erahnen lässt, dass weiter oben sprudelnde Quellen auf uns warten. Noch sind wir absolut relaxt, genießen die frische Luft, die Ruhe und die Gelassenheit. An einem tollen Grillplatz, nur wenige Gehminuten vom Sportzentrum entfernt, machen wir kurz Halt. Wir nehmen uns fest vor beim nächsten Mal mit Freunden und Grillfleisch aus Osttirol wieder zu kommen. Was für ein idealer Ort – Gitarre, Freunde, Fleisch und ein kühles Bier. Hier lässt es sich sicher aushalten.

Etappe 2: Stufen über Stufen

Die letzte Rast vor dem großen Aufstieg.

Die letzte Rast vor dem großen Aufstieg.

Der Wald lichtet sich schön langsam. Wir sind nun eine gute halbe Stunde auf das Ende des Talkessels zugelaufen. Vor uns wachsen hohe Steinwände in die Luft. Ein atemberaubendes Bild. Beeindruckend, fast einschüchternd. Ein Wasserfall schießt aus dem Felsen und in Richtung Tal. Man hört das Wasser rauschen. Ansonsten herrschst Stille. Schön langsam fragen wir uns, wo denn hier eine Hütte sein soll. Allmählich wird uns beiden bewusst, dass wir die steilen Wände erklimmen müssen. Bevor es gleich richtig weit nach oben geht, legen wir eine kurze Nachdenkpause ein. Die letzte vor dem großen Anstieg. Eines ist uns beiden jetzt schon klar. Es wird sportlicher. Gott sei Dank habe ich meine guten Schuhe an.

Nachdem wir das Waldstück verlassen haben wird der Weg steil. In wenigen Minuten erreichen wir eine gute Höhe. Schritt für Schritt geht es weiter nach oben. Nach wenigen Minuten beginnen die ersten Stufen. Und sie nehmen kein Ende. Wer ein ausgesprochen effektives Bauch-Beine-Po-Training sucht und dabei beeindruckende Natur erleben will, dem sei diese Wanderung ans Herz gelegt. Nach weiteren dreißig Minuten, bei denen wir nahe am Felsen wandern und sich uns ein unglaublich schöner Blick ins Tal und zurück bis Kartitsch offenbart, erreichen wir den höchsten Punkt. Was für ein Ausblick.

Stufen über Stufen. Man macht hier schnell Höhenmeter. Erstmal hinsetzen und den Ausblick genießen.

Stufen über Stufen. Man macht hier schnell Höhenmeter. Erstmal hinsetzen und den Ausblick genießen.

Etappe 3: Der letzte Aufstieg

Oben angekommen erleben wir, womit wir nicht gerechnet hätten. Ein wunderschöner Kessel tut sich vor uns auf. Malerische Landschaft. Weidende Kühe. Eine kleine Holzhütte (Villa Yeti). Eine Jausenstation die zum Verweilen einlädt. Eine Kapelle. Und ein Ausblick der einem nachhaltig im Kopf bleibt. Was für eine Idylle? Der Bach, der weiter unten als großer Wasserfall in Richtung Tal donnert, fließt hier seelenruhig und sorgt für romantische Stimmung.

  • Beeindruckend. Beschützend. Tolle Kessellage. Wunderbarer Rastplatz.

Noch immer ist das Ziel unserer Reise nicht zu sehen. Der See, inklusive Hütte, muss irgendwo weiter oben auf uns warten. Auch wenn wir schon gute 600 Höhenmeter in den Beinen haben, werden es unweigerlich noch mehr werden. Doch erst spazieren wir den Talboden entlang, bewundern Blumen, flirten mit den Kühen und erreichen schließlich ein Schotterfeld. Ein kleiner, schmaler Pfad führt einen hindurch und direkt rauf zum Grad. Nach weiteren zwanzig Minuten, in denen wir einige müde Wanderer überholen, erreichen wir schließlich unser Ziel.

Der Aufstieg hat sich gelohnt. Glücksgefühle steigen in uns auf. Was für ein Anblick. Ein unberührter klarer Bergsee, umrahmt von Bergen, die eine fast Geborgenheit schenkende Formation angenommen haben. Eine toll restaurierte Hütte mit guter Bewirtung. Wer Berg-Romantik sucht und einmal ein Postkarten-Motiv fotografieren möchte, der muss unbedingt hier herauf. Gute 2,5 Stunden Wanderung. Circa 1.000 Höhenmeter. Sichere Pfade. Unzählige Tropfen Schweiß… aber es lohnt sich. Die Obstansersee-Hütte – hier ist definitiv nicht der Weg das Ziel!

Erholungspause am Obstansersee - das beste Landschaftspanorama

Erholungspause am Obstansersee – das beste Landschaftspanorama