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Was zum Geier!

Was zum Geier!
© Nationapark Hohe Tauern / Michael Knollseisen

Steinadler, Steinbock, Bartgeier, Gams und Murmeltier – das sind die BIG FIVE, die großen Fünf, des Nationalpark Hohe Tauern. Wir verraten dir, wo und wie du den Tieren begegnen kannst. Heute im Fokus: Der Bartgeier.

Gefährlich rote Augen, ein rotes Federkleid, getränkt vom Blut seiner Opfer und eine Größe, dass man meinen möchte die Sonne verschwindet. Hält man sich dies vor Augen, ist es wohl verständlich, dass die Menschen früher eine Riesenangst vor dem Überflieger hatten. Sie glaubten, der Bartgeier tötet und verspeist Lämmer, Gämsen und sogar Kinder. So sagte man in einigen Tälern zu den Kindern: „Wenn ihr nicht brav seid, dann holt euch der Geier.“ Aus heutiger Sicht weiß man, dass der Bartgeier keinem Lebewesen Schaden zufügt – er hat sich nämlich auf etwas Besonderes spezialisiert.

bartgeier-portrait

Was frisst der Bartgeier also wirklich?

Der Bartgeier hat sich auf den Verzehr von Knochen spezialisiert. Durch seinen sauren Magensaft (ph Wert = ca. 0,6-0,7) kann er Knochen innerhalb von 24 Stunden vollständig verdauen. Der Greifvogel kann Knochen bis zu einer Länge von 25 cm verschlingen. Größere Skelette lässt er aus einer Höhe von 20 – 150 Metern über Steinplatten fallen, um sie zu verkleinern und mundgerechte Stücke zu erhalten. Diese Steinplatten bzw. das felsige Gelände werden als Knochenschmiede bezeichnet.

bartgeier

Getränkt mit Blut seiner Feinde?

Früher dachte man, das rostrote Gefieder des Bartgeiers komme vom Blut seiner Opfer. Legenden zufolge soll der Bartgeier so ein „wilder Greifvogel“ sein, der sich nach dem Töten im Blut seiner Opfer suhlt. Heute weiß man, dass die Farbe vom Baden in eisenoxidhaltigem Schlamm kommt. Der Grund für dieses besondere Verhalten ist jedoch bis heute nicht eindeutig geklärt. Thermoregulation, Schutz vor Parasiten, aber auch rote Farbe als Statussymbol unter den Bartgeiern sind nur einige von vielen Theorien. Das rot gefärbte Gefieder erhalten Bartgeier erst im Alter von etwa sechs Jahren. Das Jugendkleid ist vorrangig dunkel bis schwarz – wie diese beiden Bilder zeigen.

Zahlen & Fakten zum Bartgeier

  • Mit seinen fast 3 Metern Flügelspannweite zählt er zu den größten flugfähigen Vögeln der Welt
  • Um kaum ein anderes Tier gibt es so viele Sagen und Mythen wie um den majestätischen Geier
  • Gewicht: 5-7 kg
  • Geschlechtsreif mit ca. 5-8 Jahren
  • Leben paarweise und bleiben mit ihrem Partner das gesamte Leben zusammen
  • Weibchen sind etwas größer als Männchen
  • Alter: über 30 Jahre
  • Junge Bartgeier können bis zu 700 km am Tag fliegen
  • Reviergröße: zwischen 100 und 750 km²
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Wiederansiedlung des Bartgeiers im Nationalpark Hohe Tauern

Die eingangs erwähnten Gründe waren wohl ausschlaggebend für die Ausrottung des Bartgeiers in den Alpen. 1986 wurde der erste Bartgeier dort wieder freigelassen.

Bartgeierfreilassungen in Osttirol:

  • 2001 Gschlösstal
  • 2004 Kals am Großglockner
  • 2007 Kals am Großglockner
  • 2010 Kals am Großglockner
  • 2014 Debanttal
  • 2015 Kals am Großglockner

Eine „Bartgeierfreilassung“ kann man sich nicht so vorstellen, dass man den Vogel aus einer Kiste lässt und dieser dann sofort wegfliegt. Die Vögel werden zu zweit in einer Felsnische ausgesetzt und bleiben 2-3 Wochen dort, bevor sie zu den ersten Flugversuchen aufbrechen.

Brut in Osttirol

Den Horst (so wird das Nest der Großgreife bezeichnet) der Bartgeier findet man meist in Felsnischen zwischen 1.400 und 2.400 Metern Seehöhe. Zwischen Dezember und Februar legt das Bartgeierweibchen zwei Eier. Die Bebrütung, sowie das Füttern des Nachwuchses wird von Männchen und Weibchen erledigt. Klappt alles, so schlüpfen die beiden Jungen nach etwas mehr als 50 Tagen. Im Regelfall überlebt jedoch nur eines der beiden geschlüpften. Die Eltern füttern bevorzugt nur das stärkere Bartgeierküken. Das zweite Ei dient nur als biologische Reserve, sollte das erste Ei beispielsweise beschädigt sein. Ende Juni / Anfang Juli startet der Junggeier seine ersten Flugversuche. Für einige Zeit wird er noch von den Eltern weiter mit Futter versorgt. Durchschnittlich starten wildlebende Bartgeier mit etwa 7 Jahren den ersten Brutversuch.

junger-bartgeier

Dieser bleibt jedoch meist ohne Erfolg – so auch im Nationalpark Hohe Tauern in Osttirol. In der Theorie mag die Bartgeierbrut einfach und logisch klingen. In der Praxis ist es jedoch ein hochkomplexer Prozess, welcher einige Versuche und einige Jahre braucht, um wirklich zu funktionieren. Aus diesem Grund ist es in Osttirol noch nie zu einer erfolgreichen Brut gekommen. Es gab bereits mehrere Versuche eines Paares im Gschlösstal und im Prägratner Dorfertal – jedoch immer ohne Erfolg. Bei Beobachtungen kann man immer wieder feststellen, dass die Osttiroler Paare sich ausgezeichnet verstehen und gut miteinander harmonieren. Es sollte also nur noch eine Frage der Zeit sein, bis endlich auch im Osttiroler Anteil des Nationalpark Hohe Tauern der erste „wilde“ Jungvogel ausfliegt.

Bartgeier beobachten im Nationalpark Hohe Tauern

Derzeit befinden sich fünf relativ standorttreue Bartgeier im Osttiroler Anteil des Nationalpark Hohe Tauern. Drei davon im Prägratner Dorfertal und zwei davon im Matreier Gschlösstal. Diese zwei Täler sind also die beste Adresse, um Bartgeier in Osttirol zu beobachten. Bei der „Könige der Lüfte“ Rangertour, rund ums Matreier Tauernhaus, gehst du gemeinsam mit einem Nationalpark-Ranger auf die Suche nach Bartgeier & Co. Die Nationalpark-Ranger zeigen dir die Plätze, wo sich die Großgreife gerne aufhalten und kennen noch viele weitere interessante Geschichten rund um die großen heimischen Vögel.

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Greifvogel Newsletter

Du willst noch mehr über große Vögel erfahren und über andere Highlights Bescheid wissen? Dann sei dir der Greifvogel-Newsletter vom Nationalpark Hohe Tauern ans Herz gelegt.

In der Reihe „ein Tier vor dem Vorhang“ stellen wir euch die „BIG FIVE“ des Nationalpark Hohe Tauern vor und verraten dabei wo und wie ihr den Tieren begegnen könnt. Jetzt mehr BIG FIVE Tiere kennenlernen!

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