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Kultur & Tradition

Allerheiligen: Was schnagglt da durch Nacht und Wind?

Allerheiligen: Was schnagglt da durch Nacht und Wind?

Es gibt Traditionen und Bräuche aus der Kindheit, an die man sich immer wieder gerne zurück erinnert. Halloween war zu meiner Zeit noch nicht das Thema, das haben wir gar nicht gekannt. In Osttirol gibt es dafür schon seit über 100 Jahren das Krapfenschnaggeln. Und dieser Brauch ist nach wie vor noch in vielen Dörfern in Osttirol angesagt. In jeder Gemeinde hat der Brauch einen anderen Namen, rund um den Lienzer Talboden nennt man ihn Krapfenschnaggen oder Krapfenschnappen, „anklocken“ in Prägraten oder im Defereggental ist es das „Greggl-Gien“.

Ein Video aus dem Jahr 2012 – viel Spaß beim Anschauen:

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Aus Youtube: (c) j. robert possenig

Brauchtum „Krapfenschnaggeln“ in Osttirol:

Am letzten Tag im Oktober, also einen Tag vor dem Allerheiligenfest, bei dem an die Verstorbenen gedacht wird, zogen die jungen Burschen durch die Gemeinde. In manchen Orten Osttirols stand das Krapfenschnaggen am 1. November, also am Allerheiligentag, am Programm. In der Mellitze in Nußdorf war ein Sammelplatz einer Gruppe. Die Jungen waren alle mit einem viel zu großen weißem Hemd, das von einem Gürtel um die Hüfte zusammengehalten wurde, bekleidet. Überlieferungen zufolge hat man sich deshalb verkleidet, damit man beim Betteln nicht erkannt wurde. Weiters hatten sie spitze, reich mit bunten Bändern geschmückte, hohe Hüte auf. Dadurch wirkten sie schon sehr imposant.

Was aber das ganze Outfit erst perfekt machte, waren die aus Holz geschnitzten Tierköpfe, die auf einem hohen Stecken fixiert wurden. Die hatten ein loses Unterkiefer, das an einer Schnur befestigt war. Sobald an dieser gezogen wurde, ertönte ein lautes Klappergeräusch – das sogenannte „Schnaggln“.

Die Gruppe verfügte auch über zwei Anführer. Diese waren meistens die stärksten Jungen im Dorf. Die Truppe zog nun von Haus zu Haus. Es wurde ein Gebet gesprochen und ein Lied gesungen. Als Belohnung gab es dann frisch gebackene Bauernkrapfen oder Blattln, die hinter dem viel zu großen Hemd versteckt wurden.

Heute gibt es diese nur mehr bei vereinzelten Häusern, viel wichtiger sind nun die Süßigkeiten bzw. ein kleines Geldgeschenk. Der letzte der Gruppe trägt eine Kasse mit sich und sagt: „Tschin Tschin, Tschin in der Kasse is nix drin“. Sobald man Geld gegeben hat, schnagglt die ganze Gruppe und spricht laut beim Gehen: „Vergeltsgott, vergeltsgott…“ was soviel heißt wie DANKE.

Der größte Teil des gesammelten Geldes wird dann für einen guten Zweck gespendet und der Rest dient der Ausrüstung und als kleine Taschengeldreserve.

Fotos: Magret Ortner

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