Monika Hoeksema

25. August 2021

Der Hummer in den Dolomiten

Wie viele G‘schichten, beginnt auch diese mit einer Liebe. Erst mit der Liebe zu ihrem Mann Maurizio, dann mit der Liebe zur Heimat. Bevor Lydia Pichler 2008 den Pachtvertrag für die Roaner Alm hoch über dem Debanttal unterschrieb, lebte sie 14 Jahre lang in dessen Heimatstadt Triest. Heute betreibt sie die Alm gemeinsam mit ihrer Tochter Brigitte, und in der Küche duftet es nach gegrilltem Schwertfisch, auf der Menükarte stehen Dorade und Garnelen, aber auch Lachs und Gebirgsforellen. Und wie soll’s anders sein: Auch die Gäste lieben es. 

Eine bodenständige Küche

Welcher Fisch auf der Roaner Alm serviert wird, steht immer erst ein paar Tage vorher fest. Brigitte fährt einmal wöchentlich nach Triest und kauft ein, was die Fischer frisch im Meer gefangen haben. Steht das eine Mal der Fischgrillteller an der Tafel angeschrieben, ist’s das andere Mal ein Schwertfisch, im Herbst gibt’s wieder Miesmuscheln. Alles ohne Chichi und Schnickschnack. Manchmal lassen Gäste sich überraschen und Lydia zaubert spontan ein schmackhaftes Gericht auf dem Hüttenherd. Die Weine dazu liefern Winzer aus Udine, aus dem Friaul und dem Veneto. 

Fisch aus Triest

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Gitti Pichler (l.) mit ihrer Mama Lydia und Sohn Max © Philipp Weger

Es ist „a gwachsene Sach““, auf der Roaner Alm. Lydia machte sich anfangs Gedanken über die Speisekarte, brachte mal Fisch aus Italien mit. Der kam bei den Gästen sehr gut an. Alle erinnern sich noch an den Hummer, der erst im Salzwasserbecken schwamm und dann herauskraxelte. Was für eine Aufregung, bis der Entflohene gefunden war. Er landete dennoch im Topf. Auch heute gibt’s hin und wieder noch Hummer. Wer aber sicher gehen will, dass er einen bekommt, sollte ihn vorbestellen. 

Regionale Produkte auf der Roaner Alm

Natürlich wäre eine Osttiroler Hüttenwirtin keine Osttiroler Hüttenwirtin, wenn sie nicht auch regionale Produkte servieren würde. Dazu zählen unter anderem die „Brettljause zum Selberschneiden“, der Graukas und die Selchfleisch- oder Schlipfkrapfen, Tirolerknödel und der Schweinebraten mit der krossen Kruste. Schwammerl gibt’s auch schon, Lydia hat sie erst einen Tag zuvor gesammelt. „Und hinterher etwas Süßes“, lacht Studentin Sophie, die wie ihr Kollege Pauli, der noch die HAK in Lienz besucht, im zweiten Sommer auf der Roaner Alm mit einem Ferialjob etwas dazuverdient. Heute hat sie selbstgebackene Sacherschnitten mitgebracht, beim Gedanken an die Bratapfel-Vanille-Torte läuft allen noch das Wasser im Mund zusammen. Beiden macht es Spaß hier oben – „die Gegend, die Aussicht, die Leit“, fassen sie zusammen. 

Barrierefreie Zufahrt zur Roaner Alm

Die Gegend, das ist auf 1.900 Meter Höhe das Panorama bis hin zu den Lienzer Dolomiten und zur Schobergruppe, der Blick in den Lienzer Talboden und ins Debanttal. Und den kann jeder haben. Wanderer, die Richtung Wangenitzseehütte oder am Wiener Höhenweg unterwegs sind kommen ebenso wie die Radlfahrer, die die neue Verbindungsstraße vom Debanttal nutzen. Oder erst kürzlich die 97-Jährige mit ihrer Familie. Der Weg über die Mautstraße ist mit dem Auto gut zu befahren und die letzten Meter bis zur Alm sind barrierefrei

Ganz neu hat Familie Pichler die erhöht gelegene Lounge-Ecke eingerichtet. Ein Platz, von dem man nicht mehr aufstehen mag. Zum Essen höchstens. Mit einem süffigen Wein. Und dem Blick auf die Dolomiten. Und so hat hier jeder sein eigenes kleines kulinarisches Happy End.