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Wandern mit Stöcken – Sinn oder Unsinn?

Sport & Aktiv / Dietmar Ortner

Galt früher das Wandern mit Stöcken als Unsinn und wurde man dafür belächelt, trifft man heute auf immer mehr Wanderer, die auf den Einsatz dieser nicht mehr verzichten wollen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Wanderstöcke entlasten die Muskulatur und die Kniegelenke und helfen gerade im steilen und unwegsamen Gelände das Gleichgewicht besser zu halten. Beim Bergaufgehen kommt den Wanderstöcken eine ermüdungsreduzierende Funktion zu. Arm- und Schultermuskulatur entlasten und unterstützen die Beinmuskulatur merklich. Aber das übermäßige Verwenden von Wanderstöcken bringt auch Nachteile mit sich.

Stöcke verschlechtern das Gleichgewicht und die Koordination

Ein nicht zu unterschätzendes Argument gegen den Einsatz von Wanderstöcken ist, dass der vermehrte Einsatz dieser zu einer Verschlechterung des Gleichgewichtssinnes und der Koordinationsfähigkeit mit sich bringt. Gerade diese Fähigkeiten sind aber im unwegsamen Gelände unabdingbar, um sich dort sicher bewegen zu können und um die Verletzungsgefahr zu verringern. Wissenschaftlich ist dieser nachteilige Effekt zwar noch nicht erwiesen, trotzdem wird empfohlen zumindest auf leichten und flachen Wegen auf den Einsatz von Wanderstöcken zu verzichten, damit der Körper nicht verlernt, auch ohne Unterstützung sicher durch unebenes Terrain zu kommen.

 

Vor- und Nachteile im Überblick

Vorteile:

+ massive Entlastung der Gelenke und Muskulatur

+ höhere Stabilität beim Tragen großer Lasten

+ bessere Balance beim Überqueren steiler Passagen

+ Antrieb beim Bergaufgehen

 

Nachteile:

– Schwächung des natürlichen Gleichgewichtssinns und der Koordinationsfähigkeit

– Risiko der höheren Sturz- und Verletzungsgefahr beim Bergabgehen, zB beim Abrutschen mit den Stockspitzen auf felsigem Untergrund bzw. beim Lösen bzw. Zusammenschieben eines Stocksegmentes

– im schwierigen Gelände zum Teil unpraktisch

 

Wandern mit Wanderstöcken

Wanderstöcke Ja oder Nein?

Man muss sich nicht für oder gegen den Einsatz von Wanderstöcken aussprechen. Unter den richtigen Voraussetzungen überwiegen die Vorteile jedenfalls, und zwar wenn:

  • das Gelände unwegsam und schwierig ist

  • der Rucksack besonders schwer ist

  • man bereits vorhandene Schäden an der Wirbelsäule oder an den Beingelenken aufweist

  • man sich bereits im höheren Alter befindet oder stark übergewichtig ist

 

Man sollte sich vom folgenden Grundsatz leiten lassen: Wo Wanderstöcke Entlastung mit sich bringen, machen deren Verwendung absolut Sinn. Und wenn man auf leichteren Wander-/Bergtouren auf den Einsatz verzichtet, kann man der Verminderung des Gleichgewichtssinnes bzw. der Koordinationsfähigkeit bewusst vorbeugen.

 

Die richtige Verwendung von Wanderstöcken

Zunächst müssen die Wanderstöcke auf die richtige Länge eingestellt werden. In der Ebene wird die Stocklänge so eingestellt, dass die Arme im Stand auf waagrechtem Untergrund zwischen Oberarm und Unterarm einen Winkel ca. 90 Grad bilden. Im flachen oder mäßig steilen Gelände werden die Wanderstöcke im natürlichen Bewegungsmuster der Arme parallel zum Körper geführt. Der Schub aus den Armen hilft schneller vorwärts zu kommen und nimmt den Beinen etwas Arbeit ab.

Beim Bergaufgehen wendet man am besten den Doppelstockeinsatz an und verkürzt die Stocklänge so, dass es zu keiner Überdehnungen der Arme kommt. Bei kürzeren Steilpassagen kann man auch die Stöcke unterhalb des Stockgriffes angreifen, ohne gleich den ganzen Stock zu verkürzen. Manche Wanderstöcke sind für diesen Zweck mit einer längeren Griffzone ausgestattet.

Beim Bergabgehen wird die Stocklänge je nach Steilheit verlängert, so dass man das Gleichgewicht optimal halten kann. Durch die Gewichtsübertragung über die Arme auf die Stöcke kommt es zu einer Entlastung der Knie, der Beinmuskulatur und der Wirbelsäule. Aber Vorsicht – ein zu weites Vorlehnen bzw. ein zu starkes Abstützen auf den Wanderstöcken können fatale Folgen haben und zum Absturz führen! Damit die Stöcke nicht zur Falle werden, muss man regelmäßig den festen Sitz der Segmente überprüfen. Sie können sich, vor allem bei Wanderstöcken mit Innenklemmung, lösen und unter Last zusammenschieben.

Beim Queren im steilen Gelände sollte der talseitige Stock verlängert und der bergseitige Stock verkürzt werden, so dass man die Arme in einem 90 Grad Winkel halten kann. Beim Richtungswechsel, werden die Stöcke einfach getauscht.