Raus aus dem Alltag, rein in die Berge. Manchmal braucht es gar nicht viel: einen guten Weg, frische Luft und ein bisschen Zeit, um den Kopf freizubekommen.
Für Tanja sind genau diese Momente ein wesentlicher Teil ihres Lebens. Die 38-Jährige ist Bergwanderführerin, Nationalpark-Rangerin, Skilehrerin und Pilates-Trainerin. Vor allem aber ist sie jemand, der Menschen mit viel Gespür hinaus in die Natur begleitet. Dorthin, wo Osttirol ruhig, ursprünglich und manchmal überraschend einsam ist.
Die Berge geben mir das Gefühl, bei mir selbst anzukommen.


Ab in die Osttiroler Bergwelt
Aufgewachsen ist Tanja in einem kleinen Bergdorf in Oberkärnten. Die Nähe zur Natur gehörte für sie von Anfang an zum Alltag. Berge waren für sie Spielplatz, Rückzugsort und ein Stück Heimat.
Heute lebt Tanja in Osttirol. Hier hat sie einen Platz gefunden, der gut zu ihr und ihrer Arbeit passt: viele Täler, unzählige Gipfel, klare Bergseen und Wege, auf denen nicht ständig jemand entgegenkommt.
Als Bergwanderführerin möchte sie ihre Begeisterung für diese Landschaft weitergeben. Sie führt Gäste zu ihren liebsten Plätzen, veranstaltet Wander- und Yoga-Retreats und bietet Outdoor-Pilates an – unter anderem am Tristacher See. Dabei geht es ihr nicht um möglichst viele Höhenmeter oder darum, einen Gipfel möglichst schnell abzuhaken.
Es geht um echte Bergmomente.

Wo Gipfel im Wasser stehen
Fragt man Tanja nach einem besonderen Augenblick in Osttirol, muss sie nicht lange überlegen. Es sind die Bergseen, die ihr immer wieder im Gedächtnis bleiben. Wenn das Wasser ruhig ist und sich die umliegenden Gipfel darin spiegeln, scheint die Landschaft für einen Moment stillzustehen. Die Luft ist klar, rundherum ist kaum etwas zu hören. Kein Verkehr, kein Gedränge, keine lauten Stimmen. Nur Wasser, Fels, Himmel und vielleicht das leise Pfeifen eines Murmeltiers aus der Ferne. Gerade diese Ruhe macht Osttirol für Tanja besonders. Viele Plätze haben sich ihre Ursprünglichkeit bewahrt.
Hier fühlt es sich noch echt und unverfälscht an.
Wer mit Tanja unterwegs ist, erlebt keine Tour nach einem starren Programm. Sie achtet darauf, wie es den Menschen in ihrer Gruppe geht, welches Tempo zu ihnen passt und was sie an diesem Tag brauchen.
„Ohne Muss, dafür mit Herz“, beschreibt sie ihre Art der Begleitung.
Das bedeutet nicht, dass eine Tour planlos beginnt. Im Gegenteil: Eine sorgfältige Vorbereitung ist für die Bergwanderführerin unverzichtbar. Sie prüft die Wettervorhersage, beschäftigt sich mit der Streckenlänge, den Höhenmetern und dem Gelände. Ebenso wichtig ist das Fitnesslevel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Eine Wanderung soll fordern, aber niemanden überfordern. Genügend Pausen, die passende Ausrüstung und eine realistische Einschätzung der eigenen Kondition gehören deshalb genauso zur Tour wie Wanderschuhe und Rucksack.
Ob gemütlich oder sportlich: Am Ende zählt nicht, wer zuerst ankommt. Entscheidend ist, dass alle sicher unterwegs sind und den Tag als gemeinsames Erlebnis in Erinnerung behalten.

Mit offenen Augen durch Osttirol
Auf Tanjas Touren wird geschaut, zugehört und manchmal ganz bewusst stehen geblieben. Als Nationalpark-Rangerin kennt sie die Tier- und Pflanzenwelt der Region. Unterwegs erzählt sie von den Besonderheiten am Wegesrand, von Land und Leuten und von den Geschichten, die zu den Tälern und Bergen gehören. Eine unscheinbare Pflanze wird so plötzlich zum Überlebenskünstler. Ein Ruf aus dem Wald verrät, welcher Vogel sich zwischen den Ästen versteckt. Und aus einer einfachen Rast wird ein Moment, in dem der Duft der Bergwiesen, das Rauschen eines Baches und der Wind auf der Haut wieder bewusst wahrgenommen werden. Tanja baut solche Phasen des achtsamen Wanderns gezielt in ihre Touren ein. Nicht als komplizierte Übung, sondern als Einladung, für einige Minuten wirklich an dem Ort zu sein, an dem man gerade steht.

Vom ersten Bergweg bis zur aussichtsreichen Gipfeltour
Die Vielfalt der Osttiroler Landschaft ermöglicht Touren für nahezu jedes Niveau. Für Einsteigerinnen und Einsteiger empfiehlt Tanja beispielsweise das Innergschlöß. Das Tal am Fuße des Großvenedigers gilt nicht ohne Grund als einer der eindrucksvollsten Talabschlüsse der Ostalpen. Auch der Laserzsee, direkt neben der Karlsbaderhütte, ist ein Ziel für alle, die erste Erfahrungen in den Bergen sammeln und dabei ausreichend Zeit zum Schauen und Genießen haben möchten. Wer bereits über mehr Kondition und Bergerfahrung verfügt, findet auch anspruchsvollere Möglichkeiten. Dazu gehört zum Beispiel der Aufstieg auf das Figerhorn oder eine Runde über das Spinewitrol und den Dorfersee.
Dabei hat jedes Tal seinen eigenen Charakter. Gerade diese Unterschiede faszinieren Tanja: In Osttirol kann eine Wanderung sanft beginnen und wenige Stunden später mitten in einer scheinbar wilden Bergwelt enden.
Kleine Touren, große Eindrücke
Nicht immer braucht es viele Höhenmeter oder eine lange Tagesetappe, um Osttirol zu erleben. Auch kürzere Ausflüge führen zu besonderen Plätzen. Zum Beispiel ein Abschnitt des Iseltrails, ein Spaziergang durch das Innergschlöß oder ein Besuch der Oberstalleralm im Villgratental. Dazu kommen der Gletscherweg oder eine gemütliche Einkehr auf einer Hütte.
Und nach der Tour? Vielleicht noch ein Eis in der Sonnenstadt Lienz. Denn auch der genussvolle Abschluss gehört zu einem gelungenen Tag in Osttirol.


Was von einer Wanderung bleibt
Am Ende eines Bergtages sind die Wanderschuhe vielleicht staubig und die Beine müde. Doch oft sind es nicht die zurückgelegten Kilometer, an die man sich später erinnert. Es ist das kalte Wasser eines Baches an den Händen. Der Blick über eine Reihe von Gipfeln. Die gemeinsame Jause auf einem Stein. Oder die Stille an einem Bergsee, in dem sich die ganze Landschaft spiegelt.
Tanja wünscht ihren Gästen, dass sie genau solche Eindrücke mit nach Hause nehmen. Vielleicht bleibt der Duft der Bergwiesen noch ein wenig in der Nase. Vielleicht klingt das Rauschen der Bäche im Alltag nach. Und vielleicht entsteht bereits auf der Heimfahrt die leise Vorfreude auf den nächsten Weg durch Osttirol.
Denn echte Bergmomente enden nicht unbedingt mit dem letzten Schritt der Wanderung. Sie begleiten einen weiter.

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