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Natur & Gesundheit

Auswirkungen des Klimawandels auf die Natur

Auswirkungen des Klimawandels auf die Natur
© Nationalpark Hohe Tauern Holgar Margreiter

Es ist ein eindrucksvoller Anblick im Gschlösstal in Matrei, dem oft als schönsten Talschluss der Ostalpen bezeichneten Seitental – vom Almdorf sieht man weit hinauf in die Kernzone des Nationalparks Hohe Tauern mit dem Schlatenkees und dem Großvenediger. Ob vom Talboden aus oder bei einer Wanderung entlang des Gletscherwegs Innergschlöss, nimmt man die massiven Veränderungen des „ewigen Eises“ als wohl eine der offensichtlichsten Auswirkungen des Klimawandels wahr. Ein Faktum das für die Natur des Nationalparks einige Änderungen mit sich bringen wird.

Gletscher Schlatenkees
Das Eis des Schlatenkees zieht sich von Jahr zu Jahr weiter zurück

Aber auch auf der letzten Etappe des Iseltrails zum Ursprung der Isel spürt man diese Veränderung der letzten ca. 160 Jahre direkt in den Beinen: Wurde im „Illustrierten Führer durch das Pustertal und die Dolomiten“ (1882) der Weg von der Clarahütte zum Umbalkees noch wie folgt beschrieben:

„Von der Clarahütte gelangt man in einer Viertelstunde über Moränengerölle zum Umbalgletscher, dem die Isel entquillt.“

Illustrierter Führer (1882)

… so muss man sich gegenwärtig einer 2-3 stündigen hochalpinen Bergwanderung bis zum Umbalkees stellen.

Es wird wärmer und wärmer

Vergleicht man die Alpen mit anderen Regionen der Erde, so ist gemäß aktueller wissenschaftlicher Aussagen der Alpenraum stärker von der globalen Erwärmung betroffen. Schaut man auf ganz Europa so wird derzeit von einem Temperaturanstieg zwischen +2,0 bis +5,0 °C bis 2100 ausgegangen (im Vergleich zu Mitte des 19. Jahrhunderts). In naher Zukunft (bis 2050) müssen wir in Osttirol und im Nationalpark Hohe Tauern mit einem Temperaturanstieg von 1,0 bis 2,0 °C rechnen (in Bezug zu 1981-2010). Dabei werden Starkniederschläge zunehmen, wobei die Regenmengen im Sommer tendenziell abnehmen. Längere Trockenheit und stärkere Niederschlagsereignisse werden auf uns zukommen.

Der Klimawandel und die Natur

Der Klimawandel hat nicht nur auf die eingangs erwähnten Gletscher gravierende Auswirkungen in der Natur, sondern auch auf die Alpenfauna. Das vermehrte Auftreten von Extremereignissen wie lange Hitzeperioden mit Trockenheit oder Veränderungen der Niederschlagsverteilung können Auswirkungen auf die Tierwelt haben.

gams-im-nationalpark-hohe-tauern
Die Gams hat mit dem raschen Voranschreiten des Klimawandels ihre Probleme

Immer höher?

Neben phänologischen Änderungen wird man eine Verschiebung der Lebensräume in höhere Lagen beobachten können. Alpine Arten sind besonders stark betroffen, da die Möglichkeiten, in noch größere Höhen auszuweichen, begrenzt sind – irgendwann ist man ganz oben… Das Alpenschneehuhn ist beispielsweise eine der wenigen wirklich alpinen Arten die oberhalb der Baumgrenze brüten. Das „Höherwandern“ des Alpenschneehuhns in größere Höhen hat neben einer Verringerung des Lebensraums auch eine Isolierung einzelner Populationen zur Folge. In Zukunft wird das Alpenschneehuhn große Teile seines Lebensraums durch den Klimawandel verlieren. Das Alpenschneehuhn wird aufgrund dessen in seiner Populationen im Alpenraum im Laufe dieses Jahrhunderts stark zurückgehen bis Aussterben!

Schneehuhn
Das Schneehuhn könnte künftig zu den Verlierern der Klimaerwärmung zählen

Warmbadetag? Für die Natur eine Herausforderung!

Blickt man auf die Flüsse, Bäche und Seen, so sind auch dort Veränderungen zu beobachten. Die Erwärmung der Fließgewässer führt zu einer Verkleinerung des Lebensraums einiger Fischarten, während andere von der Entwicklung profitieren werden. In Flüssen und Bächen in den Alpen konnte ein Anstieg der Wassertemperaturen in den letzten Jahrzehnten beobachtet werden und eine weitere Temperaturerhöhung um bis zu 2 Grad bis Mitte des 21. Jahrhunderts wird prognostiziert. Die verstärkte Gletscherschmelze (viel kaltes Wasser!) dämpft derzeit den Temperaturanstieg in vielen Gewässern der Alpen ein wenig. Wenn die Gletscher jedoch immer kleiner werden und ein gewisses Volumen unterschreiten (weniger kaltes Schmelzwasser), dann werden auch in diesen Flüssen und Bächen die Temperaturen rapide ansteigen – und die Verlierer des ganzen bei uns werden deutlich. Die Bachforelle und die Äsche lieben nicht nur die Isel und ihre Zubringer, sie hängen auch stark vom kalten Wasser ab und sind daher besonders vom Klimawandel betroffen. Aber auch die Groppe und der Huchen sind stark beeinflusst, ihr Lebensraum wird in Zukunft aufgrund steigender Temperaturen abnehmen. Der Klimawandel kann außerdem das Auftreten von Krankheiten begünstigen. Möglichkeiten, den Lebensraum flussaufwärts auszuweiten, sind für Fische meist begrenzt. Weiter oben liegende Flussabschnitte können häufig wegen natürlicher oder menschengemachter Barrieren nicht erreicht werden oder sind aufgrund der Dimensionen von Fließgewässern, dem Gefälle, dem Abfluss und anderen Standortansprüchen weniger geeignet. Die Äsche bevorzugt zum Beispiel breitere Gewässer wie die Isel, die sie in größerer Höhe kaum mehr auffindet.

Urforelle
Wärmetolerantere Arten werden die Kaltwasserfische wie die Urforelle in vielen Bereichen verdrängen

Von Florian Jurgeit

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