Zu erleben beim Hoch Kultur Festival von 12.-15. August 2026
Franui ist ein Ensemble, das in keine musikalische Schublade passt. Die Musiker:innen sind im Villgratental in Osttirol aufgewachsen, in dem bäuerliche Alltagskultur, alpine Landschaft und eine Generation junger, neugieriger Musiker:innen Anfang der 1990er Jahre aufeinandertrafen. Genau dort entstand ein Klang, der sich frei zwischen Volksmusik, klassischer und zeitgenössischer Musik bewegt. Ein Klang, der sich nicht an Kategorien hält, sondern eine eigene Sprache entwickelt hat.
Alte Freundschaften und familiäre Bande bilden das Fundament der zehnköpfigen Musicbanda. „Mein Nachbar aus der Volksschule ist Teil von Franui, auch drei Geschwister aus Lienz, die ihre Sommer bei den Großeltern in Innervillgraten verbracht haben,“ erzählt Andreas Schett, künstlerischer Leiter von Franui.

Vom Gewitter zur Fangemeinde
1993 spielten Franui ihr erstes Konzert – in einem Heustadl, zu acht, die älteste Musikerin war 20, der jüngste 14 Jahre alt. Ein Gewitter beendete den Abend abrupt, doch die rund 1.500 Besucher:innen blieben. Seitdem gelten sie als die ersten treuen Fans von Franui.
Nach dem ersten Konzert folgten Einladungen in der Region, neue Stücke wurden einstudiert, und bald entstand ein Werk, das Franui überregional bekannt machte: die Vertonung einer Dorfgeschichte mit dem Titel „schreibt die Ortsbäuerin“. Die Geschichte erzählt vom Winter, der Arbeit, vom Nähen, Stricken, Flicken, von der Vorfreude auf den Sommer. Von Ribisl, Grantn und Schwarzbeeren, die gute Marmelade versprechen. Es ist ein schlichter Tätigkeitsbericht, der zugleich viel über den Alltag eines Frauenlebens in einem abgelegenen Tal erzählt. „Das Stück wurde ein Hit, auf ORF Radio Ö1 rauf und runter gespielt. Plötzlich hatten wir Fans weit über das Tal hinaus“, so Andreas Schett.
2005 folgte der nächste große Schritt: der Auftritt beim Festival Ruhrtriennale in Deutschland. Heute ist die Musicbanda Franui auf großen Bühnen mit gefeierten Produktionen unterwegs: Allein in diesem Jahr machte sie Station in der Elbphilharmonie Hamburg, beim Festival Bergen in Norwegen, im Burgtheater Wien, in Salzburg und in Bregenz. Im Rahmen des Hoch Kultur Festivals von 12. – 15.08.2026 spielt sie u. a. die erfolgreiche Produktion „Holzfällen“ von Thomas Bernhard mit dem Burg-Schauspieler Nicholas Ofczarek und die gefeierte „Die schöne Müllerin“ von Franz Schubert mit dem Bariton Florian Boesch. Gemeinsam mit der Sopranistin Christiane Karg präsentiert die Musicbanda ein neues Gustav-Mahler-Projekt.



Die ungewöhnliche Klangbatterie von Franui
Franui wollte nie ein klassisches Ensemble sein, keine Blasmusik-Kapelle und keine Folkloregruppe. Stattdessen entstand ein ungewöhnlich vielfältiger Klangkörper aus Holz- und Blechinstrumenten, zwei Streichinstrumenten, Akkordeon, Harfe, Zither und Hackbrett. Eine gemischte Gruppe, die sich bewusst gegen musikalische Kategorien stellt. In ihrem Zugang zur Volksmusik sehen sie sich in der Tradition von Komponisten wie Joseph Haydn, Franz Schubert oder Béla Bartók, die Volksmusik als Inspirationsquelle verstanden und in jeweils eigene Musiksprachen übersetzt haben, eine Eigensprachlichkeit entwickelt haben.
Der Klang ist auch nach 30 Jahren noch nicht ausgeschöpft, da sich durch die ungewöhnliche Zusammensetzung der Instrumente unendlich viele Möglichkeiten ergeben. „Die Musicbanda Franui ist wie ein altes Ehepaar. Es geht um Balance. Wer tritt wann hervor? Wie stark darf das Hackbrett sein, wie präsent die Klarinette? Dieses Ausbalancieren ist unser tägliches Arbeiten,“ so Andreas Schett, der selbst die Trompete spielt.
Der Name Franui stammt übrigens von einer Wiese, die zu den schönsten im Tal zählt, mit einer kleinen Hirtenhütte am Ende. Eine ehemalige Klosterfrau verbrachte dort ihre letzten Lebensjahre, erzählt Andreas Schett. Über die Wiese sagte sie einen Satz, der sich wie eine Liebeserklärung an diesen Ort anhört, den man aber auch als Liebeserklärung an den Klang der Musicbanda verstehen kann:
„Wenne oan Schinke in Himml hätt‘ und oan zi Franui nå zoichate in ondre åcha dorzui.“*)

*) Wenn ich ein Bein im Himmel hätt‘ und eines zu Franui dann würde ich das andere herunter dazuziehen.
Weitere Infos zur Veranstaltung unter www.hochkulturfestival.at

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