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Über alle Grenzen

Über alle Grenzen
© Peter Maier

Wo dich der Weg an die Grenzen führt

Mehrtägige Wandertouren sind die „Königsklasse“ für viele Berg-Enthusiasten. Von Hütte zu Hütte, von Gipfel zu Gipfel, vielfach auch talüberquerend. Osttirol gilt zu Recht als das Weitwander-Land Österreichs. Über Jahrhunderte geschaffene und gepflegte Kulturlandschaften und atemberaubende Naturlandschaften prägen das „Bergtirol“ in besonderem Maße. Und eben die Natur führt uns vor Auge, was gerade in Zeiten wie diesen aktuell ist: es gibt in der Natur keine Gemeinde-, Regions- oder Staatsgrenzen. Hier und dort sieht es gleich aus, wachsen dieselben Pflanzen, überschreiten Tiere problemlos Grenzlinien, um einmal in Österreich, dann wieder in Italien zu fressen oder Auslauf zu finden. Grenzen sind auch für unsere Urlaubsgäste großteils irrelevant, da sie sich in einem Radius bewegen, der weit über Osttirol hinausreicht. Nachhaltiger ist es, die Region als Gesamtes als Erlebnisraum zu betrachten, dessen Vielfalt für den Gast einen attraktiven Mehrwert darstellt.

Um ebenfalls an deine Grenzen gehen zu können, stelle ich dir 3 grenzüberschreitende Weitwandertouren vor. Teils auf alten Pilgerwegen, die schon seit langer Zeit Gläubige nutzten. Teils auf Schmugglerpfaden, die in Zeiten strenger Grenzkontrollen von den Menschen hier und dort genutzt wurden. Teils aber auch auf historischen Besiedlungs- und Handelswegen, um neue Welten zu erkunden, auf der Suche nach einer neuen Heimat.

Körper und Geist stärken am Bergpilgerweg Hoch & Heilig
Seine eigenen Grenzen finden

Weitwandern am Hoch-Tirol-Trail: Einsame Grenzen überschreiten

Der neue Weitwanderweg Hoch-Tirol-Trail wird im Juli 2022 eröffnet und verbindet auf rund 27 km in drei Etappen die Südtiroler Ortschaft Prettau im Ahrntaler Talschluss mit der Ortschaft Prägraten am Großvenediger in Osttirol. Der neue Weitwanderweg ist ein sichtbares Zeichen, um alte Nachbarschaften wieder aufleben zu lassen. Denn die beiden Talgemeinden verbindet seid jeher gemeinsames Gedankengut, wurden in früheren Zeiten Waren über diese Bergwege ausgetauscht und geschmuggelt und wurden die eine oder andere lebenslange Freundschaft geschlossen.

Abstieg Umbaltal mit Blick auf die Dreiherrenspitze
Abstieg Umbaltal mit Blick auf die Dreiherrenspitze

Kurz nach dem Start in Prettau im Tauferer Ahrntal in Südtirol ist es fast so, als ob die Zeit ein wenig stehengeblieben ist. Im idyllischen Windtal ist eine einsame Heilig Geist Kapelle am Rand des Weges weitum das einzige durch Menschenhand geschaffene Bauwerk. Der Weg, mitten durch den Naturpark Rieserferner, führt über gut 1000 Höhenmeter hinauf zur Lenkljochhütte (2603 m) mit ihrem smaragdgrünen Bergsee, dem Tagesziel der ersten Etappe. Das 1887 von der DAV Sektion Leipzig erbaute hochalpine Schutzhaus bietet einen erstklassigen Blick auf die zerklüfteten Gletscherflanken der Rötspitze. Am nächsten Tag wird die Einsamkeit noch spürbarer. Die zweite und sehr anspruchsvolle Etappe führt zuerst zum Vorderen Umbaltörl auf 2926 m, dem höchsten Punkt des Trails, wo sich herrliche Ausblicke auf das Umbaltal mit dem dazugehörigen Gletscher auftun. Gute Trittsicherheit und ein wenig Orientierung sind beim Abstieg angesagt. Vorbei am Philipp-Reuter-Biwak führt ein bequemer Wiesensteig nach knapp viereinhalb Stunden Gehzeit zur Clarahütte, die bereits auf Osttiroler Seite im Nationalpark Hohe Tauern liegt.

Auf der letzten Etappe geht es auf dem Iseltrail durch das romantische Umbaltal. Die Isel, einer der letzten frei fließenden Gletscherflüsse der Alpen, ist dein stetiger Begleiter. Vorbei an den imposanten Umbalfällen wanderst du bergab in Richtung Ströden, einem kleinen Weiler kurz vor dem Ziel. Noch einmal die Kraft des Wassers in der Gloschlucht mit ihren beeindruckenden Wasserfällen bestaunen, bevor über die Ortschaft Hinterbichl in Prägraten am Großvenediger direkt das Ende des Hoch-Tirol-Trail naht.

Weitwandern am 2-Täler-Trail: Grenzerfahrungen auf dem Aussichtsbalkon der Alpen

Der Weitwanderweg über die Grenze nach Italien zeichnet sich durch seine besondere landschaftliche Schönheit und die leichte Begehbarkeit auf der mittleren Hangstufe aus. Der 2-Täler-Trail verläuft von Hopfgarten im Defereggental über 6 Tagesetappen mit mittleren und leichten Schwierigkeitsgraden nach Niederrasen im Antholzertal in Südtirol, insgesamt 90 Kilometern und rund 7.400 Höhenmetern. Jede der Etappen verfügt über ihre eigene Charakteristik des alpinen Natur- und Kulturraums und ist auch danach benannt. Was alle Routenabschnitte vereint ist das spektakuläre Panorama durch die aussichtsreiche Mittelhanglage, dem Balkon der Alpen – grandiose Fern- Tief- und Einblicke garantiert. Entlang der Route sind dazu stimmig Holzbalkone, in Ost- und Südtirol umgangssprachlich „Solder“ genannt, an besonders exponierten Aussichtspunkten aufgestellt. Auf Panoramatafeln findest du die Gipfel des jeweiligen Ausblicks erläutert. Auch jeden Routenstart markiert ein Solder mit Schautafeln, die Informationen zur Routenführung, zur Geschichte und zur Kultur des jeweiligen Ortes liefert.

Staller Sattel mit Obersee und Antholzersee
Grenzgenial: Staller Sattel mit Obersee und Antholzersee

Bei der Wegführung wurden bestehende Wege, Beherbergungsmöglichkeiten und Ab- oder Einstieg nach jeder Etappe eingebunden. Durch den 2-Täler-Trail wurden aber auch historische Wegführungen wiederbelebt. Auf Etappe 4 passierst du gleich zwei Mal die Landesgrenze. Ein Kriegerdenkmal am Passübergang des Staller Sattels erinnert an die enge Verbundenheit der beiden Täler Defereggental und Antholzertal, die nach dem 1.Weltkrieg durch die Teilung des Landes Tirol im Vertrag von Saint-Germain auf eine harte Probe gestellt wurde. Damals avancierte der Staller Sattel als Grenzübergang zu einem Tummelplatz für Schmuggler. Viele Spuren und Erinnerungen an diese Zeit sind bis heute erhalten.

Weitwandern am Bergpilgerweg Hoch & Heilig: Über Berge und Grenzen

Pilgern erfreut sich weltweit immer größerer Beliebtheit. Neben Klassikern, wie dem Jakobsweg in Frankreich und Spanien, etablieren sich zunehmend regionale Routen. Der Bergpilgerweg „Hoch und Heilig“ überzeugt mit einer bunten Vielfalt an natürlichen und historischen Sehenswürdigkeiten. In neun Etappen geht es von Wallfahrtsort zu Wallfahrtsort über 194 Kilometer und rund 11.000 Höhenmeter Aufstieg – und man überschreitet dabei immer wieder die eigenen, aber auch die physischen Grenzen.

Blick von Hollbruck in Kartitsch auf St. Oswald
Bergpilgerweg Hoch und Heilig oberhalb von Hollbruck in Kartitsch

„Hoch und Heilig“, der Name ist Programm für den Bergpilgerweg durch Osttirol und die grenznahen Wallfahrtsorte Maria Luggau, Heiligenblut in Kärnten und Innichen in Südtirol. Der Weg verbindet jahrhundertealte Pilgerstätten, Wallfahrtskirchen und Kapellen. Er folgt auf weiten Strecken ursprünglichen Wallfahrtswegen und ist dabei spirituellem sowie historischen und kulturellen Schätzen auf der Spur. Durch einsame Berglandschaften, sanfte Almen und stille Täler, führt vorbei an traditionellen Bergdörfern und lässt an tosenden Wassern einen Hauch von Ewigkeit spüren. Er verbindet aber auch Spiritualität mit landschaftlicher und kultureller Einzigartigkeit genauso wie körperliche mit mentaler Herausforderung. Beste Voraussetzungen also, um Einkehr bei gastfreundlichen Menschen, in der Natur und vor allem auch bei sich selbst zu finden.

Das „Hoch“ steht für die Anstiege und für das Erhebende auf diesem Pilgerweg. Die neun Etappen führen rund 11.000 Höhenmeter bergauf und bergab. Dafür ist ein gewisses Maß an Bergerfahrung, Ausdauer und Fitness erforderlich. Das „Heilig“ steht für das Heil suchen, Heil werden und die Begegnung mit dem Heiligen. Seit Jahrhunderten tragen Menschen Kummer und Leid, Bitte und Dank zu Wallfahrtskirchen und vor Gott. Sie gehen getröstet und manchmal auch körperlich gestärkt von diesen Seelenheilstätten nach Hause. Der Bergpilgerweg verbindet so in einzigartiger Weise Weitwandern in alpiner Bergwelt mit Wallfahren. Das hebt ihn einerseits von nicht spirituell motivierten Weitwanderwegen ab und andererseits von nicht bergbezogenen Pilgerwegen.

Lust auf weitere Weitwanderwege in Osttirol?

Noch nie zuvor waren so viele Menschen zu Fuß unterwegs. Der Trend zum Weitwandern ist ungebrochen. In Osttirol ist das Angebot enorm. So führt der Adlerweg durch den Nationalpark Hohe Tauern, der Karnische Höhenweg an der Grenze zu Italien bietet elf Hütten und 30 leichte Wandergipfel, die imposante Berglandschaft und Traditionen präsentiert der Herz-Ass Villgratental. Für Familien eignen sich der Höfetrail im Tiroler Gail- und Lesachtal und der neue Iseltrail. Neben Anbindungen zum Jakobsweg stehen auch der Lasörling– und Venediger Höhenweg im Norden Osttirols, oder der Große Törl Weg durch die Lienzer Dolomiten hoch im Kurs der Wanderfans.

Weitwandern, um auf deine eigenen Grenzen zu kommen.
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