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Winterwandern – Detox für die Seele

Winterwandern – Detox für die Seele
© Berg im Bild

Faszination Winter. Alles ist in Bewegung, obwohl die Tageszeiten nur kurz sind, die Temperaturen die Muskelleistung verlangsamen und die Sonne nur spärlich wärmt. Aber es gibt einen innerlichen Drang, der die Menschen auch in der Winterzeit nach außen lockt, um den Schnee in allen möglichen Fassetten zu genießen und zu spüren. Skifahren? Klar, die Aktivität Nummer eins in einem Wintersportland wie Österreich. Wobei im letzten Jahrzehnt das Skitourengehen, also die Freiheit im Pulverschnee, enorm zugelegt hat. Und Langlaufen ist ja seit über 100 Jahren wohl eine der ältesten Winterfortbewegungsvarianten, die man weltweit vorfindet. Aber dann gibt es noch eine Outdoor-Aktivität, die man eigentlich mehr mit dem Sommer verbindet, in den letzten Jahren aber bei Jung und Alt richtige Begeisterungswellen schlägt: das Winterwandern.

Winderwandern ist die einfachste und ruhigste Art, die Winterlandschaft zu entdecken. Jeder Schritt eröffnet neue Blickwinkel, jede Tageszeit lässt die schneebedeckte Natur in einem anderen Licht erscheinen. Auf geräumten Spuren geht es dem Ziel, einer schön gelegenen Hütte, einer Alm oder einem aussichtsreichen Gipfel entgegen. Einzige Hilfsmittel sind Wanderstöcke und gute Schuhe – in Zeiten steigendem Kostenbewusstseins eine äußerst günstige Sportart. Und außerdem eine der gesündesten und vor allem kommunikativsten. Denn man hat Zeit. Zeit zum Runterkommen, Zeit zum Reden, Zeit für sich allein oder für sein Gegenüber.

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Winterwandern ist die wohl beruhigendste und stillste Aktivität im Winter

Rauf und runter

Viele Wintersportorte habe sich eigene zertifizierte Winterwanderwege angelegt. Die Schwierigkeitsgrade und Längen variieren von Dorfspazierwegen über ausgedehnte Winterwanderungen durch Wald und Wiesen bis hin sogar zu Gipfeltouren im Winter. Als Pioniere im Winterwandern hat sich die Gemeinde Kartitsch in Osttirol einen Namen gemacht, ist sie doch seit 2018 das erste Winterwanderdorf Osttirols. Der Ort bietet neun bestens präparierten Routen unterschiedlicher Länge und Schwierigkeitsgrade und über 20 zertifizierte Winterwanderunterkünfte. Zusätzlich gibt es ein geführtes Tourenprogramm und kostenlose Mobilität mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Das Bergsteigerdorf Kartitsch war vor einigen Jahren vor die Wahl gestellt worden: große Investitionen in die Modernisierung der Skilifte zu stecken oder etwas völlig anderes zu tun. Aufgrund des sehr kleinen Skigebietes wusste man schnell, dass man sich so kaum von anderen Skigebieten unterscheiden kann. Aus diesem Grund hat sich die Gemeinde Kartitsch auf das Winterwandern spezialisiert. Was die Topografie betrifft, ist sie prädestiniert dafür. Das Tiroler Gailtal ist das höchstgelegene Tal Osttirols, Kartitsch liegt zwischen 1.356 und 1.535 Metern. Ohne dass man sich über viele Höhenmeter mühen muss, bekommt man immer einen Blick auf die Lienzer Dolomiten und die Karnischen Alpen bis hin nach Italien. Schneesicher ist es auch. Es stimmt, dass sie auch vom Klimawandel betroffen ist und dass nicht immer garantiert werden kann, dass es viel Schnee gibt. Aber lest dazu mehr im nächsten Absatz.

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Am Beginn der Wanderungen in den kleinen Osttiroler Gemeinden fasziniert die traditionelle bäuerliche Architektur © Tirol Werbung

Ohne geht’s auch

Durch die weiße Winterlandschaft zu gehen, das Licht im Funkeln der Schneekristalle zu bewundern, die Ruhe zu genießen. Schnee hat eine hervorragende Wirkung der Lärmeindämmung. Wahrgenommen wird eigentlich nur das Knirschen der Schritte, hie und da rauschen kleine Bäche, das eigene Atmen ist oft das Lauteste. Ein Wintermärchen, wie man es sich vorstellt. Aber es geht auch ohne! Natürlich sind tief verschneite Landschaften im Winter in den Köpfen verankert, aber das besondere am Winterwandern ist, dass es auch ohne viel Schnee funktioniert. Wie im Spätherbst ist man dann auf den Wanderwegen unterwegs, vielen reicht auch schon ein Blick auf die weißen Berggipfel weit oben. Oder auch eine Wanderung durch den Wald zeigt auch ohne Schnee seine Wirkung. Dies ist einer der größten Unterschiede zu den anderen Wintersportarten – die Ausrüstung bleibt gleich, die eigene Anstrengung auch, die Blickwinkel sind das einzige, das sich ändert.

Schneereiche Aussichten auf Berge, Wälder und Orte

Tipps zum Winterwandern

Kleidung: am besten eignet sich hier das sogenannte „Zwiebelsystem“. Beim Weggehen ist eine Kombination aus einem atmungsaktiven Shirt, einer Fleecejacke oder Fleece Gilet und eine winddichten Softshell-Jacke eine gute Wahl. Aktiv an- oder ausziehen, bevor es zu kalt oder zu heiß wird, ist dabei wichtig. Für das Schuhwerk eignen sich wasserfeste Schuhe, wie zum Beispiel Bergschuhe, die man auch im Sommer beim Wandern anzieht. Mütze und Handschuhe verstehen sich von selbst. Noch ein Tipp: um wirklich sicher zu gehen, dass man weniger leicht ausrutscht, gibt es Schneespikes, die man einfach über seine Schuhe zieht. Diese Schneespikes gibt es in vielen Sportgeschäften, aber auch bei einzelnen Vermietern im Winterwanderdorf Kartitsch zum Ausleihen.

Planung: gewandert werden kann im Prinzip überall und bei jedem Wetter. Für die erste Tour ist es ratsam, sich an die gut ausgewiesenen Winterwanderwege zu halten bzw. an Winterwanderwege in der Nähe zu Bus- und Bahnverbindungen. Einkehrmöglichkeiten entlang der Wege sind beliebte Zielpunkte, aber natürlich auch zum Aufwärmen und Stärken zwischendurch geeignet. Falls es unterwegs keine Hütte oder Gasthaus gibt, sollte man auf jeden Fall warme Getränke – am besten Tee – und kleine Snacks mitnehmen. Die Verpflegung richtet sich immer nach der Länge der geplanten Tour.

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Warme Kleidung, gutes Schuhwerk und Stöcke – mehr nicht

Winterwandern: Entspannung und Regeneration

Das Winterwandern hat auch noch einen weiteren Vorteil: bereits nach einer kurzen zurückgelegten Strecke spürt man an Körper, Geist und Seele, dass man etwas für sich getan hat. Es ist dann Zeit, für eine persönliche Belohnung. Dies kann die Einkehr in einer Hütte oder einem Gasthaus sein, wo auf einen regionale Spezialitäten warten. Oder aktives Entspannen beim Besuch der Wellnesseinrichtung in der Unterkunft. Oder einfach eine stille Einkehr auf einen der vielen Rastplätze, um das Erlebte noch einmal zu verdauen und sich ein letztes Mal vor dem Heimweg an der imposanten Berglandschaft so richtig satt zu sehen.

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Entlang des Weges findet man immer wieder Rastmöglichkeiten mit faszinierenden Ausblicken
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