Simon Zeiner

13. November 2020

Gams schön cool!

Steinadler, Steinbock, Bartgeier, Gams und Murmeltier – das sind die BIG FIVE, die großen Fünf, des Nationalpark Hohe Tauern. Wir verraten euch, wo und wie ihr den Tieren begegnen könnt. Heute holen wir die Gams vor den Vorhang.

Gamsbock
c Nationalpark Hohe Tauern Andreas Angermann

Gämse, Gemse, Gams oder Gamswild

Egal wie man sie nennt, die Alpengams, wie sie bei uns beheimatet ist, ist neben dem Murmeltier das wohl am häufigsten zu sehende und am leichtesten zu beobachtende Wildtier des Nationalparks.

Mit ihren Hörnern, den bekannten Gamskrucken, und ihrem gestreiften Gesicht zählen sie bei Naturliebhabern, Tierfreunden und Jägern zu den Highlights der heimischen Wildtiere. Gämse können bis zu 45 Kilogramm schwer werden und eine Höhe von bis zu 85 Zentimetern erreichen. Als Hornträger werfen Gämse ihre Krucken, die bis zu 25 Zentimeter lang werden, nicht ab und tragen ihr Gehörn über das gesamte Jahr. Die Krucken der Gämse wachsen ein Leben lang und so lässt sich das Alter der Tiere anhand von Jahrringen an ihren Hörnern ablesen.

c Nationalpark Hohe Tauern Andreas Angermann

Laut letzter Gamswildzählung leben im gesamten Bezirk Osttirol rund 11.500 Gämsen – in etwa die Hälfte davon im Gebirge des Nationalpark Hohe Tauern. 

Die Gams besiedelt den ganzen Alpenraum und ist auf steiles, möglichst felsiges Gelände angewiesen. Dort können die auf die Bergwelt perfekt angepassten Tiere ihre körperlichen Fähigkeiten und Vorteile am besten nutzen.

Gamsbock oder Gamsgeiß?

Wer die eleganten und flinken Tiere gut im Blick hat, kann mit folgenden Tipps auch ganz einfach feststellen, ob es sich dabei um ein männliches oder ein weibliches Gamstier handelt.

Gämsen leben meist in Rudeln, die jahreszeitlich, aber auch örtlich verschieden groß sein können. Häufig zu beobachten sind Geißen mit ihren Kitzen. Oft schließen sich mehrere Familien zu großen Rudeln zusammen. Dieses Rudel wird von einer alten erfahrenen Geiß angeführt, denn sie kennt die Gefahren und futterreichen Stellen genau.

Die Lebensweise im Rudel bringt für die Tiere eine größere Sicherheit und bei Gefahr warnen die Gämsen mit einem lang gezogenen, heiseren Pfiff.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal für Gamsböcke und Gamsgeißen sind die Gamskrucken. Beim Gamsbock (rechts im Bild) sind die Krucken enger gekrümmt und etwas dicker als bei der Geiß.
c Nationalpark Hohe Tauern Simon Zeiner

Die Brunft der Gams beginnt – ein wahres Naturschauspiel

Jetzt um diese Zeit – Ende Oktober bis Dezember ist die Brunftzeit der Gämsen. Der Platzbock herrscht über das Gamsrudel in der Brunftzeit und ist sozusagen der Chef des Rudels. Besonders spektakulär ist die Gamsbrunft bei Schnee und klarer Sicht. Nähert sich ein anderer, meist jüngerer Bock dem Rudel des Platzbockes, so kommt es zu einer lebhaften und schnellen Verfolgungsjagd. Bei Geschwindigkeiten von bis zu 50 Kilometern pro Stunde treiben sich die Gamsböcke gegenseitig über das steile, schneebedeckte und felsige Gelände. Dabei geht es oft richtig zur Sache. Der stärkere Bock schafft den Aufstieg zu den Geissen wieder und kommt zum „Zug“.

Die Gamsgeißen setzten Ende Mai Anfang Juni meist ein Kitz, welches der Mutter bereits nach ein bis zwei Stunden folgt.
c Nationalpark Hohe Tauern Roland Kirchler

Bei der Gamsbrunft zuzusehen ist ein seltenes und einmaliges Erlebnis, welches bestimmt nicht so schnell in Vergessenheit gerät.

Wo kann man die Gämsen in Osttirol erspähen?

In welchen Tälern oder Ecken des Nationalpark Hohe Tauern man sich aufhält spielt dabei keine Rolle, da Gämse grundsätzlich in allen Tälern des Nationalparks Hohe Tauern Osttirol zu beobachten sind. Ob im Gschlösstal, rund um die Jagdhausalmen, im Kalser Ködnitztal oder im Debanttal – wer genügend Geduld mitbringt und mit Fernglas die steilen Hänge und vor allem den Gratbereich beobachtet, der hat gute Chancen, Gämsen in freier Wildbahn zu erleben.

Nationalpark-Wanderung mit Gams-Garantie?

Bei einer Nature Watch Tour kannst du auf Schneeschuhen ins Reich der Gams und anderen Wildtieren wandern. Ausgerüstet mit Spektiv und Fernglas stapfst du gemeinsam mit einem Nationalpark-Ranger durch den knirschenden Schnee. Du begibst dich auf die Suche von Wildtieren. Ist die gefundene Fährte von einem Fuchs, einem Reh oder gar von einer Gams? Mit ihren geschulten und geübten Rangeraugen ist es für die Ranger des Nationalpark Hohe Tauern ein Leichtes, die Spuren der Wildtiere zuzuordnen und die Wildtiere in der verschneiten Winterlandschaft zu entdecken. Eine Gamsgarantie kann natürlich auch ein Nationalpark-Ranger nicht abgeben. Aufgrund ihrer Erfahrung wissen sie jedoch genau, wo man wann hinschauen muss. Durch das mitgebrachte Spektiv können alle Teilnehmer einen perfekten Blick auf die Wildtiere genießen und vielleicht sogar schon feststellen, ob es sich dabei um einen Gamsbock oder eine Gamsgeiß handelt.

In der neuen Reihe „ein Tier vor dem Vorhang“ stellen wir euch die „BIG FIVE“ des Nationalpark Hohe Tauern vor und verraten dabei, wo und wie ihr den Tieren begegnen könnt. Meldet euch für unseren Blog Newsletter an, damit ihr keine Folge der Nationalpark Big Five verpasst: https://blog.osttirol.com/newsletter-anmeldung

Copyright Titelbild: c Nationalpark Hohe Tauern Hannah Assil und Michael Kastl