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Gerhard Haider: Er bringt dich auf die richtige Spur

Gerhard Haider: Er bringt dich auf die richtige Spur
© Elias Bachmann

Mit seinem 190 PS-starken und 4 tonnenschweren Loipengerät sorgt der Innervillgrater Gerhard Haider im Winter für perfekte Verhältnisse auf der wunderschönen Villgratental-Loipe. Ich durfte dem Loipenprofi bei seiner Arbeit über die Schulter schauen.

Ich habe den schönsten Job der Welt“, strahlt Loipenfahrer Gerhard Haider über das ganze Gesicht, wenn es um seine Leidenschaft, das Fahren mit dem Loipengerät geht. Schon als Kind faszinierte ihn das schwere Gerät vollauf, welches sein Nachbar damals auf Spur brachte. Dass er später einmal selbst in der Fahrerkabine Platz nehmen wird und für das gesamte Loipennetz im wunderschönen Villgratental verantwortlich ist, hätte sich der heute 38-Jährige damals wohl nicht gedacht.

Gerhard Haider Loipenfahrer präpariert mit seinem Gerät die Villgratental-Loipe
Seit 2013 nimmt Gerhard Haider in der Fahrerkabine seines Loipengerätes Platz und ist seither für die Präparierung der Villgratental-Loipe verantwortlich.

Seit 2013 ist Gerhard Haider beim Tourismusverband Osttirol als Außendienstmitarbeiter ,sowohl im Sommer als auch im Winter, im Einsatz. Der Winter übt für den gebürtigen Innervillgrater eine besondere Faszination aus, wenn er Tag für Tag Langlaufbegeisterten den weißen Loipenteppich ausrollt.

Die Wintersaison beginnt für Gerhard Haider aber schon bevor die ersten Flocken vom Himmel gefallen sind. „Ab Allerheiligen steigt die Vorfreude und die Vorbereitungen gehen los“, gibt er Einblick in seinen Arbeitsalltag. Die „Loipen-Taferln“ werden aufgestellt, Brücken saniert oder Sichtvermerke mit Schneestangen gekennzeichnet. Ist es dann endlich soweit und die weiße Pracht bedeckt die Wiesen des Tales, dann startet Gerhard die Motoren seiner 190 PS-starken und ca. 4 tonnenschweren Prinoth Husky.

Konzentration – Geschick – Routine

Auch wenn die Langläufer schon mit den Hufen scharren und es kaum erwarten können ihre ersten Loipenkilometer zu ziehen, gilt es Sorgfalt walten zu lassen. Mit der ersten Präparierung wird der Grundstein für die Qualität der Loipe in der gesamten Wintersaison gelegt. Diese Grundpräparierung kann bis zu einer Woche dauern.

„Wichtig ist, dass man die Loipe gut ausgleicht. Umso besser dies gelingt, umso besser geht es dann zum Langlaufen“, so Haider, der die Qualitätsmerkmale der Loipe so beschreibt: „Die frischen Rillen verlaufen gerade aus, die Klassik-Spur ist so gerade wie möglich und hat wenig Kurven. Da man versetzt fährt, ist es wichtig die Spur gerade zu halten.“ Und dies erfordert höchste Konzentration, Geschick, Gefühl, Erfahrung und Routine. Ab wann die „richtige“ Schneemenge liegt um mit der Präparierung starten zu können, hängt davon ab, ob der Schnee trocken oder nass ist.

„Wenn er nass ist, reichen oft schon 20 Zentimeter, wenn er trocken ist, braucht es schon über 30 Zentimeter“, weiß der Loipenexperte, der sich immer wieder mit seinen Osttiroler Kollegen austauscht.

Bei der Präparierung ist zuerst die flach gewalzte Skatingspur an der Reihe, gefolgt von der Klassikspur. Die Breite der Loipe misst zwischen 5 und 5,5 Meter. Somit haben Skater als auch Klassik-Läufer genug Platz.

4 bis 5 Stunden on Tour

Die Villgratental-Schleife verläuft über 10 km und führt der Talsohle entlang. Somit ist es möglich, ganz egal ob flott oder genussvoll, auf den zwei schmalen Brettern das ganze Tal zu erkunden. Zusätzlich zu der Schleife gibt es zum Gourmethotel und Haubenrestaurant Gannerhof einen zwei Kilometer langen Anschluss. Der Arbeitstag beginnt für den Innervillgrater bei Neuschnee um fünf Uhr am Morgen, damit die Langläufer ihrem Lieblingssport noch am gleichen Tag frönen können, ansonsten zieht er abends ab 18 Uhr seine Runden. In der Hauptsaison sitzt Gerhard zwischen 4 bis 5 Stunden in seinem Loipengerät.

Wenn über einen längeren Zeitraum Temperaturen weit unter Null vorherrschen, dann macht sich Gerhard auch früh morgens auf den Weg, damit die Loipe nicht stumpf wird. Dass Gerhard mit Leib und Seele Loipenfahrer ist und jeden Tag aufs Neue bemüht ist perfekte Verhältnisse zu zaubern, kommt nicht von ungefähr. Fast täglich schnallt sich der 38-Jährige selbst seine Skating-Ski an und zieht seine Runden.

Langlaufen als Ausgleich

„Das Langlaufen ist eine perfekte Sportart für mich. Ich kann in kurzer Zeit etwas für den ganzen Körper tun“, sagt der Nebenerwerbslandwirt, der nicht nur dem Langlaufsport verfallen ist. Auch als Schlagzeuger bei der Osttiroler-Formation „Lacustic“ schlägt er die Drums und bei der Freiwilligen Feuerwehr als Kommandant zieht er die Fäden.

Außerdem sitzt er im Gemeinderat seiner Heimatgemeinde, mit welcher er fest verwurzelt ist. „Ich könnte mir nicht vorstellen irgendwo anders zu wohnen. Wir sehen die Dinge oft auf unsere Art“, schmunzelt Gerhard: „Im Tal versucht man bodenständig zu sein. Das hat man uns so gelernt“, so Haider, der sich selbst als eingefleischten Villgrater bezeichnet. Das Villgratental, welches durch seine Ursprünglichkeit und Authentizität schon zahlreichen Filmen als Kulisse diente, ist weit über die Grenzen hinaus für seine Unberührt- und Echtheit, aber auch für seine Menschen bekannt.

Mit der Einführung der Loipenmaut vor ein paar Jahren war man mit positiven als auch negativen Reaktionen konfrontiert. Mittlerweile ist die Akzeptanz größer.

„Man muss sich vor Augen halten, wie viel Arbeit in einer Loipenpräparierung steckt“, erklärt Haider, der pro Saison zwischen 250-300 Arbeitsstunden in seinem Loipengerät verbringt. „Diese Geräte sind sehr teuer und mehr oder weniger Einzelstücke. Dazu kommen die laufenden Reparaturen, Sprit etc. Da sind die Loipengebühren nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, gibt der Innervillgrater Einblick, der sich immer wieder freut, wenn Einheimische und Gäste ihn für seine tägliche Arbeit loben.

Auf den Loipen des Villgratentales findet man hauptsächlich Langläufer, die die Ruhe und Abgeschiedenheit schätzen. Aber auch Sportler entdecken das Tal immer mehr für sich.

Welchem Wetterdienst der Loipenfahrer vertraut, wollte ich noch zum Abschluss wissen. Darauf hatte Gerhard eine typisch Villgrater Antwort parat. Mein Vater sagt immer zu mir: „Schau aui, donn siegsch genui“.

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3 Kommentare
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Nik Wilhelm.
12. Januar 2022 19:35

Ich kenne das Villgratertal durch Pius Walder , wenn ich in Osttirol bin besuche ich jedesmal seine Grabstette. Es ist ein schönes Tal mit netten Menschen.

Antwort an  Nik Wilhelm.
13. Januar 2022 7:50

Lieber Nik! Ja, das Villgratental ist etwas ganz besonderes. Schön, wenn auch du seine Ursprünglichkeit und Authentizität gern hast. Hoffentlich sehen wir dich dort bald wieder. 😉

Otto
11. Januar 2022 14:56

Danke für deinen Einsatz Gerhard