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Bergweihnachten in Osttirol

Bergweihnachten in Osttirol
© Tourismusinformation Innervillgraten

Irgendwie sehnen wir uns doch alle jedes Jahr in der Advents- und Weihnachtszeit nach jenem Glücksgefühl, das in unseren Herzen lebendig geblieben ist – und so möchte ich dich auf die Reise meiner Kindheitserinnerungen an diese stille Zeit mitnehmen. Tauche jetzt mit mir in die Wunderwelt des „Kind-Seins“ ein und betrachte mit Kinderaugen die Advents- und Weihnachtsbräuche, die auch heutzutage in Osttirol immer noch gelebt werden!

„Der Zauber dieser Zeit,
wie kann es sein,
dass man so lieb sie haben kann,
was macht sie aus, erzähle!
Es liegt darin ein weicher Klang,
viel Kindheit mit Gesang –
und jede Menge Seele!“

Monika Minder

Die Bergweihnacht durch Kinderaugen betrachten

Die ersten Schneeflocken fallen ganz leise und sacht, bedecken langsam die Erde, die Bäume, die Dächer rundherum. Papa hat gestern noch das Futterhäuschen für die Vöglein im Garten aufgestellt, dass sie im kalten Winter keinen Hunger leiden müssen. Heute gehen wir gemeinsam in den Winterwald, wo die schönsten Tannenbäume stehen. Dort holen wir jedes Jahr die Tannenzweige für den Adventskranz, den Mama selbst bindet und mit roten Bändern und Kerzen schmückt. Auf dem großen Tisch in der Stube steht er dann den ganzen Advent hindurch und jeden Sonntagabend versammelt sich die Familie beim wärmenden Kerzenschein, um schöne Advents- und Weihnachtslieder zu singen.

Wie aufregend ist es für uns Kinder, jeden Morgen ein Türchen vom Adventskalender zu öffnen. Denn mit jedem Türchen, das wir aufmachen, fällt uns das Warten auf das Christkind ein klein wenig leichter. Am 4. Dezember – am heiligen Barbaratag – schneidet Mama ein paar Zweige von unserem Kirschbaum im Garten. Sie stellt sie in einer Vase in den Herrgottswinkel in der Stube. Wenn die Kirschzweige zu Weihnachten blühen, bringt das Glück im kommenden Jahr, so sagt man. Am 5. Dezember sind wir Kinder besonders aufgeregt und zappelig, deshalb will es auch mit dem Einschlafen nicht so recht funktionieren. Morgen kommt nämlich der Nikolaus!

Papa heizt in der Stube den Ofen ein, es soll warm und gemütlich sein. Inzwischen dämmert es schon, es hat aufgehört zu schneien und endlich ist es so weit. Hastig kriechen wir hinter den Stubentisch und warten mit Herzklopfen auf den Hl. Nikolaus. Mucksmäuschenstill ist es in der Stube geworden, als Papa gemeint hat, er hat ein Klopfen an der Tür gehört. Und wirklich, schon hört man die Schritte vom Nikolaus, wie er durch den Hausgang schreitet und auf einmal vor uns steht. Wie schön er ist, der Hl. Nikolaus, mit seinem langen, weißen Bart und dem roten Mantel. In der Hand hält er seinen gebogenen Stab, in der anderen das goldene Buch, aus dem er jedes Jahr die guten und die schlechten Taten der Kinder vorliest. „Vom Himmel hoch, da komm ich her, mit meinem Schlitten groß und schwer, will allen Kindern Gutes bringen, wenn sie für mich ein Liedchen singen!“ So singen wir aus voller Kehle das Lied „Lasst uns froh und munter sein“. Auch ein kleines Gedicht haben wir für den Nikolaus gelernt. Als Dank dafür hat er für jeden von uns ein Säcklein mit Süßigkeiten, Nüssen und Obst. Er segnet zum Abschied noch die ganze Familie und wandert hinaus in die kalte Winternacht.

Am nächsten Morgen zieht ein herrlicher Duft in das Kinderzimmer. Mama backt heute wohl Kekse. Da hält uns nichts mehr in den Betten. Alle Jahre um diese Zeit dürfen wir Mama in ihrer Weihnachtsbäckerei helfen, Töpfe ausschlecken und Kekse verzieren.
Schön ist es auch, wenn Mama mit uns Strohsterne für den Weihnachtsbaum bastelt. Papa holt jedes Jahr einen Tannenbaum vom Wald. Wir Kinder dürfen dann dem Christkind helfen, ihn zu schmücken. Schon träumen wir, wie er vor uns in seinem Lichterglanz steht. Die Tage vergehen und es dauert nur noch eine Woche bis zum Heiligen Abend – Christkind’s Geburtstag.

Ja, meine Geschwister und ich freuen uns schon so auf das Christkind, wenn es in der Heiligen Nacht zu uns kommt. Beinahe hätten wir vergessen, unsere Wunschzettel zu schreiben. Mama sagt, wenn wir es vor unser Zimmerfenster legen, wird es das Christkind in der Nacht gewiss holen. Und es ist wirklich wahr: alle Jahre geschieht es so! „Schon eigenartig“, denken wir Kinder, „wie geheimnisvoll und zauberhaft es in diesen Tagen in unserem Haus zugeht.“ Da geschehen eigenartige Dinge. Die Puppe meiner Schwester ist verschwunden, in unseren Stiefelchen in der Garderobe haben wir sogar ein paar Nüsse gefunden. Und Mama und Papa sprechen so sonderbar miteinander. Zur Weihnachtszeit kann wohl einfach alles passieren.

Der Zauber der Weihnacht liegt in der Luft. Noch einmal schlafen, dann ist es endlich so weit! Der grüne Tannenbaum steht noch nackt in der Stube und wartet darauf, von uns geschmückt zu werden. Könnte er sprechen, würde er erzählen, wie froh es ihn macht, uns als strahlender Christbaum Freude zu bereiten. Am nächsten Tag wird er von uns mit Strohsternen, glänzenden Kugeln und Silberlametta behängt – und auf seine Zweige stecken wir viele weiße Kerzen. Er wird der allerschönste Weihnachtsbaum sein! Und auch die Krippe stellen wir gemeinsam mit Mama und Papa auf.

Und dann ist er da, der Heilige Abend! Wir können kaum noch stillhalten, so aufgeregt sind wir. Im ganzen Haus duftet es nach Keksen, Tannennadeln und Weihrauch. Ob unsere Wünsche wohl in Erfüllung gehen? Wie mag es aussehen, das Christkind? Mama sagt immer, es hat alle Menschen lieb, aber besonders liebt es die kleinen Kinder, da es ja selbst als kleines Kind zu uns auf die Erde kam. Endlich, endlich läutet das kleine Glöckchen. Die Tür in der Stube geht auf und wir gehen ganz, ganz leise hinein. Ich glaube, ich hab das Christkind noch hinter dem Baum aus dem Fenster flitzen sehen, kann das sein? Da ist ein Strahlen, Glitzern und Funkeln, unser Christbaum leuchtet im hellsten Lichterschein. Unter ihm liegen viele bunte Pakete mit silbernen Schleifen. Ein schöner Schlitten mit einer roten Zugschnur steht da und die Puppe meiner Schwester sitzt drauf. Sie hat ein neues Kleid bekommen. Ein herrlicher Anblick.

„Ja, so stelle ich mir den Himmel vor“, denke ich mir, als wir alle zusammen um den Christbaum stehen. Wie schön es klingt, wenn wir gemeinsam singen. Papa holt das Buch mit der Weihnachtsgeschichte und liest uns vor, wie es damals war, im Stall zu Bethlehem. Heute ist die Nacht, wo alles so hell glitzert und strahlt, alle sind glücklich und froh. Die Herzen schlagen höher, pure Freude und Glückseligkeit liegen in der Luft. Das ist die wundersame Bergweihnachtszeit.

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Thomas
Thomas
29. November 2022 9:40

Wir leben im schönen Österreich!
Im schönen Österreich ist es immer noch die Adventzeit und nicht die Adventszeit!
Ich dachte ihr seid so traditionsverbunden…..
Schöne Weihnachten mit dem Christkind….

Osttirol Redaktion
Osttirol Redaktion
Antwort an  Thomas
29. November 2022 10:04

Lieber Thomas!
Danke vielmals für dein Feedback und dein aufmerksames Auge! 👀
Du hast natürlich Recht. Laut der österreichischen Rechtschreibung müsste „Adventzeit“ verwendet werden. 😉
Wir werden versuchen, das „s“ noch von der Adventzeit zu trennen – sofern es dazu bereit ist, getrennte Wege zu gehen! 😉
Dankeschön! 🥰 Die Wünsche gehen auch an dich zurück! Liebe Grüße, dein Osttirol Team.

Natascha Binder Binder
Natascha Binder Binder
Antwort an  Osttirol Redaktion
29. November 2022 14:51

Sehr coole Antwort!!!!!!!

Osttirol Redaktion
Osttirol Redaktion
Antwort an  Natascha Binder Binder
2. Dezember 2022 11:05

😉