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„Brutal & schön“- der SuperGiroDolomiti

„Brutal & schön“- der SuperGiroDolomiti
© Sportograf

Der SuperGiroDolomiti, der große Bruder der legendären Dolomitenradrundfahrt, ist die Herausforderung schlechthin für alle Radsportfans, die auf der Suche nach dem besonderen Kick im Sattel sind und dies in traumhafter Bergkulisse. Der zwei Länder-Giro ist nicht nur im Rennmodus ein Adrenalin-Kick der Sonderklasse, sondern auch ein absolutes Highlight beim nächsten Radausflug mit Freunden.

Super Challenge, super Strecke, super viele Kilometer, super harte Höhenmeter, super Landschaft, super Feeling, super anstrengend, super müde… Ich könnte meine „Superlativen“ noch weiter fortsetzen. Immerhin warten 5450 Höhenmeter und 228 Kilometer darauf bewältigt zu werden. Der SuperGiroDolomiti hält definitiv das, was sein Name verspricht. Das Ultra-Radmarathon-Event, welches alljährlich Anfang Juni im Rahmen der legendären Dolomitenradrundfahrt gestartet wird, ist selbst für erfahrene Marathon-Ciclisti eine grenzgeniale Herausforderung.

Gestartet wird der SuperGiroDolomiti in der Radsportmetropole Lienz, am Fuße der Lienzer Dolomiten. Die Strecke führt zunächst nach Oberkärnten bevor es über italienischen Boden mit absoluten Giro-Feeling wieder retour nach Kärnten und Osttirol geht. Wobei kein geringerer als der König der Berge, der berüchtigte Monte Zoncolan in Friaul, bekannt als mehrmaliges Etappenziel des Giro d’Italia, mit seinen besonders zackigen und „hochprozentigen“ Anstiegen erklommen wird.

SuperGiroDolomiti: Zweiländer-Giro

Kein Wunder, dass auch passionierte Hobby-Rennradfahrer, zu denen auch ich mich zähle, von dieser Giro-Magie angelockt werden. Wer die SuperGiroDolomiti-Challenge nicht im jährlichen Renn-Modus Anfang Juni absolvieren möchte: es lohnt sich auch abseits davon, wobei man sich vielleicht nicht ein starkes Reisewochenende aussuchen sollte, führt doch ein Teil der Strecke über den bekannten Plöckenpass, eine der wenigen Verbindungen über die Karnischen Alpen in den Süden zu den beliebten Urlaubszielen an der Oberen Adria.

Voll motiviert an einem super schönen Sommertag machte ich mich von der Dolomitenstadt Lienz aus auf Richtung Kärntner Tor nach Oberdrauburg, von wo die ersten Anstiege auf den Gailbergsattel (981m.ü.M.) warteten. Für Spezialisten ideal zum Warm werden, auch für mich noch angenehme Steigungen und ausgeglichen, fahrbaren Kehren. Läuft! 😉 Oben am Sattel angekommen, erhascht man schon einen Blick in Richtung Süden, bevor die Straße dann runter, vorbei am Luftkurort Laas nach Kötschach-Mauthen verläuft.

Der Plöckenpass: die Brücke nach Bella Italia

Im Ortsteil Mauthen geht der Radlerspaß dann richtig los. Jetzt werden Höhenmeter gemacht! Der Nordanstieg zum Plöckenpass (1.357 m)mit teilweisen Steigungen bis zu 13% wartet auf kopfstarke und motivierte Rennradfahrer:innen. Die insgesamt 30 km lange Strecke zwischen Kötschach-Mauthen und Paluzza führt uns zunächst durch den Wald. Zwischendurch lässt einen ein ca. 3 Kilometer langes Flachstück etwas durchschnaufen, bevor die steilen und teilweise beleuchteten, jedoch noch recht dunklen Galerien und Tunnel: „Bezwing mich“ rufen. Es empfiehlt sich daher ausdrücklich ein gutes Rücklicht mitzuführen und dieses für eine gute Sichtbarkeit zu aktivieren. Die steilen Rampen haben es wirklich in sich.

Serpentinen & Galerien

Oben angekommen erwartet einen die ehemalige Grenzstation, der Passübergang ins benachbarte Italien. Ich nutze die erste Chance in Bella Italia den ersten Cappuccino zu genießen, um mich von den Strapazen etwas zu erholen, bevor ich mich über die zahlreichen Serpentinen der schmalen Passstraße, gespickt mit engen Tunnels, in Richtung Süden hinunterwerfe. Ein richtig cooles Feeling, wie man es sich von den bekannten italienischen Passstraßen erwartet, mit Blick auf die schönen Berggipfel. Perfekt zum Ausrasten, jedoch sollte man stets die vorherrschenden Straßenverhältnisse im Auge behalten. Unten angekommen empfängt einen die erste Ortschaft auf italienischem Boden, Timau oder zu Deutsch „Tischelwang“ in der Region Friaul-Julisch-Venetien.

Vorbei an der monumentalen Kirche Parrocchia Santa Gertrudis führt die Straße Richtung Paluzza und weiter bis Ravascletto von wo aus das große Quälen, für mich zumindest, losging. Ich trinke Cappuccino Nummer zwei und ein Coke Zero, mein persönliches Radlermenü Nr.1, bevor der Monte Zoncolan wartet. Allein der Gedanke daran machte mich schon nervös, aber die Motivation war groß. Ich möchte den Berg bezwingen, wo schon so oft Giro-Geschichte geschrieben wurde. Schon bald macht einen ein großes Transparent darauf aufmerksam, dass man sich auf den Spuren des Profi-Peloton bewegt. Genial! Obwohl ich ja nicht dem Maglia Rosa nachjage, mit welchem mich höchstens meine vorherrschende Gesichtsfarbe bei diesen Steigungen verbindet, werde ich nervös.

Steil – steiler – Monte Zoncolan

Die Straßen auf den Giro-Berg sind teilweise schmal und vor allem steil mit Steigungen bis zu 15% und auch mehr. Der Rundumblick in die Friulaner Dolomiten sorgt aber für Abwechslung! Und einige Pausen gönnt man sich auf dieser Strecke sowieso immer wieder gerne. 😉 Der Tourismusort Ravascletto zum Beispiel, von wo aus Seilbahnen und Skilifte Winter- und Sommersportler auf die Gipfel wie den Zoncolan bringen, bietet viele Hotels und Ferienwohnungen im typischen Stil dieser schönen Bergregion. Bezaubernd! Nachdem die Oberschenkel schon extrem brennen und ich versuche die letzten Körner zu aktivieren, um das Giro-Denkmal am Zoncolan zu erreichen, motivieren mich zusätzlich die vielen Tafeln mit den Konterfeis der Giro-Größen wie Marco Pantani, die alle paar hundert Meter die steile Straße säumen und an das größte Radspektakel Italiens erinnern.

Nach einer erneuten Tasse Cappuccino und einer Riesenportion Spaghetti geht es wieder zurück in Richtung Plöckenpass, die Serpentinen hinauf bis zur Passhöhe. Die Windräder zeigen einen den Weg nach Österreich und ich verschwinde im langen Tunnel hinunter Richtung Kötschach-Mauthen. Das letzte Stück führt durch das idyllische Lesachtal. So schön und lieblich die Landschaft auch ist, so anspruchsvoll gestalten sich die nächsten 36 km, ein stetiger Anstieg mit einigen Passagen zum Ausrasten bis der höchste Punkt, der Kartitscher Sattel (1525m.ü.M.), erreicht ist. Aufgrund der südseitigen Lage ist die Sonne und die Hitze ein stetiger Begleiter und fordert einen zusätzlich. Dass man den bekannten Wallfahrtsort Maria Luggau erreicht, sieht man bereits kurz nach der Einfahrt ins Lesachtal, wo der Kreuzweg mit seinen kleinen Bildstöcken einen immer wieder begleiten.

Tal der 100 Mühlen

Das Lesachtal ist auch als das Tal der 100 Mühlen bekannt, wo dazumal mit Wasserkraft das Getreide gemahlen wurde. Noch heute sind einige Mühlen stets entlang der Strecke präsent und sorgen für kulturellen Genuss während der Fahrt.

Vom höchsten Punkt auf Osttiroler Boden geht es dann abwärts ins Pustertal und weiter in Richtung Lienz. Die letzten Kilometer verlaufen bis auf einen kurzen Anstieg über die Heisinger Höhe abwärts in den Lienzer Talboden, wo das Ziel, die Dolomitenstadt Lienz mit ihrem südlichen Flair auf uns wartet.

Müde, sehr müde, aber überglücklich steige ich vom Rennrad, ok, ehrlich gesagt versuche ich irgendwie vom Rad zu kommen. Elegant sieht anders aus, aber das ist egal. Der SuperGiroDolomiti ist eine wahnsinnig coole Eintages-Challenge für Spezialisten oder in mehreren Etappen eine grandiose Tour für Hobbyradler. Und wer die Tour lieber mit Betreuung und Labestationen entlang der Strecke bezwingt, der sollte sich gleich jetzt einen Startplatz für den SuperGiroDolomiti 2023 sichern!

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Osttirol Redaktion
Osttirol Redaktion
10. Oktober 2022 10:57

Lieber Konrad! Herzlichsten Dank für das nette Feedback! 😉 Liebe Grüße, dein Osttirol Team.

Töchterle Konrad
Töchterle Konrad
7. Oktober 2022 15:08

Super Bericht!