Simon Holzer

30. Juli 2020

Das Kalser Dorfertal – Ein Tal mit Geschichte

Eines der wohl schönsten Täler des Nationalparks Hohe Tauern ist das Kalser Dorfertal. Neben den tosenden Wasserfällen, beeindruckenden Schotterfluren, Gämsen und Steinböcken, Lärchenwälder und blütenreiche Wiesen, bietet das Kalser Dorfertal neben dem Aspekt „NATUR“ auch einen historischen Hintergrund – meines Erachtens den wohl wichtigsten Widerstand in der Geschichte der Osttiroler Energiewirtschaft.

Kalser Dorfertal
Eine schier grenzenlose Landschaft öffnet sich nach der wildromantischen Dabaklamm.

Von strahlend schönem Wetter werden wir (meine Cousinen Franziska, Viola und Nora und unsere gemeinsame Freundin Laura) hier in meiner Heimatgemeinde Kals am Großglockner begrüßt. Unser heutiges Ziel befindet sich am Ende des Kalser Dorfertals –der Dorfersee. Neben dem wunderschönen Tal mit seiner atemberaubenden Klamm, zahlreichen Almhütten und ihrer beeindruckenden Flora und Fauna, hat das Kalser Dorfertal auch noch einen historischen Hintergrund zu bieten.

Startpunkt des Kalser Dorfertals

Wir befinden uns am Talschluss von Kals im Ortsteil Burg. Am Parkplatz kurz vor dem Wanderhotel Taurerwirt lassen wir unser Auto stehen und beginnen unsere Tour in das Kalser Dorfertal. Neben den vielen Highlights die uns erwarten werden, wie das tosende Wasser (eine wirklich wahre Naturgewalt), die Aussichtskanzel in der Dabaklamm sowie der Nationalpark-Lehrweg mit seinen sogenannten „Hörbäumen“, der ins Dorfertal hineinführt, so bietet das Kalser Dorfertal ein wunderschönes Wanderziel für Jung und Alt.

Wildromantische Schlucht im Kalser Dorfertal

An diesem Frühsommervormittag zeigt sich die Dabaklamm von ihrer schönsten Seite. In dieser „wildromantischen Schlucht“ ist es angenehm kühl. Das Dorfertal im Osttiroler Ort Kals befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft des höchsten Berg Österreichs, dem Großglockner. Bereits nach wenigen Minuten in der Klamm bemerken wir das laute Rauschen des Dorferbachs, das durch die steilen Berghänge verstärkt wird, welche links und rechts hunderte Meter steil nach oben ragen. Weiter geht es für uns in Richtung Dorfertal.

Kalser Dorfertal
Ein atemberaubender Blick in die Dabaklamm.

Nach wenigen Minuten erreichen wir eine Weggabelung, wo man sich entscheiden muss, welchen Pfad man nehmen will. Man kann zwischen zwei Varianten wählen. Entweder man wandert entlang des Normalweges, der außerhalb herumgeht, wo es durch kleinere Wasserfälle an einigen Stellen etwas rutschig sein könnte, oder man wählt die Variante durch die alten Tunnel, wo man jedoch selbst ein Licht bzw. eine Taschenlampe mitbringen sollte. Die Tunnel dienen dazu, damit die Wirts- und Almleute zu ihren Gasthäusern/Almen gelangen können. Wir entscheiden uns für die Variante außerhalb der Tunnel, damit man auch das richtige „Feeling“ dieser Naturgewalt, nämlich des darunterliegenden Flusses, spürt.

Der große Widerstand verhinderte Österreichs höchste Staumauer

Die ersten Ideen für die energiewirtschaftliche Nutzung der Gewässer im heutigen Osttiroler Nationalparkgebiet entstanden bereits in den 1920er- Jahren. Das Kalser Dorfertal hätte damals geflutet werden sollen, damit einer der sieben geplanten Speicherseen hätte entstehen können.

Vor allem aus historischer Sicht war der Kals Widerstand von eher ungewöhnlicher Sorte. Rund um die Kalser Ortsbäurin Mariannne Gratz und ihrer Nichte Theresia Hartig wurden vor allem weibliche Bewohner des Orts aktiv und begannen sich als „Frauen von Kals“ gegen das Kraftwerk zu engagieren – mit Erfolg!

Wäre diese „Staumauer“ in die Tat umgesetzt worden, wäre nicht nur ein wunderschönes Tal im Wasser versunken, sondern auch der Nationalpark, wie er heute existiert, sprichwörtlich ins Wasser gefallen. Kaum vorzustellen, dass dieses Tal mit seinen blumenreichen Almwiesen, Mooren und Schotterfluren aber auch mit seinen Ansiedlungensprojekten von bedrohten Tierarten durch den Nationalpark Hohe Tauern, wie 2010 von jungen Bartgeiern, so nicht existieren würde, wenn der Widerstand nicht so groß gewesen wäre. 

Wunderschöne Aussicht ins Kalser Dorfertal

Wenig später öffnet sich die Dabaklamm und man hat einen grandiosen Panoramablick in das Dorfertal hinein. Als eines der schönsten Trogtäler der Ostalpen wird das Kalser Dorfertal, das außerdem zum Nationalpark Hohe Tauern gehört, bezeichnet. Nach ca. 1 Stunde Fußmarsch erreichen wir die Bergeralm.

Für uns geht es jedoch zuerst weiter Richtung Kalser Tauernhaus, welches wir nach einer weiteren Stunde erreichen. Der Weg führt uns durch bezaubernde Zirben- und Lärchenwäldchen, vorbei an blühenden Almwiesen und alten Almen. Am Kalser Tauernhaus angekommen, folgen wir den gelben Wegweisern Richtung „Dorfersee“. Nun verlassen wir die breite und gut begehbare Wanderstraße und folgen einem etwas kleineren Pfad und kommen so unserem Ziel immer näher.

Der Dorfersee im Kalser Dorfertal

Eine spezielle Atmosphäre umgibt dieses Fleckchen Erde hier in Kals. Die Natur, der Fluss, aber auch das Zusammenleben von Menschen und Tieren, macht diesen Ort so besonders. Wir folgen weiter dem kleinen Pfad in Richtung Dorfersee. Der Weg führt uns durch Lärchenwälder, Hochmoore und Felsen bis wir nach ca. 1 Stunden den Dorfersee erreichen.

Auf 1935m Meereshöhe liegt dieses Naturjuwel. Mit einem blau-grünem See werden wir für unsere ca. 2 ½ bis 3 stündige Tour belohnt. Der Dorfersee ist außerdem Ausgangspunkt für viele weitere Touren. So kann man vom See in Richtung Tauren – Rudolfshütte aufbrechen oder den Gipfel des Spinevitrol auf 2483m erklimmen.

Das letzte Ziel unserer heutigen Tour im Kalser Dorfertal

Wir verlassen nun das wunderschöne Fleckchen Erde hier im Kalser Dorfertal und wandern wieder Richtung Dabaklamm. Am Rückweg macht sich der Hunger bei uns bemerkbar und deshalb kehren wir bei einer der bewirtschafteten Hütten im Dorfertal ein. Da wir uns schon nach dem Kalser Tauernhaus befinden, führt uns unser Weg in die Bergeralm. Dort treffen wir auf Carolin Oberlohr. Sie ist die Tochter der beiden Wirtsleute Christian und Claudia Oberlohr, welche die Bergeralm seit dem Jahr 2013 bewirtschaften. Carolin erzählt uns, dass die Besitzer der Bergeralm (Anton & Monika Gratz) die Alm im Jahr 1973 eröffneten und bis zum Sommer 2013, also knapp 40 Jahre lang, bewirtschafteten.

Kalser Dorfertal
Das Team der Bergeralm im Kalser Dorfertal. (C) Bergeralm

Ich frage Carolin, welches kulinarische Gericht Sie uns empfehlen kann. Prompt kam die Antwort: „Heit het ma tradionelle Schlipfkropfen mit verschiedenen Füllungen oder a ofenfrische Ofenkartoffel mit Beilogen“ auf der Speisekarte. Aber nicht nur Schlipfkrapfen und Ofenkartoffel stehen auf der Speisekarte, sondern auch Kaiserschmarren, Hirschragout, Käsespätzle, aber auch hausgemachte Mehlspeisen, wie z.B. Topfen- oder Apfelstrudel, Heidelbeerknödel und Torten werden hier angeboten.

Kalser Dorfertal
Die Bergeralm ist die ersten Etappe im Kalser Dorfertal. (C) Bergeralm

Für die kleinen Gäste gibt es angrenzend ein riesiges Angebot zum Spielen und Planschen. Der große Spielplatz mit Klettergerüst, kleineren Wasserbecken und Hexenhäuschen liegt direkt nebenan. Von der großen Sonnenterrasse aus kann man bei einer heißen Tasse Kaffee oder bei einem schmackhaften Eis den Kindern beim Spielen zusehen.

Kalser Dorfertal
Ein Spielparadies für die kleinen Gäste. (C) Bergeralm

Die Bergeralm, aber auch das Kalser Tauernhaus ist ein ideales Ausflugsziel für Jung und Alt. Die Wanderstrecke ist außerdem gut mit Kinderwagen zu bewältigen. Eines ist gewiss, das Kalser Dorfertal bietet für Jedermann ein oder mehrere Highlights.

Nach der Stärkung brechen wir nun endgültig Richtung Auto auf, wieder hindurch durch die Klamm in Richtung Parkplatz. Ein wunderschöner Tag in meiner Heimatgemeinde Kals geht für uns zu Ende.

Kalser Dorfertal
Ein wunderschöner Tag mit tollen Menschen geht im Kalser Dorfertal zu Ende.