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Natur & Gesundheit

Bienenzucht im Villgratental

Bienenzucht im Villgratental
© pixabay-ugglemamma

Die Imkerei und Bienenzucht ist etwas ganz Besonderes. Wenn Blumen in Feldern und Wiesen bunt leuchten und die Almrosen auf den Almen in voller Blüte stehen, dann haben unsere Bienen und auch die Imker:innen viel zu tun.

Für Theresa Gutwenger, Jungbäurin am Selmerhof auf ca. 1640 m Seehöhe im Villgratental, hat es schon immer Bienen gegeben. Heute betreibt sie die Imkerei gemeinsam mit ihrer Schwester und ihrem Vater bereits in dritter Generation. Stolze 120 Völker mit je 20.000 bis 60.000 Bienen umfasst ihre Bienenzucht in einem der naturbelassensten Täler Österreichs.

Anfänglich als Herausforderung gesehen, konnte Theresa sich schließlich mit den summenden Insekten anfreunden. Die Faszination und Leidenschaft überwogen die Angst vor etwaigen Stichen. Heute genießt sie es, vor dem Bienenstock zu stehen und ihren fleißigen Bienen beim Sammeln von Nektar und Pollen zuzusehen. Wenn sie schwer beladen vor dem Flugloch landen und kurz verschnaufen, kann man beobachten, mit welchem Maß an Hingabe und Fleiß sie ihre Arbeit erledigen. Jede Biene ist eine kleine Heldin in einem großen, zusammenhängenden Ökosystem, das es zu schützen und zu erhalten gilt.

„Wenn die Bienen von der Erde verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.“

Albert Einstein
Anton Gutwenger mit seinen Bienen an einem Fichtenast.
Anton Gutwenger mit einem Bienenschwarm an einem Ast.

Jahresablauf in der Bienenzucht

August bis Oktober

Das Bienenjahr beginnt nicht am 1. Januar eines Jahres, sondern im Hochsommer Anfang August. Nach der Honigentnahme, nach der 1. Fütterung und nach der Varroa-Entmilbung (dazu am Ende mehr), wird die Winterbiene geboren – damit erfolgt der Start für das nächste Bienenjahr. Als wichtige Voraussetzungen, um starke Wintervölker durch die kalte Jahreszeit zu bringen, gelten schönes Wetter und damit zusammenhängend die Menge an vorhandenen Pollen, eine junge, starke Königin und genügend Futtervorräte.

Nach der Honigernte werden die Völker bis Mitte September mit einem lebensmittelechten Zuckersirup versorgt. Im Anschluss an die Einlagerung des Futters in den Waben und nach Auslaufen der letzten Brut formiert sich das Volk in einer Traube in mehreren Schichten um ihre Königin, um eine möglichst gute Isolierung nach außen zu gewährleisten. So überwintern Bienen bis ins nächste Jahr. Noch vor dem Winter, Ende Oktober, findet an warmen Tagen der abschließende Teil der Varroa-Entmilbung statt.

November bis März

In den Wintermonaten wird der geerntete Honig und Bienenwachsprodukte vom Selmerhof am Hofladen und im Ort verkauft. Aber auch abseits des Verkaufs gibt es einiges zu tun: Die Imker:innen überprüfen die Fluglöcher, reinigen Bienenkästen, erneuern Rähmchen, schmelzen alte Waben aus und bereiten neue Mittelwände vor. Außerdem behalten sie die Futtervorräte im Auge und kümmern sich darum, tote Völker dicht zu verschließen.

April bis Juli

Nun findet die Hauptarbeit der Imkerei statt: Angefangen von der erneuten Futterkontrolle über die Erweiterung der Beuten im Brut- und Honigraum bis hin zur Diagnose und Bekämpfung der Varroa-Milben gibt es allerhand zu tun!

Im Mai sollte auf die Schwarmverhinderung geachtet werden: Das sind Maßnahmen zum kontrollierten Ausschwärmen der Bienen, die dazu beitragen, das Überleben der Völker zu sichern, sie vor Krankheiten zu schützen und den Honigertrag zu sichern. Gelingt die Schwarmverhinderung nicht, müssen die Schwärme eingefangen und versorgt werden, um ein neues Jungvolk zu erhalten.

Im Juni, in höheren Lagen Osttirols auch im Juli, findet die sogenannte „Tracht“ statt, also das Zusammentragen der Mengen an Pollen, Nektar und Honigtau im Bienenstock. Darauf folgt die Honigernte, die im Detail weiter unten beschrieben wird. Wenn der Honig geerntet ist, die Bienen mit Futter versorgt und ein optimaler Polleneintrag eine erfolgreiche Brutentwicklung überwinterungsfähiger Völker verspricht, endet das Bienenjahr.

Die Honigernte

Im Sommer erzeugt die Bienen Honig, indem sie Nektar von verschiedenen Blüten sammelt. Mit ihrem Rüssel saugt sie den Nektar aus den Blütenkelchen und speichert ihn vorübergehend in ihrem Honigmagen. Beim Rückflug in den Bienenstock gibt die Sammelbiene den Nektar an die jungen Stockbienen zur Weiterverarbeitung ab. Beim Einlagern in die Waben fügen die Bienen der ursprünglich süßlichen Flüssigkeit aus den Blüten bestimmte Enzyme und Aminosäuren hinzu. Dadurch verändert sich die Zusammensetzung bereits leicht. Die Enzyme wandeln den Frucht -und Traubenzucker aus dem Nektar in sogenannten invertierten Zucker um.

Dabei verdunstet Wasser aus dem Nektar, was den Zuckergehalt erhöht und den Honig haltbar macht. Anschließend wird der verarbeitete Nektar in die Zellen oberhalb des Brutnestes als Vorrat für die Wintermonate eingelagert. Sobald der Honig reif ist, verschließen die Bienen die Waben mit einer dünnen Wachsschicht (auch Verdeckelung genannt), um den Honig haltbar zu machen. Der reife Honig wird anschließen von dem oder der Imker:in geerntet. Der entnommene Honigvorrat wird durch Futtersirup als Winternahrung ersetzt.

Bienen auf den Waben.
Bienen auf einer Brutwabe.

Königinnenzucht am Selmerhof

Bereits in 2. Generation werden bei Familie Gutwenger im Villgratental eigene Bienenköniginnen gezüchtet. Dazu suchen sich Theresa und ihr Vater Anfang Mai ein starkes Pflegevolk mit älterer Königin aus ihren 120 Bienenvölkern aus. Diesem Volk wird die Königin entnommen, damit es sich später um die Königinnenlarven kümmern kann.

Sobald keine offene Brut von der vorherigen Königin mehr vorhanden ist, erlischt die Möglichkeit dieses Volkes, weitere „Nachschaffensköniginnen“ heranzuziehen. Zu diesem Zeitpunkt wird die Zuchtlatte mit 2 x 10 Weiselnäpfchen in den Stock gehängt, damit sie den Stockduft annimmt.

Am nächsten Tag wird der sogenannte „Zuchstoff“ (bestehend aus vier Tage alten Bienenlarven) mit einem Umlarvlöffel aus einem zuvor ausgewählten, vielversprechenden Zuchtvolk* entnommen und in warme Weiselnäpfchen abgelegt. Die voll bestückte Zuchtlatte wird zurück ins Pflegevolk gegeben, wo sich die Bienen sogleich um die jungen Larven kümmern: Sie füttern sie mit dem Futtersaft (Gelée Royale) und bauen die größeren Königinnenzellen weiter aus. Im Alter von zehn Tagen sind die verpuppten, jungen Königinnen zur Entnahme bereit und werden auf vorbereitete Jungvölker verteilt, wo sie am 16. Tag schlüpfen.

Nach sechs bis zehn Tagen verlässt die junge Bienenkönigin zum einzigen Mal in ihrem Leben den Bienenstock, um sich auf ihren Hochzeitsflug zu begeben. Am Drohnensammelplatz paart sie sich mit mehreren (genetisch verschiedenen) Drohnen, von deren Samen sie ihr ganzes Leben lang zehrt, um Nachkommen zu schaffen. Die Bienenzucht wächst damit um eine weitere Generation.

*Die jungen Königinnen entstammen einem bereits seit Vorjahren gemerkten Volk. Bei der Auswahl wird besonders auf die Sanftmut der Bienen, auf deren Honigertrag, auf ihren Putztrieb im Stock, die Schwarmträgheit und ganz besonderes auf die Varroa-Tolertanz geachtet.

Die Varroa-Milbe

Als größte Herausforderung in der Bienenzucht gilt die Varroa-Milbe. Seit etwa 1990 kommt sie normalerweise in jedem Bienenvolk Osttirols vor. Während der Brutsaison der Bienen (Februar – Oktober) vermehren sich die Parasiten im Volk und können zu einem ernsthaften Problem werden.

Varroa-Weibchen wandern in die verdeckelungsreifen Brutzellen der Bienen ein. Die gesamte Entwicklung von der Eiablage bis zur Begattung der Milben-Jungweibchen findet dann in der verschlossenen Brutzelle statt. Während dieser Zeit ernähren sich sowohl die Muttermilbe als auch ihr Nachwuchs von den Körpersäften der Bienenlarve. Mit der schlüpfenden Jungbiene verlassen auch die reifen, bereits begatteten Varroa-Weibchen die Brutzelle und gehen sofort auf andere Brutzellen über. Ist die Milbenvermehrung in einer Zelle besonders intensiv, so werden die Bienenlarven durch die Parasiten geschädigt, wodurch die Jungbienen teilweise ohne Flügel und nicht lebensfähig schlüpfen.

Bisher gibt es kein wirksames Mittel gegen die Varroa-Milbe, das bei Honigproduktion eingesetzt werden kann. Dies stellt Imker:innen vor eine große Herausforderung in der Bienenzucht. Die bewährten Entmilbungsmaßnahmen gelangen nicht bis in die infizierten Brutzellen. Ein neuer Trend ohne Chemikalien ist das kontrollierte Absperren der Königin während der Haupttracht (also dem Honigsammeln), damit keine weitere Brut entstehen kann. Sind alle Völker brutfrei, wird die Königin wieder freigelassen und das Volk mit Oxalsäure besprüht. Zu dieser Zeit sitzen die Milben aufgrund fehlender Brutzellen auf den Bienen und werden durch den Kontakt mit der Säure abgetötet.

Die Varroa-Milbe ist eine der größten Herausforderungen in der heimischen Bienenzucht.
Die Varroa-Milbe stellt eine der größten Herausforderungen in der heimischen Bienenzucht dar.

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