Monika Hoeksema

15. Dezember 2020

Lienzer Lebzelten – ein Stück Weihnachtsglück

Es muss ein ganz besonders kalter Tag gewesen sein, als vor vielen hundert Jahren ein Lebzelter in seine Schatzkammer mit den Gewürzen guckte und ein herzerwärmendes Rezept ersann. Nur begüterte Adelige, Kaufleute und Klöster konnten sich Kostbarkeiten wie Zimt und Nelken, Koriander und Muskatnuss, Anis, Ingwer und Fenchel leisten. Und so war auch ein Lebzelt, ein Lebkuchen, wie man heute vielerorts sagt, etwas ganz Besonderes. Der Lienzer Lebzelt ist es bis heute geblieben. 

Lienzer Lebzelten nach historischem Rezept

2006 schlossen sich die Konditoreien JoastGruber und Glanzl zusammen, um den geschichtsträchtigen Lienzer Lebzelt wieder aufleben zu lassen. Auf Schloss Bruck fand man historische Backmodel. Das schönste Motiv, fein im Jahr 1644 in Birnenholz gearbeitet, ziert heute jeden echten Lienzer Lebzelt: „Die Anbetung der Könige“.

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Die Konditoreien Joast, Gruber und Glanzl ließen 2006 den Lienzer Lebzelt wieder aufleben. (c) Stadt Lienz/Tschurtschenthaler

Doch vorher galt es, das historische Rezept richtig zu interpretieren und umzusetzen. Die Konditoren probierten, mischten, buken, sie rührten Honig unter und gaben Pottasche bei, suchten das richtige Verhältnis aus Weizen- und Roggenmehl, bis – ja bis sie alle zufrieden nickten. Der Lienzer Lebzelt war zurück!

Bei der Bäckerei und Konditorei Joast geht’s bereits im Sommer mit den Vorbereitungen los. Denn: „Das Geheimnis des Teigs liegt darin, dass er nach dem Backen monatelang in Bottichen ruht“, weiß Ernst Joast. „Jedem, der Lebkuchen backt, kann ich das nur empfehlen“, sagt er. Die lange Ruhezeit mache jeden Teig weicher, schmackhafter. Im Oktober rollen die Konditorinnen ihn dann in dünne Fladen, einige rund, andere eckig, manche groß, andere klein. Ebenso das Orangenmarzipan. Die Nussfülle wird zubereitet, die Wildpreiselbeeren kommen auch aus Tirol. Ohnehin ist alles handgemacht, jeder der wohlgemerkt 20 Arbeitsschritte wird sorgsam ausgeführt. Bis hin zur glänzenden und üppig aufgetragenen Kuvertüre. 

Und die Welt kostet davon

Längst sind derweil die ersten Bestellungen eingegangen, nicht nur aus der Region. Von den rund 1.000 Lebzelten, die allein Joast in der Wintersaison verkauft, gehen einige nach Japan und in die USA, nach England, Schweden und Deutschland. Ein Großabnehmer bestellt aus Moskau. Einheimische wie Urlauber kaufen sie freilich vor Ort, in den Filialen der Bäckerei Gruber und Bäckerei Joast und im Café Glanzl, gleich am Hauptplatz.

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Fertig zum Verpacken: die Lienzer Lebzelten

Ernst Joast ist zufrieden: „Mir taugt, dass das schon so lange funktioniert“, sagt er und meint auch die Kooperation mit den Kollegen. „Ich würde mir wünschen, dass es noch mehr Produkte und Angebote gäbe, die die Region präsentieren und in diesen Zeiten gut ankommen. Seine Lebzelten jedenfalls tun es, noch ein paar Monate lang, bis in den März hinein. „Dann wird’s zu warm, das tut der Schokolade nicht gut.“ Wen es allerdings im Sommer nach der feinen Weihnachtsleckerei gelüstet, muss nicht warten, bis der erste Schnee wieder fällt: Auf Wunsch verschickt er die Lienzer Lebzelten das ganze Jahr über. 

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Ob als Geschenk oder für zuhause – die Lienzer Lebzelten sind als Weihnachtsnascherei nicht wegzudenken. (c) Profer und Partner

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