05Feb

Meine erste Skitour – Was gilt es alles zu beachten?

Sport & Aktiv / Dietmar Ortner

Der Skitourensport hat sich längst von einer Nischenerscheinung zu einem Trendsport entwickelt. Immer mehr Wintersportler entdecken diesen Sport für sich und lassen sich vom Virus Skitourengehen infizieren. Allein in Österreich werden mittlerweile über 700.000 Skitourengeher gezählt und der Sporthandel erfreut sich über stetig steigende Umsätze. Aber was gilt es nun für Anfänger alles vor der ersten Skitour zu beachten?

Die richtige Ausrüstung für die erste Skitour

Wer das Skitourengehen erst einmal ausprobieren möchte, sollte sich zunächst die Ausrüstung ausleihen. Viele Sportgeschäfte vor Ort bieten mittlerweile diese Möglichkeit an und helfen einem, die für sich individuell passende Ausrüstung zu finden. Denn ohne kompetente Beratung und Hilfestellung ist es für den Anfänger fast unmöglich aus der Vielzahl von Angeboten die richtige Entscheidung zu treffen. Und bevor man mehrere tausend Euro in die Skitourenausrüstung und -bekleidung investiert, kann man diesen Sport so kostensparend ausprobieren.

Tipps zum Kauf

Wenn schon einige Touren erfolgreich bewältigt wurde und die Begeisterung hat eingeschlagen, dann empfiehlt sich der Kauf des Tourenausrüstung. Die Tourenski lassen sich in die Modelle Racer, Leichtgewichte, Allrounder, Performer und Freerider einteilen. Für den Anfänger wären hier die Allrounder zu empfehlen, denn diese sind leicht zu fahren und bieten ausgeglichene Fahreigenschaften bei allen Schneebeschaffenheiten und in jeder Geländesituation. Sie sind meist nicht allzu schwer und auf hartem Untergrund und im Schlechtschnee besser als die Leichtgewichte. Für die Skilänge gilt der Richtwert Körpergröße minus 10 Zentimeter. Für gute oder sehr gute Fahrer spricht allerdings nichts gegen einen etwas längeren Ski, da dieser mehr Auftrieb und meist auch mehr Stabilität bei höheren Geschwindigkeiten bietet.

Der Tourenschuh sollte über eine genaue Passform verfügen und vor allem bei der Abfahrt einen optimalen Halt bieten. Der Innenschuh kann im Sportgeschäft an die Fußform angepasst werden, damit man so Druckstellen vorbeugen kann. Die Schuhgröße sollte man auch etwas großzügiger wählen, da man grundsätzlich auch dickere Socken verwendet.

Bei der Tourenbindung gibt es zahlreiche Modelle und Techniken. Hier sollte man sich im Fachhandeln beraten lassen. Bei den Tourenfellen unterscheidet man grob zwischen Naturhaar, Synthetik und Mischqualität. Ein Helm sollte mittlerweile für jeden Tourengeher selbstverständlich sein. Für die ersten Skitouren tut es ein ganz normaler Rucksack mit einem Volumen zwischen 25 und 30 Litern. Hinein gehören unter anderem Wechselkleidung, Proviant und Getränk, und vor allem die Notfallausrüstung.

 

 

Notfallausrüstung ist Pflicht – und muss beherrscht werden, auch bei der ersten Skitour

Ein Lawinenverschüttetensuchgerät, kurz LVS-Gerät, eine Sonde und eine Schaufel gehören bei jeder Tour im freien Gelände in den Rucksack. Aber es reicht nicht aus, diese Dinge nur bei sich zu tragen, man muss auch damit umgehen können. Spätestens dann, wenn man sich von der gesicherten Piste hinaus ins Gelände orientiert, muss jedes einzelne Gruppenmitglied wissen, wie die Notfallausrüstung funktioniert und muss die Verschüttetensuche beherrschen. Die Statistiken beweisen, nur derjenige, der in den ersten 15 Minuten gefunden und ausgegraben wird, hat eine Überlebenschance von 90 Prozent. Danach sinkt diese rapide ab. Deswegen ist es so wichtig, dass man weiß, wie ein LVS-Gerät funktioniert und dass man das Suchen immer und immer wieder übt. Viele Vereine, Ausrüstungshersteller und auch die professionellen Osttiroler Bergführer bieten am Beginn einer Skitourensaison Kurse und Veranstaltungen dazu an.

Pistentour oder freies Gelände?

Für alle Anfänger ist es jedenfalls ratsam, sich zunächst im gesicherten Skiraum zu bewegen. Denn es gilt sich mit der Tourenausrüstung vertraut zu machen und die richtige Technik zu erlernen. Sei es das kräfteschonende Gehen, das Gehen mit Steighilfe und auch die Spitzkehrentechnik sollten beherrscht werden, bevor man sich in das freie Gelände wagt. Freunden und Bekannte, die bereits über eine ausreichende Erfahrung verfügen, helfen einem bei den ersten Gehversuchen und beim Erlernen der richtigen Technik.

Die wahre Schönheit des Skitourengehens entfaltet sich jedoch erst im freien Gelände. Das Naturerlebnis, die Ruhe und die grenzenlose Freiheit lassen sich nur hier erleben. Im Vergleich zum „Pistengehen“ ist hier der Aufwand allerdings ungleich höher und vor allem das Thema Sicherheit ist hier ein ganz entscheidender Faktor. Auch bei guten Verhältnissen gibt es im hochalpinen Raum nie eine absolute Sicherheit und auch die besten Profis und erfahrensten Skitourengeher könne nicht jeden Hang mit hundertprozentiger Sicherheit einschätzen. Ein gewisses Restrisiko ist bei diesem Sport immer vorhanden.

Themen wie Lawinen- und Wetterkunde, Tourenplanung, Spuranlage, Handhabung der Notfallausrüstung und einiges mehr müssen vertraut zu sein, um eine Skitour zu einem gelungen und sicheren Erlebnis zu machen. Wer sich ohne diese Kenntnisse in das freie Gelände wagt, geht unter Umständen ein sehr hohes Sicherheitsrisiko ein.

5 Tipps für Skitouren-Einsteiger im Gelände

Tourenplanung:

Vor jeder Skitour gilt es sich über die aktuelle Lawinenwarnstufe und die aktuelle Wetterlage zu informieren. Wenn man sich hier unsicher ist, unbedingt zu Hause bleiben und nichts riskieren. Die Skala der Lawinenwarnstufen umfasst die Stufen 1 bis 5. Dabei ist die Stufe 3 die gefährlichste, da diese am schwierigsten einzuschätzen ist. Zudem sollte man das Tourenziel an das Können und die Kondition des schwächsten Gruppenmitglieds anpassen.

In Osttirol eignen sich folgende Touren für Anfänger:

  • Skitour auf den Golzentipp , Gailtal
  • Skitour auf den Pürgleskunke, Villgratental
  • Skitour auf das Goiselemandl, Zettersfeld

Weitere Tourentipps für Anfänger findet man auf der interaktiven Karte Osttirol auf maps.osttirol.com.

Tourenausrüstung:

Vor jeder Skitour gilt es die Tourenausrüstung und Bekleidung auf Beschädigungen und Vollzähligkeit zu überprüfen. Dabei sollte nicht auf die Prüfung des Ladestandes der Batterien des LVS-Gerätes vergessen werden (mind. 70 %). Am Beginn jeder Skitour ist das LVS-Gerät zudem auf Funktionstüchtigkeit zu testen.

Tourenpartner:

Niemals alleine eine Skitour im freien Gelände durchführen. Vor allem unerfahrene Skitourengeher sollten sich nur in Begleitung eines Profis oder zumindest eines sehr erfahrenen Tourengehers ins freie Gelände wagen. Bereits harmlose Stürze können eine extreme Gefahr darstellen, wenn man sich zB ohne Hilfe nicht mehr aus dem Tiefschnee befreien kann. Auch bei viel begangenen Skitouren sollte man sich nicht verlassen, dass einem im Ernstfall schon geholfen werden würde. Sicherheit können hier nur eigene Tourenpartner bieten. Zudem gibt es im Hochgebirge immer noch Bereiche, wo es kein Handyempfang gibt und daher nur ein Tourenpartner Hilfe holen kann. Erfahrene Tourengeher prüfen den Schnee während der Tour, wählen die richtige Route, geben Tipps zum Abfahren. Das vermittelt gerade Anfängern ein Gefühl der Sicherheit – und man lernt für künftige Touren.

Supranlage:

Die richtige Spuranlage im Gelände macht viel aus. Gerade Anfänger sollten immer eine eher flache Spur wählen und das Gelände gut ausnützen. Das macht den Aufstieg weniger anstrengend und hilft so Kräfte für die Abfahrt zu sparen.

Technik:

Gerade am Beginn der Skitour sollte man ein sehr langsames Tempo wählen und dieses erst allmählich steigern. Die Schrittlänge sollte dabei nicht zu lang gewählt werden. Der Ski sollte den Schneekontakt möglichst nicht verlieren und in einem Zug nachgezogen werden. So kommt man ebenfalls möglichst kräftesparend voran.