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Vier märchenhafte Winterwanderwege in Kartitsch

Vier märchenhafte Winterwanderwege in Kartitsch
© Tirol Werbung_Hörterer Lisa

Kartitsch in Osttirol ist das erste Winterwanderdorf Österreichs. Diese Auszeichnung hat sich das Bergsteigerdorf 2018 erarbeitet, nachdem ein langer Qualifizierungsprozess abgeschlossen wurde. Über 20 Beherbergungsbetriebe wurden zertifiziert, ein Wochenprogramm mit geführten Touren ausgearbeitet, ein Mobilitätskonzept mit der kostenlosen Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel umgesetzt, und – was wohl das Wichtigste ist – 9 Winterwanderwege nach dem Tiroler Bergwegegütesiegel ausgewählt und beschildert. Die Beschilderung mit den markanten, magentafarbenen Wegweisern ist aber nur ein kleiner Teil, um hochwertige Winterwanderwege zu präsentieren.

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Was macht einen perfekten Winterwanderweg aus? Neben der schon erwähnten lückenlosen Beschilderung zählt die tägliche Präparierung der Wege zu den wichtigsten Qualitätskriterien. Um dies zu gewährleisten, müssen die Winterwanderwege zum größten Teil über 2,5 m breit angelegt sein, damit die Pistenraupe den Schnee so glätten kann, dass man mit Wanderschuhen problemlos darauf gehen kann. Bei Engstellen oder auch steilerem Gelände kann auch ein Ski-Doo aushelfen. Um diese Wege so auszuweisen, ohne zu sehr in die Landschaft einzugreifen, braucht es die enge Zusammenarbeit mit den Grundeigentümern. Ein Kriterium, das zwar nicht vorgeschrieben ist, aber als überaus notwendig gesehen wird, ist die Errichtung von geschützten Rastplätzen. Überdachte Picknickplätze und eigens konstruierte „Winter-Hollywoodschaukeln“ zieren die Winterwanderwege in Kartitsch. Wie du siehst, eine Reihe an „Hard Facts“ ist notwendig, um eine hohe Qualität anzubieten. Es ist aber genauso wichtig, wo die Wege gelegen sind, welche Schwierigkeitsgrade sie aufweisen und welche landschaftlichen und örtlichen Besonderheiten am Weg zu finden sind. Ich habe für dich die 4 schönsten Winterwanderwege von Kartitsch ausgesucht – die Qualitätskriterien sind für alle gleich, die Besonderheiten der vorgestellten Wege aber können unterschiedlicher nicht sein.

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Wie klein der Mensch, wie großartig die Natur!

Gailbachrunde/Dorfgeschichtenweg

Für den idealen Einstieg ins Winterwandern kann ich dir die Gailbachrunde empfehlen. Diese leichte und nicht zu lange Wanderung führt dich vom Ortszentrum Kartitsch ausgehend entlang des Gailbaches bis zu den Kanterhöfen, bevor es über tief verschneite Felder wieder zurück zum Ausgangspunkt geht.

Die Gailbachrunde wird noch Dorfgeschichtenweg genannt, da entlang des Weges 5 Thementafeln aufgestellt wurden, die sich mit Land & Leute und dem geschichtlichen Rückblick von Kartitsch befassen. Hier kannst du Interessantes über die Land- und Holzwirtschaft, die für viele Einheimische als Lebensgrundlage dient, erfahren. Ebenso faszinierend sind die Geschichten über den Ersten Weltkrieg, der sich praktisch „vor der Haustüre“ hier in Kartitsch abspielte, war doch die heiß umkämpfte Grenzlinie der Karnische Kamm, wo man noch heute Zeugen dieser dunklen Geschichte erwandern kann. Den Kirchen und Kapellen im Ort ist eine weitere Tafel gewidmet, spielt der christlich geprägte Jahresablauf noch immer eine wichtige Rolle in Kartitsch. Der Dorfgeschichtenweg ist die schönste und ruhigste Art, das Winterwanderdorf Kartitsch kennenzulernen. Tipp: jeden Mittwoch findet eine geführte Laternen- und Fackelwanderung auf diesem Weg statt – romantischer kann es fast nicht mehr sein. Alle Events dazu findest du im Veranstaltungskalender.

Wiesenweg/Künstlerweg Oswald Kollreider

Dieser leichte und vollständig auf der Sonnenseite verlaufende Winterwanderweg verbindet das Dorfzentrum Kartitsch mit dem Ortsteil St. Oswald. Der Start liegt direkt bei der Ortskirche St. Leonhard im Zentrum, von wo schon ein besonders kunstvoll gestaltetes Kriegerdenkmal auffallend ist. Es ist ein Werk von Oswald Kollreider, einem waschechten Kartitscher und bedeutenden Maler, der 1921 als Sohn eines Bergbauers geboren wurde, und nach seiner Ausbildung in Wien zum international anerkannten Künstler aufgestiegen ist.

Auf deiner Winterwanderung am Wiesenweg – der Weg dazu wurde 2021 im Gedenken an den Künstler zum „Oswald Kollreider Weg“ erweitert – wirst du auf einige seiner Werke treffen. Schon beim Weggehen entdeckst du die ersten Tafeln, Sgraffities und Fresken des Malers, die als Wegbegleiter dienen. Beim leichten Anstieg auf die Sonnseite öffnet sich dir ein traumhafter Rundumblick in alle Himmelsrichtungen. Besonders aber der tiefe Einblick in die 5 Täler, die du von Kartitsch aus erkunden kann, ist beeindruckend. Nach nicht einmal 1 Stunde hast du das Ziel, St. Oswald mit der schönen Kirche und dem kleinen Lift, erreicht, eine wohlverdiente Jause im Gasthaus Dorfberg, geführt von der Familie Bodner, zahlt sich auf jeden Fall aus.

Hollbrucker Rundweg

Der Hollbrucker Rundweg beginnt am Parkplatz neben der Wallfahrtskirche Mariahilf (1680) im Ortsteil Hollbruck. Vor dem Losmarschieren, genieße noch den beeindruckenden Blick auf den Ortsteil St. Oswald, der auf der gegenüberliegenden Talseite bereits im Sonnenlicht erstrahlt. Rund 5 km liegen vor dir. Aber schon nach den ersten Metern musst du wohl immer wieder stehen bleiben, um die imposanten Bergbauernhöfe zu bestaunen. Teilweise riesige Gehöfte, im traditionellen Tiroler Baustil errichtet, sind Zeugen der Jahrhunderte alten Pflege dieser Kulturlandschaft. Nun folgst du dem mit Zäunen gesäumten Weg in einen dichten Fichtenwald. Die Bäume links und rechts begleiten dich wie dicke Wände, es ist fantastisch ruhig, nur das Knirschen der Schuhe im Schnee, das Zwitschern der Vögel und das Rauschen des Baches, der dein Begleiter ist, sind zu hören. Zwischendurch ist immer wieder ein Blick auf die Karnischen Alpen zu erhaschen, die schneebedeckten Gipfel der Hochgränten (2.560 m) und der um knapp 35 Meter höheren Demut sind deine ständigen Beobachter auf dieser Tour.

Nach rund zwei Drittel des Weges erreichst du eine Lichtung, die dich schon wieder ins Staunen bringt. Ein fast ungebrochener Ausblick auf das Pustertal, auf die Lienzer Dolomiten, auf das Tiroler Gail- und Lesachtal, auf die vielen Streusiedlungen der Talgemeinden, sogar die Anfänge des Villgratentals kann man von hieraus sehen. Wie wohl die einzelnen Berge hier heißen, welche Ortschaft versteckt sich hier ganz in der Ferne? Zur Hilfe hat man hier ein großes Panorama-Fernrohr aufgestellt, das sogar die einzelnen Namen der anvisierten Landschafts- und Siedlungsräume nennt. Sehr praktisch! Gemütlich geht es zurück zum Ausgangspunkt. Die Wallfahrtskirche Maria Hilf ist schon von weitem zu sehen – eine Einkehr ist fast Pflicht, für kulturell Interessierte, für eine kleine spirituelle Auszeit, für ein kurzes Gebet. Die Stille und Schönheit dieser Kirche ist auf jeden Fall ein lohnender Abschluss dieses besonderen Winterwanderweges.

Winterweitwanderweg Dorfberg

Der Himmel ist strahlend blau und die Sonne scheint, als ob sie beweisen würde, dass Kartitsch mit einer der höchsten Anzahl von Sonnenstunden in Österreich gesegnet ist. Der längste und der mit dem schönsten Ausblick gesegnete Winterwanderweg ist die Dorfbergrunde. Knapp 11 Kilometer lang, rund 685 Höhenmeter im Anstieg und ca. 5 Stunden musst du dafür einplanen. Aber du belohnst dich selbst mit jedem Schritt, Teil eines einmaligen Wintermärchens zu sein.

Ausgangspunkt ist der Parkplatz in St. Oswald, man befindet sich dort auf 1.360 Metern Seehöhe. Als Alternative kann man auch vom Ortszentrum Kartitsch den Wiesenweg nach St. Oswald nehmen. Neben dem kleinen Dorfberglift steigst du direkt in den Weitwanderweg Richtung Dorfberg ein. Der Weg führt dich konstant ansteigend durch den Wald nach oben und bietet ein Wechselspiel zwischen sonnigen und schattigen Passagen. Es scheint, als ob alle Farben aus der Landschaft verschwinden und du durch einen Schwarz-Weiß-Film gehst: ein unerwarteter erster Höhepunkt dieser Tour. Der schwierige Part ist nach dem Erreichen des Plateaus auf 1.820 m Höhe vorüber, der Weg führt flach weiter durch den dichten Wald, bevor sich dieser nach und nach lichtet und du vor einem beeindruckenden Panorama stehst. Im Bereich Oberberg wurde ein Aussichtsbalkon neben dem Rastplatz aufgestellt – durch die „Soldertüre“ (Balkontüre) schreiten und einfach nur staunen in angesagt. Der Blick weitet sich hier über das Tiroler Gailtal, die Lienzer Dolomiten und die Karnischen Alpen, die auch die Grenze zwischen Italien und Österreich ist. Es ist der perfekte Ort, um zu erkennen, wie klein man im Vergleich zur großartigen Natur ist.

Nach kurzer Rast ist der restliche Weg ein Kinderspiel: der Wanderweg führt durch ein fast perfektes, horizontales Plateau, den Ochsenwiesen. Die Bergweiden sind bedeckt mit einer dicken Schneedecke. Von hier aus hat man auch den Gipfel des Dorfberges, dem Hausberg der Kartitscher, als ständigen Begleiter. Langsam, in mehreren scharfen Kurven, geht es nun bergab Richtung Rauchenbach. Erschöpft, aber unglaublich aufgeladen von den Eindrücken, lohnt sich eine Einkehr beim Gasthof Klammerwirt. Hier gönnst du dir vielleicht eine herzhafte und wärmende Tiroler Knödelsuppe, bevor du mit dem öffentlichen Bus zurück ins Ortszentrum fährst.

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