Redaktion

4. Februar 2021

„Dem Himmel so nah…“

Als Kind war es das Normalste der Welt sich an einem sonnigen Nachmittag auf die Wiese zu legen. Der Blick wurde dem Himmel entgegen gerichtet und die Fantasie an den vorüberziehenden Wolken geschult. Am Abendhimmel hingegen entdeckte man die ersten Sterne und – vielleicht an der Hand des Großvaters  – die ersten Sternbilder.

Romantische Stunden als frisch Verliebte haben wir später unter dem nächtlichen Himmel erlebt. Oder wir haben zumindest davon geträumt. Das dunkle Himmelszelt ist Raum für unsere Träume und Hoffnungen. In dieser stillen Weite wird uns klar, wie klein der Mensch doch ist.

Osttiroler Sternenhimmel (c) Peter Maier

Der Gedanke, dass diese besondere Art von Himmelsnähe nicht für alle Menschen möglich ist, ist für ein Osttiroler Kind kaum nachvollziehbar. Man hat von Lichtverschmutzung gehört, doch wirklich greifbar ist der Begriff für uns nicht. Lichtverschmutzung gilt als eine spezielle Form der Umweltverschmutzung. Anstelle der üblichen 6.500 Sterne können nur mehr wenige bis keine Sterne gesehen werden.

Zusätzlich hat dieser Mangel an Dunkelheit auch negative Einflüsse auf unsere Tier- und Pflanzenwelt. Viele nachtaktive Insektenarten sind nämlich auf einen gewissen Grad an Dunkelheit angewiesen. Nicht nur Tiere und Pflanzen leiden unter der zunehmenden Lichtverschmutzung, auch wir Menschen sind davon betroffen. Unsere Schlaflosigkeit ist der mangelnden Dunkelheit verschuldet.

In einer dunklen Osttiroler Nacht gibt es nicht viel mehr als den Mensch, den Berg und den Himmel. Ein Gefühl von Freiheit macht sich breit, wenn man auf die vielen funkelnden Zeitzeugen hinaufschaut. Und auch sie beobachten teilnahmslos unser Treiben auf der Erde.

Diese Besonderheit möchten wir auch mit euch teilen. Gerne präsentieren wir euch die 5 schönsten Plätze zum „Sternelen – schaun“ .

1. Das Lucknerhaus – um 1920 Metern näher am Himmel als am Meer

Das Lucknerhaus ist in erster Linie bekannter Ausgangspunkt für zahlreiche traumhafte Wanderungen und Skitouren im Nationalpark Hohe Tauern. Doch was viele nicht wissen, ist, das es auch ein toller Platz ist, um sich den Sternen besonders nah zu fühlen. Die Höhe und der phänomenale Ausblick auf den König der Alpen sind die ausschlaggebenden Faktoren für eine erfolgreiche Sternwarte. Den Großglockner im Schein der unzähligen Himmelskörper zu sehen ist ein einzigartiges Erlebnis. Wer vom vielen Staunen über die Weiten des Firmaments Hunger bekommt, der kann sich im Restaurant Lucknerhaus mit Osttiroler Spezialitäten verköstigen lassen. Familie Oberlohr sorgt sich mit viel Sinn für Traditionen um ihre Gäste und so hat man 5 Sterne in puncto Gästeservice schon einmal fix in der Tasche.

Tipp: Wer sich dem Himmel besonders nahe fühlen will, steigt über die Außentreppe auf das Dach des Glocknerpanoramas. Es sind zwar nur wenige Höhenmeter, aber oft machen gerade die den Unterschied aus.

2. Das Winkeltal – Ruhig – ruhiger – Winkeltal

Das Villgratental hat sich in puncto Abgeschiedenheit zu Recht schon einen Namen gemacht. Mit viel Liebe, Einsatz und der allseits bekannten „villgratscher‘nen“ Sturheit achtet man peinlich genau auf den Erhalt dieses Schatzes. Ein Seitental des Villgratentales ist das Winkeltal, in dem sich sprichwörtlich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen. Die exponierte Lage und die achtsame Pflege der Ruhe und Entschleunigung machen das Winkeltal zu einem besonderen Erlebnis in Hinblick auf die Sternbeobachtung. Je weniger künstliche Lichtquellen, desto imposanter das Sternenbild. Romantischer als bei einer Pferdeschlittenfahrt unter dem Sternenhimmel im Winkeltal geht es fast nicht mehr.

3. Dolomitenhütte – Der Himmel auf Erden

„Die Dolomiten sind die schönste Architektur der Welt.“

Das sagte nicht irgendwer, sondern Le Corbusier (1887–1965), einer der einflussreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Man kann sich gutvorstellen, dass er dieses Zitat mit Blick auf das Massiv von der Terrasse der Dolomitenhütte aus ins Leben gerufen hat. Auf der Dolomitenhütte befindet man sich 1.616 m nah an der Sternenpracht und kann die Warte gleich mit vielen sportlichen Aktivitäten und kulinarischen Highlights verbinden. Die klaren Nächte, der Ausblick und die Kraft des Berges machen eine Sternbeobachtung hier zum ganz klaren Highlight. Ob man die Hütte im Winter mit den Skiern oder im Sommer zu Fuß erklimmt oder sich vom Taxi der Dolomitenhütte abholen lässt, der Weg dorthin lohnt sich auf alle Fälle.

Für diejenigen, die sich eine ganze Nacht lang auf die Lauer legen möchten, gibt es auch die Möglichkeit auf der Hütte zu übernachten.
Den Himmel auf Erden kann man im Adlerhorst erleben, wenn man die Sternenpracht aus der warmen Gemütlichkeit des Bettes aus betrachtet. Herz, was willst du mehr? !

4. Obersee – Legenden der Erinnerung

Fast schon unheimlich ist die Schönheit der Natur am Obersee, wenn sich die Sterne in der glatten Oberfläche des Sees widerspiegeln. Wenn man sich nun vorstellt, dass die Sterne schon vor 1000 Jahren zugesehen haben, als der Einbaum, den man 1999 aus dem See geborgen hat, gesunken ist, fragt man sich, welche Geheimnisse sie wohl noch so erzählen könnten. Auf 2.016 Metern Seehöhe findet man am Obersee nicht nur die Verbindung zu unseren Südtiroler Nachbarn, sondern kann auch ganz klar die Nähe zu den Sternen erleben. Im Sommer ist der Passübergang ganztägig befahrbar. Jeweils in den ersten 15 Minuten kann man vom Defereggental ins Antholzertal fahren. Im einem „normalem“ Winter ist der See mittels Shuttlebus erreichbar und man kann im Alpengasthaus Obersee typische Tiroler Gaumenfreuden bei einem Wahnsinnsausblick verkosten.

5. Schobergruppe: Einsame Gipfel und unzählige Sterne

Die Schobergruppe ist eine einsame Gebirgsgruppe, die sich über zwei Bundesländer – Osttirol und Kärnten – erstreckt. Den Bergen und auch den Sternen sind die Landesgrenzen ziemlich „schnuppe“. Die Gebirgsgruppe der Zentralen Ostalpen ist ein wahrer Geheimtipp, da sie noch relativ unbekannt und touristisch recht wenig erschlossen ist. Genau diese Unerschlossenheit macht den Reiz der Schobergruppe in puncto Sternbeobachtung aus. Minimale Lichtverschmutzung und kristallklare Nächte sind die perfekten Voraussetzungen für den Sternenzauber. Wer außer den Sternen noch zusätzliche ‚Stars‘ aus der Schobergruppe kennenlernen will, kann sich zum Beispiel das Matterhorn Osttirols „den Glödis (3207m)“ vornehmen. Die Tour ist mit dem Schwierigkeitsgrad „schwer“ ausgewiesen. Mit einem Osttiroler Bergführer kann man die Tour, das Panorama und die Sterne optimal genießen.

Für uns haben die Sterne in Osttirol eine magische Anziehungskraft, deshalb können wir uns in Dantes Worten wiederfinden, wenn er sagt:

„Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben:
die Sterne der Nacht,
die Blumen des Tages
und die Augen der Kinder.“

Dante Alighieri