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Osttiroler Gesichter, Must Dos & Sees

Die Neue Prager Hütte: Wo jeder Tropfen zählt

Die Neue Prager Hütte: Wo jeder Tropfen zählt
© Markus Trischler

2.796 Meter. Kein Wasserhahn, der einfach selbstverständlich läuft. Kein Supermarkt ums Eck. Und wenn etwas fehlt, kommt es nicht mit dem Lieferwagen, sondern mit der Materialseilbahn oder dem Helikopter. Willkommen auf der Neuen Prager Hütte. Hier oben, mitten in der gewaltigen Bergwelt des Nationalparks Hohen Tauern bleibt der Alltag irgendwo unten im Tal zurück. Vor der Tür: Fels, Gletscher, Himmel. Und mit dem Großvenediger einer der bekanntesten Gipfel Österreichs. Doch ausgerechnet etwas, das unten selbstverständlich erscheint, entscheidet hier oben über eine ganze Saison: Wasser.

Genau deshalb wird auf der Neuen Prager Hütte gebaut.

Neue Prager Hütte: Baustelle

Bergauf mit dem Wasser auf der Neuen Prager Hütte

Wer durch Osttirol wandert, begegnet Wasser überall. Es rauscht durch Schluchten, stürzt über Felsen, glitzert in Bergseen und zieht als Gletscher durch die Hochgebirgslandschaft. Doch eine Berghütte auf fast 2.800 Metern zuverlässig mit Wasser zu versorgen, ist eine völlig andere Geschichte. Auf der Neuen Prager Hütte wurde genau das in den vergangenen Jahren immer schwieriger. Mehrfach gingen während der Bergsaison die Reserven zur Neige. Dreimal musste der bedeutende Stützpunkt auf dem Weg zum Großvenediger wegen akuter Wasserknappheit vorübergehend schließen.

2025 sollte deshalb ein entscheidendes Jahr werden.

Mit einem umfangreichen Umbau soll die Wasserversorgung langfristig gesichert und gleichzeitig der Verbrauch deutlich reduziert werden. Geplant sind unter anderem moderne Trockentoiletten sowie eine große Zisterne, in der Oberflächenwasser gesammelt werden kann. So soll die Hütte künftig auch längere trockene Phasen besser überstehen.

Die vier Freunde der Neuen Prager Hütte

Wo ist eigentlich die Neue Prager Hütte?

Bevor geschraubt, gebaut und modernisiert werden kann, wartet eine Aufgabe, die ziemlich gut zeigt, wer hier oben das Sagen hat: der Berg. Die Neue Prager Hütte muss zunächst aus dem Schnee ausgegraben werden. Für das neue Hüttenteam beginnt die Saison deshalb nicht mit Sonnenschirm-Aufspannen und Kaffeemaschine-Einschalten. Sondern mit Schnee, Schaufeln und jeder Menge Arbeit. Mittendrin sind vier Menschen, die beschlossen haben, ihren Sommer dort zu verbringen, wo andere nach einem langen Aufstieg froh sind, endlich angekommen zu sein. Michaela, Florian, Maja und Ben übernehmen gemeinsam die Hütte und damit gleich eine doppelte Aufgabe. Sie sind Gastgeber und Baustellenbegleiter. Organisatoren und Problemlöser. Und das sieben Tage die Woche. Denn während umgebaut wird, läuft der Hüttenbetrieb weiter.

Baustelle? Eher Bergstelle.

Mal schnell noch Material holen? Schwierig. Zur Neuen Prager Hütte führt keine Straße. Was für den Umbau benötigt wird, muss per Hubschrauber oder Materialseilbahn nach oben gebracht werden. Gleichzeitig ist das Zeitfenster knapp. Die Hochgebirgssaison ist kurz, das Wetter unberechenbar und jeder brauchbare Bautag zählt.

Trotzdem soll die Hütte geöffnet bleiben. Bergsteigerinnen und Bergsteiger auf dem Weg zum Großvenediger, Wandernde und Teilnehmerinnen und Teilnehmer alpiner Kurse sollen weiterhin einen Schlafplatz und etwas zu essen bekommen. So entsteht ein ziemlich außergewöhnlicher Hüttenalltag: Während an einer Stelle gebaut wird, werden an anderer Stelle Teller gefüllt. Material kommt den Berg hinauf, Gäste kommen durch die Tür und draußen entscheidet das Wetter darüber, was an diesem Tag überhaupt möglich ist. Es ist improvisiert, anstrengend und vermutlich ziemlich weit entfernt von einem gewöhnlichen Arbeitsplatz. Und genau darin steckt auch die Faszination einer Berghütte.

Materiallieferung

Vielleicht ist genau das Osttirol

Man könnte Osttirol über Zahlen beschreiben. Über Dreitausender, Höhenmeter, Täler und Kilometer Wanderwege. Man kann es aber auch anders versuchen.

Osttirol fühlt sich dort am stärksten an, wo Wege schmaler, Horizonte weiter und die Tage ein wenig langsamer werden.

Hier oben kann ein Wetterumschwung einen Plan verändern. Schnee kann im Frühsommer noch meterhoch liegen. Ein trockener Sommer kann darüber entscheiden, wie lange eine Berghütte geöffnet bleibt. Und vielleicht fühlt sich ein Aufenthalt gerade deshalb so intensiv an. Oben, auf fast 2.800 Metern, umgeben von mächtigen Bergen und klarer, frischer Bergluft, wird schnell klar, warum sich der Aufstieg lohnt. Ein Osttiroler würde sagen:

Oanfoch gewaltig!

Du möchtest noch mehr spannende Osttiroler Persönlichkeiten und ihre Geschichten kennenlernen? Dann schau gerne hier vorbei!

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