Kulturrundgang durch Sillian

Heute nehme ich euch mit durch meine Heimatgemeinde Sillian, zeige euch die Besonderheiten von Sillian und das eine oder andere Relikt aus vergangenen Zeiten.

Pfarrkirche Sillian

Wir starten unseren Rundgang bei der Pfarrkirche in Sillian. Ein Kirchengebäude ist wohl das markanteste Gebäude eines jeden Dorfes und aus keinem Dorfbild wegzudenken. Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt wurde 1326 das erste Mal urkundlich erwähnt und im Laufe der Jahrhunderte mehrmals renoviert. Im Jahr 2012 erhielt sie eine neue Herz-Jesu-Glocke – was mit der alten Glocke passiert ist, erfahrt ihr noch im Laufe des Rundganges durch Sillian.

Schwenkt man bei der Pfarrkirche und dem Widum, dem Pfarrhaus, seinen Blick nach rechts, erblickt man das Achammer Kreuz. Dies gedenkt dem Tiroler Freiheitskämpfer und Schützenhauptmann Josef Achammer, einem gebürtigen Sillianer. Heute ist das Achammer Kreuz auch eine Station bei den verschiedenen Prozessionen während des Kirchenjahres.

Aus Sillian wurde eine Marktgemeinde

Wenn wir anschließend unseren Weg fortsetzen und ins “Marktl”, so nennt man das Zentrum von Sillian, kommen, ist es wie eine Reise in vergangene Zeiten. Hier kann man sich bildlich vorstellen, wie vor 550 Jahren aus einem Dorf, das vorwiegend von der Landwirtschaft lebte, eine Marktgemeinde wurde. Wo Händler und Kaufleute an Ständen ihre Handwerke verkauften und um den besten Preis feilschten. Das Marktrecht, das 1469 von Graf Görz verliehen wurde, berechtigen zur Austragung des Jahrmarktes auf ewig am 03. Mai und zur Abhaltung des Wochenmarktes an jedem „Pfinztag“ – so nennt man den Dienstag im Dialekt. Heute hat das Markttreiben in Sillian eine eher untergeordnete Rolle und Märkte finden nur noch ca. 5 Mal pro Jahr statt.

Auf dem Marktplatz

Auf dem Marktplatz in Sillian gibt es auch noch einiges Anderes zu entdecken. Als Erstes sticht wohl der Dorfbrunnen ins Auge – ein Muss auf jedem Dorfplatz, früher wie auch heute. Mit Blick auf die Hauptstraße befindet sich hier auch ein römischer Meilenstein. Dies war einer der vielen Distanzsäulen im römischen Reich, die früher für Entfernungs- und Ortsangaben wichtig waren.

Setzen wir unseren Weg fort, sticht uns die Prangersäule ins Auge – die einzige Prangersäule aus dem Mittelalter, die in ganz Tirol noch erhalten ist. Früher hat man dort Verbrecher “an den Pranger gestellt” und öffentlich vorgeführt. Der Pranger diente auch als Zeichen der Gerichtsbarkeit einer Gemeinde. Das Gerichtsgebäude befand sich direkt gegenüber der Prangersäule in der heutigen Apotheke. Heutzutage wohl schwer vorzustellen, dass hier früher wirklich Menschen öffentlich vorgeführt wurden.

Auf der linken Seite vor dem Marktplatz thront das Nepomukdenkmal, umgangssprachlich auch “Nepomuksteckl” genannt. Dieses Denkmal wurde im Jahr 1750 aufgrund von mehreren Hochwasserkatastrophen am Johannisbach errichtet.

Nun sehen wir auch schon die Glocke, von der ich euch vorhin schon berichtet habe. 2010 stellte man in der Kirchenglocke einen Riss fest und sie wurde dadurch funktionsunfähig. Die neue Glocke wurde 2012 festlich eingeweiht. Die alte Glocke wurde nach 63-jährigem “Kirchendienst” vor dem Eintausch gerettet, darf in der Heimat bleiben und am Marktplatz bestaunt werden.

Ein weiteres sehenswertes Relikt ist das Standschützendenkmal „Erstürmung der Forame“ und erinnert an die Zurückeroberung des „Forame Gipfels“ während des 1. Weltkrieges. Das Denkmal zeigt den Gipfel mit den Standschützen bei der Zurückeroberung.

Im Wandel der Zeit

Mit dem Blick auf den heutigen Marktplatz und die Gebäude, die noch an die Vergangenheit erinnern, beende ich mit euch meinen Rundgang durch Sillian. Es hat sich viel verändert – aus einem Dorf, wo Landwirtschaft das wichtigste Standbein war, hin zu einer 550 Jahre alten Marktgemeinde, wo heute Wirtschaft und der Tourismus die wichtigsten Sektoren sind.

Wie viele Geschichten hinter jedem einzelnen Denkmal stecken und wie viele Geschichten wohl noch verborgen sind, die wir in der heutigen Zeit wohl kaum erahnen können? Wer weiß…

Titelbild: Sillian, ca. 1926
© Verlag Eophoto Wien; Archiv Marktgemeinde Sillian

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