Simon Holzer

3. September 2020

Das Edelweiß – Der Stern der Alpen

Wenn du schon mal im Revier von Steinadler, Steinbock und Co. unterwegs warst, hast du bestimmt schon des Öfteren den „Stern der Alpen“ gesehen. Die Rede ist vom Edelweiß. Diese hochalpine Pflanze ist neben dem Enzian und der Alpenrose, die wohl bekannteste und symbolträchtigste Alpenblume in unserem Breitenkreis.

Um die alpine Pflanze ranken siche zahlreiche Mythen, wie zum Beispiel, dass es nur den mutigsten Kletterern gelingen würde, ein Edelweiß zu pflücken. Deshalb verkörpert es auch Werte wie Liebe, Mut, Treue und Gemeinschaft. Doch wo findest du Edelweiße?

Lebensraum des Edelweißes

Wenn du von Anfang Juli bis Ende September im hochalpinen Raum wanderst, kannst du den Stern der Alpen in Natura betrachten. Das Alpen-Edelweiß ist eine überwinternde grüne, ausdauernde krautige Pflanze, d.h. diese Pflanzenart kann mehrere Jahre alt werden und dabei auch mehrmals blühen und fruchten. Die Pflanze kann zwar auch Felsbänder besiedeln, aber gemäß seiner ursprünglichen Herkunft aus hochgelegenen Steppengebieten kommt es eher im alpinen Rasen vor, insbesondere seit es dank größeren Naturschutzbewusstseins nicht mehr an allen leicht zugänglichen Stellen gepflückt wird.

Edelweiße in Osttirol bestaunen:

Drei kleine Tipps von mir, wenn man das Edelweiß in Natura bestaunen und ihren Zauber (auf der Speicherkarte!!) mit ins Tal nehmen möchte:

  1. Der erste Hotspot befindet sich kurz vor dem Gipfelkreuz des Figerhorns. Direkt am Wegrand blühen die Edelweiße in ihrem charakteristischen Erscheinungsbild.
  2. Der zweite Hotspot befindet sich im wunderschönen Prägraten. Rund um die Sajathütte, oder wie sie auch genannt wird „Das Schloss in den Bergen“ kann man den Stern der Alpen des öfteren bestaunen.
  3. Der dritte Hotspot für Edelweiße liegt hoch über Matrei, dort befindet sich die Edelweißwiese. Wie der Name schon verrät, wachsen auf dieser alpinen Wiese Edelweiße in Hülle und Fülle.

Ein Erinnerungsfoto für die Ewigkeit ist bei diesen Touren quasi garantiert! 😉 Und sei dir stehts bewusst, ein Foto überdauert doch mehrere Jahrzehnte auf einer Speicherkarte, viel länger als eine Pflanze in einer Blumenvase. Denn das Edelweiß unterliegt strengem Schutz!

Das Edelweiß steht unter Naturschutz

In Österreich wurde das Edelweiß bereits 1886 unter Naturschutz gestellt, viele Jahrzehnte vor allen anderen seltenen und gefährdeten Pflanzenarten. Durch das Aufkommen des Tourismus in den Alpen war es nämlich wegen seiner zahlreichen Mythen rasch zu einem begehrten und haltbaren Souvenir geworden. In Österreich befindet sich die Pflanze nur in Kärnten auf der Roten Liste. In den Bundesländern Salzburg, Kärnten, Vorarlberg, Oberösterreich und Tirol ist das Alpen – Edelweiß vollkommen geschützt – also bitte NICHT pflücken!!

Beschreibung des Edelweißes

Das Alpen-Edelweiß kann eine Wuchshöhe von 5 bis 20 Zentimeter erreichen. Die langen, wolligen Laubblätter der Edelweiße sind besonders an ihrer Unterseite stark behaart und können bis zu 5 cm lang werden. Die Scheinblüte des Leontopodium nivale, wie das Edelweiß mit lateinischem Namen bezeichnet wird, bildet einen mehrzackigen Stern aus fünf bis fünfzehn Hochblättern.

Edelweiß
Zeichenstudie zum Alpen- Edelweiß, für das Verständnis.

Der besonders weiße Schimmer auf den Hochblättern entsteht durch sehr kleine Luftbläschen an der Oberfläche der Hochblätter, welche das einfallende Licht reflektiert. Die Kombination aus winzig kleinen krausen Haaren und den Luftbläschen auf der Scheinblüte dienen einerseits als Schutz vor Wärmeverlust/Verdunstungsschutz und andererseits als Signal für nektarsuchende Insekten, welche für die Bestäubung der Pflanze zuständig sind.

Edelweiß
Mit Gattungsname wird das Alpen-Edelweiß auch Leontopodium nivale bezeichnet. (C) Ingemar Wibmer

Der botanische Gattungsname „Leontopodium nivale“ leitet sich von den griechischen Wörtern „leon“ für Löwe und „podion“ für Füßchen ab.
Dies bezieht sich auf die charakteristische dichtfilzige, weiße Behaarung und der Form der Hochblätter. Das „nivale“ bezieht sich auf die alpine Stufe. Weitere Trivialnamen sind Wollblume, Irlweiß, Almsterndl, Federweiß, selten auch Silberstern oder Wülblume.

Das sagenhafte Edelweiß

Übrigens, die Leidenschaft für das in früheren Zeiten eher unbeachtete Edelweiß begann Mitte des 19. Jahrhunderts. Am Pasterzengletscher am Großglockner pflückte einst Kaiser Franz Joseph I. seiner Gattin Sissi im steilen Gelände ein stehendes Edelweiß mit den Worten „Das erste in meinem Leben, das ich selbst gepflückt habe“. Die Pflanze wurde dann auch als Symbol der österreichischen Kaiserin Elisabeth bekannt. Ein 1865 gemaltes Porträt des Malers Franz Xaver Winterhalter zeigt die Kaiserin Elisabeth mit neun in ihr Haar geflochtenen künstlichen Edelweiß-Sternen. Dies trug beachtlich zur Bekanntheit bei!

Edelweiß
Dieses Gemälde von Franz Xaver Winterhalter trägt zur Bekanntheit dieser Alpenpflanze bei.

Auch du hast bei deinen Wandertouren in Osttirol schon einmal ein Edelweiß entdeckt? Wir freuen uns, wenn du deine Tipps in den Kommentaren mit den anderen Lesern teilst!