Michelle Pölt

3. Juli 2020

Simonskopf – Lienz aus einer anderen Perspektive

Mit Wanderrucksack und Motivation im Gepäck geht es los – auf zum Parkplatz der Dolomitenhütte, dem Startpunkt der Tour zum Simonskopf. Dort angekommen packen wir – zwei geübte Bergsteiger und ich – unsere Wanderstöcke aus. Schon kann es los gehen. Der Anfang ist leicht – zuerst zur wenige hundert Meter entfernten Dolomitenhütte, dann weiter über den unasphaltierten Fahrweg. Schon fängt der Weg an, leicht zu steigen. Wir gehen an der Insteinkapelle vorbei und es dauert nicht lange, bis wir vor der ersten Entscheidung stehen: Lieber über Stock und Stein, sprich über den Steig, oder doch lieber über den etwas längeren, dafür gemütlicheren, normalen Weg? Wir entscheiden uns ohne Zögern für die abenteuerlichere Variante.

Die Tour beginnt

Über den Steig geht es also durch den Wald nach oben. Höhenmeter zu machen, dauert hier nicht lange. Als wir das Ende des Steiges erreichen, eröffnet sich uns ein umwerfendes Panorama auf die Lienzer Dolomiten. Und rechts oben, hoch über uns, können wir schon unser Ziel sehen – der Simonskopf schaut auf uns herab.

Es folgt ein kurzes Stück über den normalen Weg, dann biegen wir auch schon wieder ab und überqueren einen kleinen Boden. Rechts von uns können wir bereits den Steig sehen, der uns nach oben zum Kerschbaumer Törl führen wird. Im Zickzack windet er sich über den steilen Hang bis an sein Ziel. Die zuvor durch das atemberaubende Panorama hervorgerufene Euphorie lässt schon wieder etwas nach.

Die nächste Etappe ist steil, der Steig relativ schmal. Doch auch diese Strecke ist überwindbar und bald erreichen wir das Kerschbaumer Törl. Und mit dem Kerschbaumer Törl auch einen tollen Aussichtspunkt: Auf der linken Seite sieht man den Lienzer Talboden, umrundet von Bergen, rechts unten liegt die Kerschbaumer Alm. Nach einer kurzen Pause geht es weiter. Meine zwei Begleiter erklären mir, dass wir den anstrengendsten Teil noch vor uns haben. Ob sie dabei wohl Recht behalten sollen? Derzeit bezweifle ich es noch – eigentlich sieht es ja gar nicht mehr so weit aus!

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Das Ziel im Auge: Blick vom Kerschbaumer Törl auf den Simonskopf

Wir gehen also weiter, vorbei an der Kleinen Gamswiesenspitze, und folgen dem Steig, bis wir die Westliche Ödkarscharte erreichen. Wieder kann man den Verlauf des Steiges erkennen. Wieder verläuft er im Zickzack über das Geröll. Und schon wieder sinkt die Motivation ein bisschen. Doch auch diesmal geht es weiter.

Der Weg ist eigentlich mehr Geröll als Weg, teilweise braucht es die Wanderstöcke, um einen guten Halt zu haben. Auch der Verlauf ist nicht immer ganz klar, zeitweise müssen wir selbst einen passierbaren Weg finden. Das Abenteuerfeeling ist dafür umso größer.

Klettersteig Simonskopf

Oben angekommen geht es dann nach rechts. Zunächst wächst sogar noch Gras neben dem Weg. Ausgesetzte Stellen gibt es aber trotzdem. Wir beschließen, unsere Stöcke vor dem Klettersteig zurückzulassen, der Abstieg verläuft ja wieder über die gleiche Strecke. Dann wird es ernst. Wir ziehen die Kletterausrüstung an und schon kann es weitergehen. Auf zum Klettersteig.

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Der versicherte Klettersteig zum Gipfel des Simonskopfs

Die erste ausgesetzte Stelle überwunden kommt auch bereits eine Schlüsselstelle. Und einer „erfahrenen“ Kletterin wie mir die ersten Zweifel. Aber umdrehen gibt es nicht. Also gebe ich mein bestes und versuche, nicht lange nachzudenken. Der Versuch glückt und ich bin glücklich.

Oben angekommen!

Im Gänsemarsch geht es über den Grat entlang in Richtung Ziel. Und siehe da, das Gipfelkreuz erscheint in unserem Blickfeld. Je größer es wird, desto größer wird auch die Vorfreude. Endlich angekommen, realisiere ich, wo ich bin – auf dem Gipfel des Simonskopfs in den Lienzer Dolomiten, mit einem der wohl schönsten Panoramas auf den Lienzer Talboden direkt vor meinen Augen.

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Aussicht vom Gipfel des Simonskopfs auf den Lienzer Talboden