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„Mia san a Alm“ – Almleben auf 1.770 Meter Höhe

„Mia san a Alm“ – Almleben auf 1.770 Meter Höhe
© Monika Hoeksema

Es gibt Wanderungen, die mag man immer machen, selbst spontan. Ein Grund dafür: der Weg selbst. Der andere: das Ziel. Wie bei der Hoanzer Alm – auch als Innere Steiner Alm bezeichnet – über Matrei in Osttirol. Die vielen Einheimischen wissen’s genau.

Man geht eine Stunde, anderthalb, zu Fuß vom Weiler Stein bei Matrei direkt zur Inneren Steiner Alm. Die Wanderer begleiten Schmetterlinge auf dem Weg vorbei an Lärchen, immer wieder queren sie plätschernde Bäche. Es ist ein schattiger, freundlicher Weg, für viele ein Sonntagsspaziergang. Für andere bietet die Hoanzer Alm, wie sie auch genannt wird, ein Feriendomizil. 

Was braucht man mehr

Hier finden Feriengäste und Einheimische, was sie suchen: Ruhe und Erholung. Alle miteinander genießen die Jause mit Blick auf die Venedigergruppe. Kas und Graukassuppe, Frittatensuppe und Kaspressknödel kocht Almwirtin Waltraud Wibmer, dazu bereitet sie Tiroler Knödel vor. Zum Bauern-  oder Kas-Omelette gibt’s selbstgebackenes Brot und zum Nachtisch einen fluffigen Kaiserschmarrn. Was braucht man mehr, wenn der Blick dazu über die umliegenden Gipfel schweift, deren höchste auf über 3.000 Meter in den Himmel ragen. Kuhglocken sind zu hören, die frisch gemähte Wiese duftet.

Innere Steiner Alm: Almleben auf Zeit

Bis zu sechs Personen haben Platz in der Hütte, die zur Alm gehört. Die Almhütte vermietet Familie Wibmer wochenweise und so versorgen sich die Feriengäste bei Waltraud gern mit Brot, frischen Eiern von den eigenen Hühnern, Milch, auch selbstgemachte Butter gibt’s dazu. Das Wasser stammt aus der eigenen Quelle und wer mag, bruzzelt sich seine Spiegeleier auf dem Holzofen. Vom 1. Juni bis Mitte September kann man sich hier Almleben auf Zeit gönnen. So lange ist die Familie auch hier oben. Im Frühjahr ziehen alle Tiere vom Hof unten mit um auf 1.770 Meter Höhe. Enten, Hühner, Hasen und Kälber transportiert die Lastenseilbahn, ebenso wie das Gepäck der Gäste. Und den Pfau natürlich. Die rund 1.000 Schafe, 60 Rinder und 70 Ziegen gehen den gleichen Weg wie die Wanderer

Herberge mit langer Tradition und Geschichte

Auf einer Fläche von rund 270 Hektar wartet dann auf alle ein kleines Sommerparadies. Alle drei Wochen findet der Schaftrieb zur Alm statt; Kinder, Schafbauern, alle helfen mit, die Tiere zusammenzutreiben. Dann kommt das große Zählen, es wird geschaut, ob alle wohlauf sind, die Schafe erhalten ihre Salzrationen. Im Herbst geht’s schließlich wieder nach unten ins warme Winterquartier. Familie Wibmer zählt zu den wenigen Vollerwerbslandwirten, die es hier noch gibt. 

Immer ein guter Grund für eine Wanderung auf die Innere Steiner Alm: die Jause von Waltraud Wibmer

Seit Generationen, ja, eigentlich schon immer, bewirtschaftet sie Hof und Alm. Nach einem Brand 1874 wurde die Holzhütte neu errichtet. Stein für Stein begannen Südtiroler Zugezogene aufzuschichten, „doch irgendwie wurden die dann beleidigt und sie sind wieder weg. Virgener Maurer haben’s dann fertig gebaut“, erzählt Waltraud schmunzelnd. „So ist es überliefert.“ Und man sieht: Unten sind die Steine anders geschichtet als weiter oben. Seit sie in den 1990er-Jahren mit ihrem Mann Seppl die Landwirtschaft übernommen hat, hat sich einiges getan. Zu ihrem Leidwesen auch an den Auflagen. „Die machen so vieles hin“, fasst sie zusammen. Sie selbst optimierten die Sickergrube, aber als das geschehen war, musste eine vollbiologische Kläranlage her. Auch um die Sicherheit der Tiere in diesen Höhen sorgt sich die Familie: “Wenn es hier keine Weidehaltung mehr gäbe, würde binnen kurzer Zeit alles zuwachsen, wir hätten einfach keine Almen mehr.“ Auch der Kampf um ihre Holzküche war groß, wie in einer Hotelküche hätte es laut Auflagen aussehen müssen. „Aber mir san kein Gasthaus, mir san a Alm“, sagt sie. Und genau das mögen ihre Gäste. Ganz gleich, ob Einheimische oder Urlauber mit langer Anreise.

Ausgangspunkt für weitere Wanderungen

Wem der rund einstündige Aufstieg nicht reicht und die Innere Steiner Alm als Zwischenstation für eine gute Jause ansteuert, könnte noch anspruchsvolle drei weitere Stunden zur Sudetendeutschen Hütte wandern, oder direkt in rund anderthalb Stunden zur Kessler Alm. Wer trittsicher ist, macht sich Richtung Nussing auf, die Möglichkeiten sind vielfältig. Die Wanderung über die Äußere Steiner Alm zur Inneren Steiner Alm dauert rund zweieinhalb Stunden. 

Als Erinnerung an die Hoanzer Alm, also die Innere Steiner Alm, gehört Waltrauds Brot mit ins Gepäck. Zu bekommen ist es auch im Virgener Bauernladen, in Matrei oder einmal im Monat beim Spar in Dölsach. Am besten aber ist doch die kleine Wanderung, eine Jause vor dem Haus, und das traditionell gebackene Brot trägt sich fast wie von allein wieder mit hinunter.

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Hiltrud Kastner
Hiltrud Kastner
18. Oktober 2022 4:50

Würden gerne für den Sommer uns für 1 Almhütte 6 Personen 1 Woche interessieren und was es kostet

Osttirol Redaktion
Osttirol Redaktion
Antwort an  Hiltrud Kastner
24. Oktober 2022 14:13

Liebe Hiltrud!
Es freut uns wirklich irrsinnig zu hören, dass du Interesse hast, deinen Urlaub in einer Almhütte in Osttirol zu verbringen. 😉 Schreibe doch bitte eine E-Mail an info@osttirol.com und führe an, in welchem Monat du die Reise geplant hast und ob du schon einen bestimmten Ort im Auge hast. Vielen Dank im Voraus! Liebe Grüße, dein Osttirol Team.