Simon Holzer

5. November 2019

Zedlacher Paradies – das Paradies vor der Haustür

In Osttirol, genauer gesagt, im Nationalpark Hohe Tauern findet man ja viel. Angefangen mit dem höchsten Berg Österreichs, dem Großglockner, diversen Ökosystemen mit deren selten Tier- und Pflanzenarten, magische Wälder, wie den Oberhauser Zirbenwald im hinteren Defereggental, aber findet man auch das Paradies?

Zedlacher Paradies
Willkommen im Zedlacher Paradies.

Um diese Frage zu beantworten, machen sich meine Tante Maria, mein Onkel Johannes und dessen Hunde Lysa und Nelson und ich auf den Weg nach Matrei in Osttirol. Denn oberhalb der Marktgemeinde liegt es, das Osttiroler Paradies.

Zedlacher Paradies
Waldlehrpfad Zedlacher Paradies.

Es ist der 2. November. Der Wettergott ist uns diese Woche leider nicht gut gesonnen und beschert uns schon die ganze Woche ein typisches herbstliches Spätwetter mit Regen und in höheren Regionen sogar mit erstem Schneefall. Nichts desto trotz gibt es kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Bekleidung.

Zedlacher Paradies
Der Nebel hält sich hartnäckig im Paradies.

Willkommen im Zedlacher Paradies

Wir fahren in den Matreier Ortsteil Zedlach. Auf einer Höhe von ca. 1410m befindet sich der Parkplatz Jösen. Von dort aus beginnt unsere gemütliche Wanderung durch das Osttiroler Paradies. Von Beginn an fühlt sich diese Wanderung anders an als die anderen, nicht nur wegen dem herbstlichen Wetter mit Nebel und leichtem Regen, sondern auch das Flair, das dieses Gebiet umgibt, ist magisch. Goldgelbe Lärchen soweit das Auge reicht. Das Wegnetz durch den über 500 Jahre alten Lärchenbestand fühlt sich tatsächlich an, als würde man durch den Garten Eden wandern. Ein Naturparadies direkt vor der Haustür.

Märchenwald Zedlacher Paradies

Das Zedlacher Paradies trägt seinen Namen zurecht. Die Wanderungen durch den bis zu über 500 Jahre alten Lärchenwald lädt zum Träumen und Vergessen ein. Die herbstliche Idylle mit den goldenen Lärchen unterstreichen diese malerische Kulisse um diese Jahreszeit. Die Gehzeit ist bei diesem Rundweg überschaubar. Zeit ist jedoch in diesem Paradies Nebensache. Der Rundweg eignet sich definitiv auch für Familien und Senioren, den gut ausgebauten und eher flachen Wegen sei Dank.

Die Lärche im Zedlacher Paradies

Die Europäische Lärche (Larix decidua) ist ein sommergrüner Baum, der ein Alter von maximal 600 Jahren, Wuchshöhen von 54 Meter und Stammdurchmesser von 1,5 bis zu 2 m erreicht. Die Europäische Lärche war der Baum des Jahres 2002 in Österreich. Die Lärche ist einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch), es kommen somit männliche und weibliche Blüten auf einem Individuum vor. Im Herbst färben sich die Nadeln goldgelb und fallen ab. Die Blattbasen bleiben stehen, was dem kahlen Zweig ein raues Aussehen verleiht. Die Europäische Lärche ist der einzige in Europa heimische laubabwerfende, winterkahle Nadelbaum. Um Schädigungen durch Frosttrocknis an sonnigen Wintertagen zu vermeiden, verliert die Lärche im Herbst ihre Blätter, wie es sonst bei laubabwerfenden Laubbäumen üblich ist.

Waldlehrweg Zedlacher Paradies

Der Waldlehrpfad im Zedlacher Paradies bietet für Groß und Klein ein Abenteuer der besonderen Art. Das märchenhafte Flair dieses Waldes lädt ihre Besucher auf eine Zeitreise zurück in die Kindheit ein, wo Bilderbücher und Märchengeschichten zu jeder Wanderung gehörten, wie das Amen zum Gebet. Die zehn Stationen, welche am Waldlehrweg Zedlacher Paradies errichtet worden sind, führen uns quer durch den malerischen Wald. Dieser Lehrweg vermittelt jedem seiner Besucher Wissenswertes über den Wald, seiner Bewohner und über das hochinteressante Ökosystem Wald.

Handgemacht und riesengroß im Zedlacher Paradies

Unter so manch mächtiger Lärche verbirgt sich eines der überdimensionalen schmiedeeisernen Tiere, die der Matreier Künstler und Kunstschmied Erich Trost speziell für diesen Themenweg geschaffen hat. Ein drei Meter großer Bär zum Hineinklettern, ein Specht, Eulen, riesige Ameisen und Milben und noch viele mehr findet man in diesem paradiesischen Erlebnisweg. Das Entdecken der riesigen, märchenhaften Figuren im Wald macht nicht nur kleinen Besuchern Spaß, sondern verleiht dem Zedlacher Paradies auch sein natürliches Flair.

Jausenstation Wodenalm

Das Zedlacher Paradies liegt hinter uns, viel mehr unter uns. Oberhalb der Waldgrenze öffnet sich ein schier riesiges Almgebiet. Als Abschluss kehren wir in der gemütlichen Jausenstation „Wodenalm“ ein. Dieses Gasthäuschen liegt auf einer Höhe von 1.825m und wird von den Wirtsleuten Alois und Anna Niederegger liebenswert und auf traditionelle Weise geführt. Wir entscheiden uns für den leckeren Kaiserschmarrn, aber auch Kaspressknödel, die Wodenjause und verschiedene bäuerliche Spezialitäten stehen auf der Speisekarte. Die besondere Lage dieser Jausenstation am Eingang des Virgentals bietet sich als Ausgangspunkt für so manche Bergtouren, wie zum Beispiel die Tour auf den Hintereggkogel an.

Eines ist garantiert: Im Zedlacher Paradies kommt man in diesen ganz eigenen, paradiesischen Zustand. Vermutlich liegt es an der Kombination von Natur, Schönheit und Wandererlebnis.