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Kultur & Tradition

Bergsteigerdörfer. Orte guten Lebens.

Bergsteigerdörfer. Orte guten Lebens.
© Jörg Wunram

Als die Initiative der Bergsteigerdörfer im Österreichischen Alpenverein im Jahr 2008 gegründet wurde, waren Vertreter aus Ober- und Untertilliach, Kartitsch sowie aus Außer- und Innervillgraten mit dabei. 2023 wird im Osttiroler Villgratental der 15. Geburtstag gefeiert und getagt.

Die Bergsteigerdörfer sind eine Initiative des Österreichischen Alpenvereins, die Ortschaften vereint, die im Einklang mit Natur und Mensch etwas anderen Tourismus umsetzen. Weniger, dafür besser, das ist die Devise. Sie entsprechen damit in besonderer Weise den Zielen der Alpenkonvention, die eine nachhaltige Entwicklung im gesamten Alpenraum anstrebt. Seit der Gründung in Ginzling im Zillertal ist die Organisation von damals 16 auf 38 Dörfer in fünf Alpenstaaten angewachsen. Grundlage der Initiative war und ist die Alpenkonvention. In dem völkerrechtlichen Vertrag verpflichten sich Österreich, Deutschland, Italien, Slowenien, Frankreich, Liechtenstein und die Schweiz, den gesamten Alpenraum zu schützen und möglichst behutsam weiterzuentwickeln. Kein Massentourismus, stattdessen klein und fein mit ausgeprägtem Bewusstsein für Natur, Kultur und Traditionen. So wie es in vielen Osttiroler Dörfern seit jeher gelebter Alltag ist. Osttirol hat mit Außervillgraten, Innervillgraten, Kartitsch, Obertilliach und Untertilliach fünf Orte, die zum Kreis der Bergsteigerdörfer zählen.

Die Bergsteigerdörfer sind vor allem die Menschen vor Ort

„Die Bergsteigerdörfer sind vor allem die Menschen, die in diesen Dörfern leben und sie gestalten. Rückblickend betrachtet eine Erfolgsgeschichte“, sagt Ewald Galle vom Bundesministerium für Klimaschutz, Energie, Mobilität und Innovation in Wien. „Eine mit viel Arbeit dahinter“, ergänzt Liliana Dagostin. Sie leitet beim Österreichischen Alpenverein die Abteilung Raumplanung und Naturschutz. Die Juristin kümmert sich federführend auch um die Bergsteigerdörfer, damit sie „Orte guten Lebens“ bleiben.

„So wie man sie im Villgratental oder im Tiroler Gailtal findet“, sagt Alexander Huber. Der bekannte Extremkletterer ist öfter im Villgratental, um Freunde zu besuchen. „Freilich unterstütze ich die Bergsteigerdörfer.“ Positiver Nebeneffekt für ihn: Bei seinem letzten Besuch besiegelte der Alpinist und Schafbauer im Nebenerwerb mit Josef „Sepp“ Schett und Tochter Rebecca eine Zusammenarbeit. Künftig liefert er die Wolle seiner 15 Schafe an das Osttiroler Familienunternehmen. „Statt wie bisher 70.000 haben wir jetzt 70.015 Lieferanten“, schmunzelt Rebecca Schett, die seit einigen Monaten die Geschicke der Villgrater Natur maßgeblich lenkt.

Netzwerk Bergsteigerdörfer: Alexander Huber bei Josef und Rebecca Schett in Innervillgraten
Alexander Huber mit Rebeacca und Josef Schett bei Villgrater Natur

Auch das wollen die Bergsteigerdörfer: Netzwerke schaffen und Austausch stärken. Als die Initiative der Bergsteigerdörfer des Österreichischen Alpenvereins vor 15 Jahren entstand, traten Ober- und Untertilliach sowie Kartitsch unter dem gemeinsamen Namen Bergsteigerdorf Tiroler Gailtal bei. Reini Scherer, der in Obertilliach geboren wurde und in Innsbruck das weltgrößte Kletterzentrum betreibt, war damals viel in den Karnischen Alpen unterwegs. „Geeignete Kletterrouten suchen“, erinnert er sich. Regelmäßig schaut der Sportler und Geschäftsmann in seiner Heimat vorbei und ist immer wieder schwer beeindruckt. Zum Beispiel vom Joasa-Hof von Brigitte und Andreas Außerlechner. Brigitte ist vor einigen Jahren aus Köln nach Kartitsch gezogen. Nicht nur der Liebe wegen. Sie stellt schmackhaften Bio-Käse her: „Ich bin sehr experimentierfreudig“, erzählt die IT-Fachfrau. „Den Umzug vom Rhein an die Gail habe ich keine Sekunde bereut.“

Glasbläserwerkstatt im Bergsteigerdorf Innervillgraten
Alexander Huber bei Anna Huber in der Glasbläserwerksatt im Villgratental

Gemeinsam neue Wege gehen

Reini Scherers Bruder Matthias hat als Bürgermeister von Obertilliach die Zeichen der Zeit längst erkannt. „Wir gehen touristisch einen sanfteren Weg als viele andere Dörfer. Aber der passt zu uns.“ Scherers Kollegen in Inner- und Außervillgraten, Andreas Schett und Josef Mair, sehen es genauso: „Die Initiative der Bergsteigerdörfer im ÖAV hat dafür gesorgt, dass wir noch enger zusammenarbeiten“, sagt Mair. Schett ergänzt: „Frühere Rivalitäten existieren nicht mehr. Gemeinsam sind wir einfach stärker.“

Reini und Matthias Scherer im Bergsteigerdorf Tiroler Gailtal
Bgm. Matthias Scherer und Reini Scherer im Bergsteigerdorf Tiroler Gailtal
Bürgermeister Josef Außerlechner mit Reini Scherer im Bergsteigerdorf Kartitsch
Bgm. Josef Außerlechner und Reini Scherer im Erdbeerfeld in Kartitsch unterwegs auf dem Höfetrail

Diese Stärke ist inzwischen deutlich hörbar. In der Podcast-Reihe „Wo weniger mehr ist“ erfährt man mehr über die Bergsteigerdörfer. Produziert vom Innervillgrater Unternehmen Freizeitproduktionen und dem Hamburger Journalisten Jörg Wunram im Auftrag des ÖAV. Zu hören auf der Seite der Bergsteigerdörfer oder überall, wo es Podcasts gibt. Pünktlich zur Jahrestagung der Initiative im Österreichischen Alpenverein (06. – 08.10.2023) geht Folge fünf online. „Im Tal der fleißigen Handwerker – Mit Alexander Huber durch das Villgratental. Das Hörgemälde über das Tiroler Gailtal mit Reini Scherer auf dem Höfetrail erscheint dann im kommenden Jahr.

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